José Peñín mit spanischen Köchen
José Peñín mit spanischen Köchen, tb

José Peñín: Spaniens Weinpapst

Klein ist er, fast erinnert er an Don Quijote. Doch mit seinem kastilisch strengen Habitus macht José Peñín der Bezeichnung „Weinpapst“ alle Ehre. Er gilt als Experte schlechthin, nicht nur in seinem Heimatland.

 

Von Ines Holz

Jedes Jahr aufs Neue ersehnen und fürchten Spaniens Winzer die Neuausgabe der Guía Peñín. Die über 1000 Seiten starke Weinbibel entscheidet über Erfolg und Niederlage eines Weins. Selbst Spitzensommeliers orientieren sich an den Urteilen des Herausgebers Peñín und seines Teams. Dabei wurde dem gebürtigen Leónesen das Weindegustieren nicht in die Wiege gelegt. Er wächst als Stadtkind in Madrid auf, sein Vater ist weder Winzer noch trinkt er überhaupt Alkohol. Vermutlich findet der Sohn deswegen erst in seinem 33. Lebensjahr zum Wein. Peñín ist dankbar dafür, weil er dadurch eine Objektivität erlangen konnte, die vielen Kollegen vorenthalten bleibt. Denn jeder, der in einer Winzerfamilie aufwächst, wird von Geburt an durch deren Winzertradition geprägt. Sie beeinflusst naturgemäß jedes spätere Urteil – und sei es noch so geringfügig.

 

Weinverkoster undercover

 

Peñín pflegt seine Objektivität. Einen Wein – dies ist wörtlich zu nehmen – degustiert er grundsätzlich allein, in einem dunklen, geruchs- und geräuschlosen Raum. Nie zwei Weine auf einmal, nie mit Freunden, nie in der Öffentlichkeit. Angesichts dieser Eigentümlichkeit scheint es geradezu paradox, wenn Peñín behauptet, dass das Weintrinken heute mehr denn je eine sinnliche, hedonistische Erfahrung sei und Wein menschenverbindend wirke. Offensichtlich gilt dies nicht für den Weinkritiker.

 

 

Der Iberische Robert Parker

Peñín bezeichnet sich gern als „Sklave seiner Arbeit“, der sich nicht von den stylishen Bodegas mit großen Namen blenden lässt. Er ist auf der Suche nach den wirklich guten Weinen, auch den Namenlosen. Die Bezeichnung „denominación de orígen“ bedeutet ihm nicht viel, wie er in einem Interview sagt (mehr). Selbst der kleinste Betrieb kann einen großartigen Wein hervorbringen, auch ohne Herkunftssiegel. Genau diese Weine will Peñín aufspüren und klassifizieren: „Meine Mission ist die Vermittlung.“ Durch sie ist er eine Art „Iberischer Robert Parkers“ geworden, was er zu Beginn seiner Karriere nicht ahnen konnte. 1975 traf er als Pharmavertreter auf einen Gleichgesinnten. Sie wollten unbekannte Weine aufspüren und Peñín gründete den ersten Weinclub Spaniens namens „Cluve“. 1980 erschien das erste spanische Weinmagazin „Bouquet“, zeitgleich veröffentlichte er einen der ersten Bestseller zum Thema Wein. Heute ist Peñín nicht nur Herausgeber der Weinzeitschrift „Sabaritas“, sondern schreibt auch als freier Autor für namhafte spanische Zeitungen und nahezu alle kulinarischen Zeitschriften.


Umgeben von Neidern und Kritikern

 

Peñín ist sich der Verantwortung bewusst, die mit seiner Position einhergeht. Deshalb will er so gut wie möglich sein. Angst vor Fehlern hat er aber wie jeder andere auch. Denn neben den Jüngern gibt es genauso viele Neider. „Manche warten nur darauf, dass ich mich vertue“, erklärt Peñín in einem Interview. Steht jemand so im Fokus der Öffentlichkeit, verwundert es nicht, dass er schon mal als arrogant bezeichnet wird. Vermutlich will er aber nur Abstand gewinnen, denn zurückziehen würde sich der spanische Weinpapst gern viel öfter.

 

 

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Die Autorin:

Ines Holz studierte Germanistik und Linguistik in Wuppertal und  arbeitete bereits als Lektorin in einem Werbelektorat und als Redakteurin im Bereich ver- ständliche Verwaltungssprache.

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