Eibar erinnert sich

Der Bürgermeister von Eibar hat ein historisches Bild mitten ins Zentrum gehängt. Und erinnert an eine Zeit, als die kleine Stadt im Baskenland noch keine Fußballmannschaft in Liga 1 hatte.

von Tobias Büscher

Da hängt es an der Kirchenmauer mitten im Zentrum. Ein Bild in Schwarzweiß zeigt das erste Moped, das durch die Altstadtgassen der Bergstadt im Baskenland fährt. Ein bisschen wirkt es wie in Deutschland das Foto vom Millionsten Gastarbeiter im Jahr 1964. Als damals der Portugiese Armando Rodrigues de Sá auch so ein motorisiertes Zweirad bekam.

Gigantisch gut

Eibar ist mit 27.000 Einwohnern ungefähr so groß wie Lohmar oder Wheil am Rhein. Der Bergort ist so hügelig, da nehmen die Anwohner schon mal die Rolltreppen, um das Stadion weiter oben zu erreichen. Die Kleinstadt in der Provinz Guipuzkoa gibt es erst seit dem 14. Jahrhundert. Und hat als erste Stadt die Zweite Republik ausgerufen. Und im Bürgerkrieg auf Seiten der Republikaner gekämpft. Dagegen ist es schon eine Fußnote, wenn ein motorisiertes Zweirad einfährt. Dennoch ist dieses riesige Bild ein schönes Zeichen. Vor allem weil das Land mit seiner Geschichte ringt: Mal geht es um den historischen Rang Kataloniens, dann wieder um die Umbettung der Gebeine von Diktator Franco. Da ist so ein Alltagsbild geradezu erfrischend.

Der super Club

So klein die Stadt Eibar, so groß ihr Fußball. Als ich mit Tochter und Frau im August 2019 dort war, bekam das Stadion gerade ein Facelifting für die anstehende Saison. Doch in den Restaurants und Tavernen gibt es kaum Fotos von Fußballstars. Kurios eigentlich. Denn der SD Eibar bietet sogar Real Madrid und dem FC Barcelona die Stirn. Im Mai 2014 stieg die Mannschaft mit kaum Geld auf in die Primera División. Und konnte sich bislang dort halten. Auch davon wird sicher einmal ein Foto an der Kirchenwand hängen. In 50 Jahren. Und in Farbe.