Guernica: Vom Antikriegsbild zum Symbol der Filmkrise

Spaniens Regisseur Carlos Saura wollte es mit knapp 80 Jahren noch einmal wissen. In seinem neuen Film "Guernica, 33 Tage" sollte Antonio Banderas den Maler Pablo Picasso spielen. Doch die Produktion im Baskenland schleppte sich dahin bis zum Stillstand. Jetzt wird der Streifen rund um das berühmte Antikriegsgemälde voraussichtlich in den USA gedreht.

von Tobias Büscher

Im spanischen Baskenland ging die Nachricht um wie ein Lauffeuer. O-Ton: Starregisseur Carlos Saura dreht mit Hollywood-Liebling die 33 Tage nach, in denen Picasso das Antikriegsbild Guernica malte. Acht Wochen lang wollte das Team im Baskenland im Herbst 2012 arbeiten, 10 Millionen Euro waren eingeplant. Doch dann knallte es: Idem 4, die Produktionsfirma aus Bilbao, meldete Konkurs an. Und Carlos Saura musste den reichen Starschauspieler Antonio Banderas darum bitten, Geldgeber aus Frankreich und den USA herbeizuschaffen. Selbst ein Teil des Vermögens von Kuschelmacho Banderas soll nun in das Projekt fließen.

"In Spanien ist die Kultur wenig wert"

Saura, der bereits unter Franco hervorragende Filme drehte und mit den Flamenco-Kultfilmen Carmen und Bluthochzeit auch bei uns einschlug, ist sauer über das verschleppte Projekt. Der Zeitschrift XL Semanal erklärte er, Spanien habe seit Beginn der Wirtschaftskrise nicht mehr viel übrig für Kultur. Die Kürzungen im Kulturhaushalt sind tatsächlich groß. Viele Projekte wie die Stadt der Kultur in Santiago de Compostela liegen auf Eis, Opernbühnen verlieren ihre Subventionen und Filmfestivals wie die in San Sebastián und Málaga leben immer mehr von ausländischen Gönnern.

Der bislang nie mit Hollywood tanzte

Geld hat dem Regisseur Saura bislang provokant wenig bedeutet. Anders als Almodóvar, Bigas Luna und all die anderen hat er Filme gedreht, die ihn vor allem selbst interessierten. Goya beispielsweise, dieser irrsinnig gute Streifen über den Maler Francisco de Goya (1746-1828). Oder auch Taxi, ein Film über die rechte Szene in den Außenbezirken von Madrid mit der damals völlig unbekannten Schauspielerin Ingrid Rubio. Während andere nach Hollywood gingen, reiste Saura bestenfalls mal nach Paris oder Berlin, war mit Geraldine Chaplin statt einer Illustrierten-Prominenten liiert und suchte sich seine Themen immer danach aus, wozu er gerade Lust hatte. Vor allem in der spanischen Boomzeit der Regierung González war ja auch genug Geld im Kulturhaushalt.

33 Tage für ein gigantisches Gemälde, viele Jahre für den Film

Auf jeden Fall ist das Thema des Filmprojekts von Carlos Saura spannend. Hintergrund: 1937 hatte Pablo Picasso (1881-1973) das Bild Guernica 33 Tage lang in Paris erst für die Weltausstellung und dann als Antikriegsgemälde und Erinnerung an die Bombadierung des baskischen Orts durch die deutsche Luftwaffe gemalt. Natürlich ging es in der Franco-Diktatur nicht nach Spanien, sondern blieb Jahrzehnte lang in New York. Heute hängt Guernica als eines der berühmtesten Gemälde Europas hinter Panzerglas im Madrider Museum Reina Sofía.

Banderas stammt wie Picasso aus Málaga

Und wenn alle mitspielen, kommt der Film doch noch in die Lichtspielhäuser, mit den Stars inklusive: Antonio Banderas stammt wie Picasso selbst aus der andalusischen Stadt Málaga, Gwyneth Paltrow (Iron-Man, Shakespeare in Love) spielt Picassos Geliebte Dora Maar. Die Ironie: "Guernica, 33 Tage" könnte dann der kommerziell erfolgreichste Film von Saura werden. Voraussichtlicher Drehbeginn ist Anfang 2015. Nicht mehr im Baskenland, sondern irgendwo  in den USA.