Spaniens König Felipe VI. im Porträt

19. Juni 2014: Aus Prinz Felipe von Asturien wird Felipe VI. Gäste und Gottesdienst bei der Zeremonie gibt es nicht. Dafür eine neue Chance für die Monarchie. Ein Porträt des neuen spanischen Königs.

von Anne Urbschat

In Jeans und T-Shirt sieht man ihn selten. Wenn doch, dann auf Urlaubsfotos mit Letizia und den Töchtern Leonor und Sofia. Weitaus häufiger trägt er Anzug und Krawatte oder Militäruniform. Großgewachsen (1,97m) ist er und elegant. Kurze braune Haare, stark angegrauter Vollbart. Die hellenischen Züge der Mutter vereint mit den bourbonenblauen Augen der väterlichen Linie. Der ernste Blick ist schon auf Kindheitsporträts zu erkennen. Sogar lächelnd wirkt er fast melancholisch. Das People Magazine kürt ihn 1993 zu einem der 50 schönsten Menschen der Welt – trotz der Segelohren. Felipe Juan Pablo Alfonso de Todos los Santos de Borbón y Grecia wird am 30. Januar 1968 in Madrid geboren, als jüngstes Kind und einziger Sohn von König Juan Carlos und Königin Sofía. Angeblich fällt der Vater in Ohnmacht, als er hört, dass es endlich einen Thronfolger gibt.

Der Prinz träumt von Weltall

Der junge Prinz genießt eine privilegierte, aber strenge Ausbildung. Er lernt Katalanisch, Französisch, Englisch und ein wenig Griechisch. In der Schule sind Physik und Chemie seine Lieblingsfächer. Er interessiert sich für die Sterne am Himmel und wird stattdessen Oberstleutnant der Infanterie, Marine und Luftwaffe. Die Militärakademie ist Pflicht, denn in Spanien ist der König Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Nach dem Jurastudium in Madrid macht er in Washington D.C. einen Master in Internationalen Beziehungen.

Vom Mustersohn zum Monarchen

Auf die Rolle als Regent hat sich der „Mustersohn“ (FAZ) sein ganzes Leben lang pflichtbewusst vorbereitet. Als 13-jähriger durchwacht er an der Seite des Königs die Nacht des Militärputsches. Das Datum, der 23. Februar 1981, ist Spaniern schlicht als 23-F bekannt. Teile des Militärs versuchen, die Diktatur wieder einzuführen. Juan Carlos pfeift sie zurück und hält in Uniform und seiner Rolle als Oberbefehlshaber eine Fernsehansprache, in der er sich für die Demokratie und die spanische Verfassung ausspricht. Felipe ist die ganze Zeit in seiner Nähe. Am nächsten Morgen muss er trotzdem zur Schule. „Mein Sohn Felipe verkörpert die Stabilität, die das Kennzeichen der Monarchie ist“, so der Vater. Solide ist er und zurückhaltend. Genau das, was sich spanische Monarchisten wünschen. Farblos und langweilig? Manche werfen ihm mangelnden Charme und Humor vor. „Ich gelte als sehr ernst", weiß er, aber Humorlosigkeit weist er von sich.

Infant Terrible: Leti oder Thronverzicht

Der Infant hat durchaus seinen eigenen Kopf und Willen. Er lernt die geschiedene Letizia Ortiz Rocasolano kennen, als die damalige TV-Journalistin 2002 nach der Havarie der Prestige über die Ölkatastrophe an der galicischen Küste berichtet und Felipe dazu interviewt. Die Ehe mit „Leti“ setzt er gegen den Willen seiner entsetzten Eltern durch. Laut Verfassung müssen in Spanien sowohl König als auch Parlament einer Heirat des Thronfolgers zustimmen. Felipe droht mit Thronverzicht und erpresst so das nötige Einverständnis.

Papa mit Büroarbeitszeiten

Das Paar, das im Mai 2014 seinen zehnten Hochzeitstag feierte, legt Wert auf eine möglichst normale Erziehung der Töchter Leonor (*31.10.2005) und Sofia (*29.4.2007). Er bringt sie zur Schule, spielt mit ihnen und liest ihnen Geschichten vor. Sie hat für sich und ihren Mann reguläre Büroarbeitszeiten durchgesetzt. Den Urlaub verbringen sie oft auf ihrer Finca in Mallorca. Kaum anders als so mancher deutscher Tourist. Verschiedentlich soll das künftige Staatsoberhaupt auch schon inkognito gereist sein und fuhr in der Hochzeitsnacht undercover mit der neuen Braut nach Cuenca. Die Biker im Restaurant dort trauten ihren Augen nicht. Und wie es sich für einen spanischen Regenten gehört, kann Felipe Ski, Squash, Salsa und vor allem Segeln. Schon Vater Juan Carlos, Mutter Sofia, Onkel und Schwester nahmen in dieser Sportart an den Olympischen Spielen teil. Sohn Felipe war in Barcelona 1992 Fahnenträger des spanischen Teams und Sechster im Soling. 

Kebab Royal

Vielfältig sind auch die Essgewohnheiten von Felipe VI: Einerseits sucht der Gourmet oft angesagte Restaurants in Madrid auf, andererseits, so heißt es, mag er besonders gerne Kebab und Sandwiches. Und kochen kann er angeblich auch. An der Uni in Amerika war er für seine Paellas und Tortillas bekannt. Als Prinz konnte er einmal in der Woche mit Letizia ins Kino gehen, saß mit ihr in der letzten Reihe und aß Popkorn. Als König hat er nun kaum noch Zeit dafür. Die Aufgaben sind immens: Felipe VI. muss die Generäle im Zaun halten, die Spanier vereinen und das ramponierte Image der spanischen Krone aufbessern, welches sein Vater hinterlassen hat. Übrigens: Der König Spaniens hat auch Volksnähe gelernt. So ist es einer jungen deutschen Besucherin doch tatsächlich gelungen, ein Selfie mit dem Monarchen zu machen. Im Sommer 2019 während eines Besuchs in Madrid.

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