Kuriose Festbräuche in Spanien

Särge, Säuglinge und Silvester im August. Feste in Spanien sind beliebt. Und einige ziemlich skurril. Da sind schon mal Lebende in Särgen unterwegs und Büßer, die sich mehr geißeln als die Kirche erlaubt. Ein Überblick über die kuriosesten Feste und Bräuche in Spanien.

 

von Tobias Büscher

Die fünf kuriosesten Feste Spaniens haben alle einen religiösen Hintergrund. Und bei allen raufen sich die Bischöfe des Landes entsetzt die Haare.

Teufelssprung über Neugeborene

Schauplatz 1: Castrillo de Murcia, ein Kaff bei Burgos. Hier ist am Sonntag nach Fronleichnam eine bizarre Mischung aus Teufel und Clown unterwegs. Er springt mit enormem Satz über eine Reihe Neugeborener hinweg, die auf Matratzen liegen, strampeln, heulen und prusten. Der diabolische Weitsprung sieht vor allem aus Sicht der Mütter nicht ungefährlich aus, soll die Kleinen aber in Zukunft vor allem Unheil schützen. Wie abgedreht Spaniens Feste sein können, erleben also schon die Kleinsten.

Untote im Sarg um die Kirche

Schauplatz 2: As Neves, ein noch winzigeres Kaff in Nordwestgalicien am Fluss Miño. Hier steigt Ende Juli eine Sargprozession. Es geht dabei keineswegs um eine Totentrauer, denn gestorben ist niemand. Im Gegenteil. Wer sich schon auf den Tod eingestellt hatte, von Gott aber verschont geblieben ist, dankt selbigem mit einem offenen Sarg, den er von kräftigen Männern schultern und um die Dorfkirche tragen lässt. Einst legten sich die glücklich Genesenen sogar persönlich in die Sarkophage. Doch seit Journalisten aus aller Welt ihre Kameras draufhielten, wurde es den Bewohnern zu peinlich. Die Särge sind bei der Prozession seither leer.

Spanien, der Stier und ich

Silvester im August!

Schauplatz 3: Valoria la Buena, ein etwas größeres Kaff im staubtrockenen Kastilien. Dort feiern die Bewohner am 1. Augustsamstag Silvester. Doch, doch, Sie lesen richtig: Die Korken knallen, es rieselt Kunstschnee, die Bewohner fallen sich in die Arme und wünschen sich ein frohes neues (Halb-)Jahr. Seit 1995 ist die hochsommerliche Silvesterparty in dem verträumten Dorf bei Valladolid das Highlight schlechthin. Damals hatte es ausgerechnet um Mitternacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar Stromausfall gegeben. Die elektrisch betriebene Kirchglocke fiel aus und die Bewohner konnten die obligaten zwölf Glückstrauben nicht im Takt der Glockenklänge essen, wie es im ganzen Land üblich ist. Der damals blutjunge Bürgermeister kam daher auf die Idee, die Fiesta im August einfach nachzuholen. Und seither wird das neue Jahr zweimal gefeiert. Mit Gogo-Girls aus Brasilien und jede Menge Feuerwerk. Das ganze Umland ist zu Gast, denn wer lässt sich in Spanien schon eine Party entgehen.

 

Blut im Rotweingebiet

Schauplatz 4: der kleine Rioja-Orte San Vicente de la Sonsierra, berühmt für die „Brüder vom Heiligen Kreuz der Geißelung“. In der Karwoche gehen sie mit Kapuzenkutten vermummt inkognito durch die Gassen. Sie schlagen sich, bis ihre Rücken von den Peitschenhieben und Glassplittern blutüberströmt sind. Später desinfiziert ein Arzt die Wunden mit Alkohol. Der Hintergrund: Römer hatten die Verurteilten vor der Kreuzigung ausgepeitscht. Die Selbstgeißelung soll das Leid Jesu nachempfinden helfen und damit die Seele läutern. Die offizielle Kirche hält von dieser blutigen Interpretation wenig, toleriert sie aber notgedrungen, sind doch die Teilnehmer weit gläubiger als der spanische Durchschnitt.

 

Die Gepfählten der Extremadura

Schauplatz 5: Valverde de la  Vera, ein 700-Seelen-Ort in der zentralen Extremadura, berühmt für seine Gepfählten. Dort laufen Männer während der Karwoche als Gekreuzigte durch die Menge der Schaulustigen. Ihre ausgebreiteten Arme sind mit dicken Seilen an einen Pflugpfahl geschnürt, der Oberkörper ist ebenfalls mit dem Seil umwickelt. Die Bußgänger vollziehen den Leidensweg Christi nach. Sie nennen sich empalaos (Gepfählte) und tragen von Gründonnerstag auf Karfreitag zudem eine Dornenkrone und einen Frauenunterrock als Büßergewand. So weit wie manche Gläubige auf den Philippinen gehen sie aber nicht. In dem asiatischen Land, einer der letzten spanischen Kolonien, lassen sich Büßer noch heute mit echten Nägeln ans Kreuz schlagen.

 

und dann hätten wir noch die Fiesta zu Ehren der Pfefferschote

 

Das größte Kuriosum der Feste in Spanien allerdings ist die Anzahl: 25 000 im Jahr! Das liegt an den vielen Schutzheiligen, aber auch daran, dass die PR-Manager in den Bürgermeisterämtern inzwischen jedem kulinarischen Highlight vor Ort ein Fest widmen. In Galicien gibt es sogar eins zu Ehren der Pfefferschote.

 

 

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