Filmtipp aus Spanien: O Que Arde

Nieselregen. Eine Kuh, die in einem Bach feststeckt. Dann ein echter Waldbrand, ein Filmteam in Aktion. Als Hauptdarsteller eine Bäuerin und ein Feuerwehrmann, die erstmals vor der Kamera stehen. Oliver Laxe hat nicht nur einen Spielfilm gedreht, sondern auch ein Doku-Meisterwerk, wie es eigentlich ein brillanter TV-Reporter hinbekommen sollte. Wir verraten, wie der Film entstand und wie er als CD zu haben ist. 

Von Tobias Büscher

Seit einigen Wochen ist der neue Film des Regisseurs Oliver Laxe in Spanien ein Hit. Die Redakteure von El País schwärmen von der „Kraft des Kinos“. Andere wiederum verweisen darauf, dies sei ein brillantes Werk jenseits der teuren Traumwelt von Hollywood. O Que Arde (Es wird brennen) war in vier Kategorien für den Goya-Filmpreis nominiert. Und bekam den Zuschlag „Goya für die beste neu entdeckte Schauspielerin“. Die Frau heißt Benedicta Sánchez und ist 84 Jahre alt. In Cannes haben sie die Filmkritiker gefeiert. Und in Lalín habe ich sie einen ganzen Tag lang begleitet: zum Interview mit Benedicta Sánchez. Sie spielt in dem gut 80minütigen Spielfilm die Mutter des Pyromanen Amador, der aus dem Gefängnis entlassen zu seiner Mutter, dem Schäferhund Luna und den drei Kühen zurückkehrt.

Der Regisseur hat vor allem in den entlegenen galicischen Gemeinden Cervantes und Navia de Suarna gedreht. 2018 tobte dort ein echter Waldbrand. Sein Team war vor Ort und hatte zuvor eine Feuerwehrausbildung absolviert. Der Brandmeister hätte sie sonst nicht mitnehmen dürfen. Hauptdarsteller Amador Arias, der den Sohn spielt, brauchte das allerdings nicht. Er ist seit Jahren selbst als Feuerlöscher im Einsatz. Die Szenen der Brände, am Tag und in der Nacht, sind also real und nicht manipuliert, aufgenommen mit einer Super-16-Kamera.

Unterwegs mit Kamera und Löschschlauch

Als das Feuer ausbrach, mussten Oliver Laxe und sein Kameramann die Arbeit immer mal wieder ruhen lassen, um in der Brigade vor Ort Anwohner und Tiere vor den Flammen zu retten. So etwas hat es in der Geschichte des Films wohl noch nie gegeben.

Oliver Laxe, 1982 in Paris geboren, ist schon seit seinem Film Mimosas in der Szene bekannt. Das Thema Feuer beschäftigte ihn bereits seit 2006, als die Flammen weite Teile Galiciens verwüsteten. Das Haus seiner Großeltern in Navia de Suarna ist extra für den Film restauriert worden.

Ein hell-düsterer Film aus Nordwestspanien also, und die Galicier sind begeistert. Laxe und die Schauspieler haben mehrere lokale Preise bekommen. Was sie besonders freut: O Que Arde ist der erste Film auf Galicisch, der in Cannes überhaupt eine Auszeichnung bekam.

Wie kann ich O Que Arde sehen?

Er läuft in Spanien und derzeit auch in London in den Lichtspielhäusern. Wer nicht so weit fahren will: O Que Arde gibt es bei amazon.es, nicht bei amazon.de. Also den Film von einem Freund in Spanien kaufen lassen mit Ihrer Versandadresse. Dann ist die DVD in vier bis fünf Tagen für 13.88 Euro statt 9.99 Euro da.

Hauptsprache ist Galicisch, Untertitel sind Englisch und Spanisch.

Rechercheinfo

Am 16.2.2020 habe ich mit Benedicta Sánchez 1,5 Stunden lang über ihre Rolle als Schauspielerin und über ihr Leben gesprochen (siehe link oben). Rechts im Bild Mase, eine Freundin, die das Gespräch begleitet hat.