Der Bikini wird 75

Am 5. Juli 1946 erblickte ein sehr knappes Kleidungsstück die Welt: der Bikini. Damals ein Skandal, heute ein ganz alltägliches Strand-Asseccoire. Und in Spanien lange Zeit tabu.
    
von Tobias Büscher

Unvergessen, wie Ursula Andress 1962 im Film „James Bond jagt Dr. No“ im Zweiteiler aus dem Meer auftaucht. Doch als die Nackttänzerin Micheline Bernardini im ersten Sommer nach dem 2. Weltkriegs ihren großen Auftritt hatte, schlug das ein wie eine Bombe. 

Was war passiert? Ein gelernter Maschinenbauingenieur namens Louis Réard hatte den Unterwäscheladen seiner Mutter übernommen und dachte klein. Sehr klein. Er nannte sein kleinstes Kleidungsstück, das Bernardini im Pariser Schwimmbad Molitor vorführte, ausgerechnet Bikini. Nach dem Bikini-Atoll im Pazifik, wo der ersten Atombombentest stattfand.

Für den Bikini mit der Vespa nach Madrid

In Spanien kam die knappe Mode allerdings erst einmal nicht gut an. Unter Franco durften Frauen weder in Unterwäsche herumlaufen, noch ein Bankkonto eröffnen. Auch ließ der Diktator jedes Filmplakat aus Hollywood verändern, das zu viel nackte Haut zeigte. Sogar Brigitte Bardot ließ er wieder anziehen.

Doch dann kam eine Wende. Zehn Jahre nach der Erfindung des Bikinis fuhr ein Mann namens Pedro Zaragoza (1922-2008) mit seiner Vespa nach Madrid. Die Fahrt dauerte acht Stunden. Er sprach mit Francisco Franco über eine Chance, aus der Wirtschaftskrise zu kommen: Spanien solle ein freizügiges Urlaubsziel werden. Auch am Mittelmeer- strand.

Der Diktator war zunächst wenig angetan. Ausländische linke Strömungen wollte er fernhalten und sein Land so züchtig und fromm halten, wie es nur ging. Doch ausgerechnet seine Frau Maria del Carmen und der Finanzminister überzeugten ihn. Die Folge: Der Tourismus wurde zum wichtigsten Wirtschaftsfaktor, Dienstleistung das Maß aller Dinge. Bis heute.

Und nur so ist zu verstehen, warum deutsche Urlauber auch in der Pandemie auf die Kanaren und Balearen fliegen konnten.

Die Geburtsstunde von Benidorm

Übrigens: Pedro Zaragoza war damals Bürgermeister von Benidorm. Zu einer Zeit, als das höchste Gebäude der Stadt am Mittelmeer der Kirchturm war.

Heute ist sie eine Touristenhochburg mit der Anmutung Manhattens. Und für einige so abschreckend wie seinerzeit das Tragen von knapper Kleidung für Franco und den Papst.

 

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