Geschichte Spanischer Film (2)

Bienvenido Mr. Marshall: "Uns kommt alles spanisch vor". So startete die Filmgeschichte in eine neue Ära. Und sie hat längst ihre Stars, die es nach Hollywood schafften. Beliebtester Film aller Zeiten ist seit 2013 übrigens eine Komödie namens 8 Namen für die Liebe.

Das Erscheinen von „Uns kommt alles spanisch vor“ (Bienvenido Mr. Marshall, 1953), eine Satire auf die amerikanische Wirtschaftshilfe nach einem Drehbuch von Bardem, in gemeinsamer Regie mit Berlanga gedreht, kündigte den bevorstehenden Wandel an. In den 1960er Jahren verfügte Spa­nien über eine relativ entwickelte Filmwirtschaft. Jährlich wurden etwa hundert Filme gedreht, die niedrigen Produktionskosten lockten auch ausländische Filmemacher zu einer Koproduktion nach Spanien.

Erste sozialkritische Streifen

In diesen Jahren waren die Kinos fast immer voll – das große Interesse allerdings hatte weniger mit der Qualität der gezeigten Filme zu tun, als mit den günstigen Eintrittspreisen und der noch fehlenden Konkurrenz des Fernsehens. Aus dem tristen Alltag der kleinen, kalten Wohnzimmer flüchtete man sich lieber in die gro­ßen, beheizten Kinosäle und nahm dafür Propagandistisches und Kitschiges in Kauf.

Seit etwa 1965 drehte Carlos Saura mit großer Kontinuität. Trotz Zensur schaffte er es, auch Dank seiner internationalen Erfolge, sozialkritische Reflexionen so zu verpacken, dass seine Filme realisiert werden konnten, ohne an Inhalt einzubüßen.

Regisseure zwischen Zensur und Geldnöten

Im Zuge der Bemühungen um die Integration Spaniens in Europa wurde zwar die Zensur gelockert, doch die ökonomische Situation der Filmindustrie spitzte sich dramatisch zu. Eine Veränderung im Förderungssystem von 1964 führte dazu, dass die Filmemacher eine staatliche Unterstützung in Höhe von 15 Prozent der Bruttoeinnahmen an den Kinokassen bekommen sollten. Das kinofreudige Publikum sorgte zwar für volle Kassen, doch die Filmproduzenten gingen trotzdem leer aus. Der Staat kam mit der Zahlung der gestiegenen Prämien immer mehr in Verzug. Nachdem auch die Banken keine Kredite mehr gewährten, geriet die spanische Filmindustrie in eine Liquiditätskrise, die die Produktion stagnieren ließ. Die spanischen Filmemacher waren damit durch die politische Zensur und die gewaltigen Finanzlöcher gleichermaßen gegeißelt.

Pascual Duarte - erste internationale Erfolge

Nach Francos Tod dauerte es noch zwei Jahre, bis die staatliche Zensur durch ein königliches Dekret ein offizielles Ende fand. Doch schon vor dem Tode Francos hatte man die Zensur immer weniger rigide gehandhabt. 1973 drehte Manuel Gutierrez „Sprich Stumme“ (Habla Mudita), es folgten weitere interessante Filme, die auch auf diversen Filmfesti­vals ausgezeichnet wurden. Zu ih­nen gehört „Das Herz des Waldes“ (El corazón del bosque), und 1983 „Dämonen im Garten“ (Demonios en el jardín). Auch Manuel Gutierrez Aragón wurde zu einer der renommierten Figuren des spanischen Films gezählt. Neben ihm feierten Filmemacher wie Ricardo Franco mit „Pascual Duarte“ (1975) und Victor Erice mit „Der Süden“ (El Sur, 1983) Erfolge auf internationalen Filmfestivals.

Spanisches Gegenwartskino

Damals: Zensur – heute: freie Experimente, damals: Klappe (halten) – heute: Film ab. Spaniens Gegenwartskino ist bunt gemischt und provokativ zugleich. Wenn Pedro Almodóvar für seinen Film „Sprich mit ihr“ Stiere abstechen lässt, schlagen die Tierschützer Alarm. Wenn Bigas Luna wieder einmal Hocherotisches präsentiert, erregt das die Gemüter der Erzbischöfe. Und wenn Alex de la Iglesia in Filmen wie „Perdita Durango“ der Gewalt frönt, schreiben besorgte Pädagogen anklagende Leserbriefe in El País. Inzwischen hat eine neue Generation von Schau­spielern auch Hollywood erobert: von der rehäugigen Penélope Cruz über den Kuschelmacho Antonio Banderas bis zum Charakterdarsteller Javier Bardem. Zu den neuen Stars am Kinohimmel gehört Alejandro Amenábar, der nicht nur mit Filmen wie Agora auf sich aufmerksam macht. Und über 10 Millionen Kinobesucher haben seit 2013 schon die Komödie "8 Namen für die Liebe" gesehen, womit der Streifen der erfolgreichste Film in Spanien aller Zeiten ist. Darin mimt ein Andalusier einen baskischen Ehemann (siehe link zu amazon).

 

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