Bigas Luna im Porträt

Die Filme des spanischen Regisseurs Bigas Luna gewähren uns einen Einblick in die Abgründe des menschlichen Daseins.

von Kristina Milovic

Spanische Machos und Pantoffelhelden, Mütter und Huren vereinte José Juan Bigas Luna (*1946, †6. April 2013 ) meisterhaft  in seinen Filmen. Und genau damit war zunächst gar nicht zu rechnen. Der Mann aus Barcelona - schwarzes Sakko, schwarzes T-Shirt, schwarze Sonnenbrille - stellte in den 60ern erst einmal avantgardistische Möbel im Dalí-Museum in Figueras aus.

Flopp in Hollywood

Erst Mitte der 70er Jahre drehte Bigas Luna erste Kurzfilme. 1976 folgt Tattoo in Anlehnung an einen Roman von Manuel Vázquez Montalbán. Bald folgten nationale und internationale Auszeichnungen für seine Werke Bilbao und Poodle. Und dann geht es Schlag auf Schlag inklusive tiefem Fall. Nicht London sondern die Traumfabrik Hollywood ruft. Vier Jahre lebte und arbeitete Luna in der amerikanischen Traumfabrik, müht sich mit englischsprachigen Filmen wie "Anguish and Reborn" ab und floppt auf ganzer Linie. Der Durchbruch gelingt ihm erst bei seiner Rückkehr nach Spanien mit dem Film Jamón Jamón. 1992 erhält er dafür sogar den silbernen Löwen bei den Filmfestspielen in Venedig und wird einer der bekannten Regisseure Spaniens

Kultfilm Jamón, Jamón

"Jamón, Jamón" (deutsche Version: Lust auf Fleisch) ist der erste Teil einer Trilogie, der Trilogia Ibérica. Es folgen "Huevos de Oro" (1993) und "La Teta y la Luna" (1994), sein erster Film auf Katalanisch. Die Komödie "Jamón Jamón", die ihn so berühmt machte, spielte mitten in der spanischen Provinz. Der Stoff: José Louis, Sohn eines Fabrikanten, will seine schwangere Freundin Silvia (Penélope Cruz) heiraten, Tochter einer Bordellinhaberin. Sehr zum Leidwesen seiner Mutter. Diese engagiert den Schinkenausfahrer Raúl (Javier Bardem), um der trauten Zweisamkeit ein jähes Ende zu setzen (siehe youtube oben). Apropos Cruz und Bardem: sie sind, anders als Bigas Luna, heute Stars in Hollywood und seid kurzem glücklich verheiratet.

 

Genial und geschmacklos?

Bigas Luna beobachtete den spanischen Macho in seiner ganzen Ausprägung. In den Szenerien vermischte er gekonnt die Gegensätze Erotik und Intellekt, Schönheit und Schatten. Luna kreiert gefühlvolle Momente, die er gleich darauf durch feinste Satire stört und durch Brutalität zerstört. Fans finden seine Filme kultig, Kritiker schlichtweg geschmacklos. An ihm scheiden sich die Geister. Vielleicht ein Enfant terrible, vielleicht auch der Russ Meyer Spaniens. Gewiss aber ist Luna eine Bereicherung für die Lichtspielhäuser Europas.

Barcelona als Szenario der Verwüstung

In seinem neuen Film "Segundo Origen" (2012) verblüffte der Katalane seine Fans übrigens mit einer ganz neuen Variante seiner Regiekunst. In dem Horrorschocker nach einem Bestseller von Manuel de Pedrolo müssen sich Alba und Dídac, zwei junge Katalanen, durch Barcelona schlagen. Und das haben Außerirdische kurz zuvor in Schutt und Asche gelegt. Die beiden werden als einzige Überlebende zu einer Art Adam und Eva in der Post-Apokalypse.Im Alter von 67 Jahren starb der spanische Kultregisseur in Barcelona verfrüht an Krebs.

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Die Autorin

Kristina Milovic ist Onineredakteurin bei Jugelt im Creative Center Düsseldorf und hat zuvor an der Uni in Essen Neuere Geschichte und Anglistik studiert.