Goya im Kloster Cartuja Aula Dei

Einen Steinwurf von Zaragoza entfernt liegt das Kartäuserkloster Cartuja Aula Dei. Die damaligen Mönche leben nicht mehr hier, dafür ist die Klosterkirche sehr beliebt. Ein Highlight sind die noch erhaltenen Marienbilder des jungen Malers Francisco de Goya.

von Tobias Büscher

Die gute Nachricht gleich vorweg: Jeder darf sich heute die Bilder ansehen. Das war nicht immer so.

"Sorry, ich bin eine Frau"

Der 11. November 1998 ist ein denkwürdiges Datum. Spaniens damalige Königin Sofia betritt das Kloster Aula Dei im Aragón und entschuldigt sich gleich mal beim Vorsteher des Priorats. Sie durfte als erste Frau die Cartuja Del Aula Dei besuchen. Ein Kloster, in dem der damals 28-jährige Goya im Jahr 1774 Wandbilder von der Heiligen Jungfrau gestaltet hatte. 

Seitdem dürfen also auch Frauen in den Konvent. Mehr noch, die Karthäuser sind gar nicht mehr da. Die Mönche sind in ein Kloster nahe Burgos gezogen und haben Platz gemacht für eine relativ junge Glaubensgemeinschaft: Chemin Neuf.

Alte Bilder, junger Maler

Die Bilder stehen längst unter Schutz, doch 1917 mussten die damaligen Mönche sie sogar in Schutz nehmen und die Neugestaltung der Wände verhindern. Was klappte. Tatsächlich sind die Gemälde für Goya-Fans hoch interessant. Noch war der Maler weit weg von seinem späteren Können. Die Gesichter der Heiligen und Engel wirken erfrischend simpel im Vergleich zu dem, was Francisco später malte: Sabbernde Hexen, fliegende Dämonen und blutende Kriegsopfer.

Sieben der elf großflächigen Gemälde von Goya sind noch erhalten. Alle drehen sich um die Gottesmutter, doch in einem hat sich der junge Maler sogar selbst verwirklicht. So wie einst sein Vorbild Velázquez.

Kinderwagen im Kreuzgang

Wer das Kloster in Peñaflor nahe Zaragoza besucht, wundert sich zunächst schon am Eingang. Viele Paare mit Kindern sind hier zu sehen, die in den Nebengebäuden wohnen. Spannender wird es dann im Innern. Alte Mönchszellen, der Klostergarten, der ehemalige Aufmarschplatz für Soldaten, sogar ein Kinderwagen im Kreuzgang taucht auf. 

Wie ist das möglich? Chemin Neuf entstand als kleine Glaubensgemeinschaft 1973 in Lyon. Inzwischen gibt es über 3000 Mitglieder. Und die leben nicht nur hier in der Cartuja, sondern auch in der Herz-Jesu-Kirche am Prenzlauer Berg. Brüder, Schwestern und Ehepaare können dort Mitglied sein. Sie bieten Wohnraum für Studenten. Paartherapie und versteht sich als "katholische Gemeinschaft mit ökumenischer Berufung". 

Der Glaubensgemeinschaft ist es übrigens zu verdanken, dass die Goya-Gemälde heute für alle zugänglich sind. Wenn auch nur einmal pro Woche, und unter Führung eines der Mitglieder.

Besuch des Klosters

Der Besuch der Aula Dei ist gut mit einem Aufenthalt in Zaragoza vereinbar. Die Stadt feiert beim Fest Pilar im Oktober ihren berühmten Anwohner Goya mit viel Programm. Und in mehreren Museen sind Werke von ihm ausgestellt. darunter im Museum von Zaragoza.

Das Kloster aus dem 14. Jahrhundert ist zwar geöffnet für das Publikum, jedoch mit Einschränkungen: Besucher und kleine Familien werden nach Informationen von Padre Philippe Berger am Donnerstag empfangen. Kontakt über

Padre Philippe Berger
Responsable de las visitas
Cartuja Aula Dei
Comunidad Chemin Neuf
Ctra Montañana a Peñaflor km 14
50192 Zaragoza, España

+ 34 976 45 00 02

visitas.cartuja@gmail.com