Hochzeitsfeste und Bräuche in Spanien
„Que se besen“ (sie sollen sich küssen) und „vivan los novios“ (es lebe das Brautpaar) rufen spanische Hochzeitsgäste. Nicht nur ausschließlich vor dem Standesamt, noch einige wenige finden die kirchliche Hochzeit populär. Vor allem aber sind diese bodas teuer. Im Durchschnitt geben die Spanier fast 25.000 Euro für solche Bodas (Hochzeiten) aus.
von Tobias Büscher
Die spanische Hochzeit ähnelt als gesellschaftlicher Akt der unsrigen in vielen Bereichen. Es gibt Hochzeitslisten in den Geschäften, den von Peepshow und Alkohol geprägten Abschied vom Junggesellenleben und den Reisregen für das Glück.
Auch wirft die Braut den Strauß in die Menge, auf dass eine ihrer Freundinnen als nächstes heirate.
Wenn die Stecknadel fällt ...
Dafür verteilt sie aber auch Stecknadeln. Sie werden den noch ledigen Freundinnen so an das Kostüm gesteckt, dass die farbigen Köpfe der Nadeln nach unten zeigen.
Fallen sie im Verlauf des Festes heraus, ist das nächste Hochzeitsfest nicht mehr weit. Die Chance, die Nadeln zu verlieren, ist groß.
Denn bei einer boda bewegen die Teilnehmer sich gerne, vor allem zur Livemusik einer befreundeten Band. Meist sind zahlreiche Gäste geladen.
Banquetes: gigantische Hochzeitshallen
Für Essen und Tanz werden extra dafür gebaute Hochzeitshallen gemietet, so genannte banquetes. Geldgeschenke sind beliebt. Das Paar bemüht sich dabei, die Höhe der Summe genau zu notieren.
Der Schenkende bekommt dieselbe Summe nämlich bei seiner eigenen Hochzeit wieder zurück. Bares wert ist der Schlips des Bräutigams. Er wird in Stücke geschnitten. Die Schnipsel kann man kaufen und so die Hochzeitsreise mitfinanzieren.
Laut bodas.net freuen sich aber vor allem die Banken über die Hochzeiten. Viele Spanier nehmen einen Kredit auf, die Party kostet im Schnitt angeblich 24.618 Euro. Da werden Live-Bands eingeladen, die Austern-Tische können nicht lang genug sein und das beliebteste Hochzeitsgeschenk ist das Geldgeschenk, um mit der boda nicht gleich zu verarmen.
Allerdings gibt es bereits einen gegenläufigen Trend: Wie El País berichtet, ziehen sich manche junge Paare ganz gerne mit den besten Freunden aufs Land zurück und feiern mit Dosenbier.
Laut dem Instituto Nacionál de Estadistica gab es allein 2024 übrigens 86.595 Scheidungen im ganzen Land, 8,6 Prozent mehr als im Vorjahr.
Alles im Schatten der Boda von Letizia und Felipe
Eine solche „Reise des Honigmonds“ (viaje de luna de miel) ist Prestige pur. Je weiter weg, je exotischer, desto besser. Am besten Vietnam oder so was in der Art.
Die aufregendste Hochzeit der letzten Zeit ist schon etwas her. Mai 2004. Der 1,97 Meter hohe Kronprinz Felipe gab in Madrids Almudena-Kathedrale einer Bürgerlichen das Sí-Wort: der TV-Journalistin Letizia Ortiz, bis dahin eine Art Anne Will des spanischen Fernsehens.
Die Konservativen im Land rauften sich die Haare: Mein Gott, eine Braut aus der Glotze! Und jetzt, viele Jahre später, sind die beiden das neue spanische Königspaar.
Übrigens heiraten nur noch 18 Prozent der Spanier kirchlich (Stand 2026).




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