Spaniens Schauspielerin Maribel Verdú mit schwarzem Schleier im Film Schneewittchen
Maribel Verdú im preisgekrönten Film Blancanieves

 

 



Schneewittchens Stiefmutter

Schauspielerin Maribel Verdú im Porträt

Spaniens Medien kommentieren jeden ihrer Schritte: Maribel aus dem Urlaub zurück, Maribel mit über 40 im Bikini noch top, Maribel erhält den Goya, Maribel dreht mit Eduardo Noriega Kurzfilme ... Bei uns dagegen ist die Schauspielerin kaum bekannt. Wohl auch, weil sie nie nach Hollywood ging.


von Miriam Rosin

 

„Ihre Haut weiß wie Schnee, ihre Lippen rot wie Blut und ihr Haar schwarz wie Ebenholz“ – die Rede ist hier einmal nicht von Schneewittchen, sondern von ihrer diabolischen Widersacherin. Mit funkelnden Augen, bitterem Lächeln und zynischem Zug um den Mund verkörpert Maribel Verdú hinter ihrem schwarzen Spitzenschleier die vollendete Melange aus Schönheit und Boshaftigkeit. Ihre verruchte Interpretation der bösen Stiefmutter in Pablo Bergers märchenhaften Stummfilmdrama „Blancanieves" (Schneewittchen) brachte der Frau bei der Verleihung des Goyas, Spaniens wichtigstem Filmpreis, erneut die Auszeichnung der besten Hauptdarstellerin ein. Und 2014 erhielt sie den Ehrenpreis des Filmfestivals in Málaga.

 

Hollywood? Por Díos NEIN!

In ihrer spanischen Heimat ist Maribel Verdú nach über 60 Filmproduktionen längst eine feste Größe der Kinolandschaft. Die Rolle der furchtlosen Partisanin und Haushälterin Mercedes in Guillermo del Toros Oscar-prämiertem Fantasyfilm „Pans Labyrinth“ macht sie 2006 auch einem internationalem Publikum bekannt. Vor allem aber verschafft ihr der Auftritt auf dem roten Teppich die Aufmerksamkeit Francis Ford Coppolas, der die Madrilenin für seinen Film „Tetro“ (2008) verpflichtet und zu seiner neuen Muse erklärt.

Maribel Verdú aber, die bereits mit spanischen Regiegrößen wie Fernando Trueba gedreht hat, ist keine Penélope Cruz und will es auch gar nicht sein. Der Nachrichtenagentur EFE erklärt sie nüchtern: “Ich träume nicht von Hollywood. Ich will hier in Spanien sein, mit meinen Leuten und meiner Familie. Ich bin sehr glücklich in Madrid und muss keinem Traum hinterherlaufen“.

Haus in Asturien, wo der Horrorfilm Das Waisenhaus gedreht worden ist
Drehort zu Das Waisenhaus mit Maribel Verdú, Foto tb

Erst Sexsymbol, dann Schauspielerin, jetzt beides

Die zierliche Spanierin, die mit braunem Haarzopf und Pony noch immer einen mädchenhaften Charme versprüht, wird schon früh von einer Modelagentur entdeckt. Ihr Filmdebüt gibt sie mit 13 Jahren. Mit 15 verlässt sie die Schule, um sich ganz der Schauspielerei zu widmen. Wie viele Kolleginnen, die ihre Karriere als Teenager in den durch das Sex-Sells-Diktum geprägten 1980er Jahren beginnen, droht auch Maribel Verdú die Dauerrolle als verführerische Kindfrau in den Filmen männlicher Regisseure. Doch schnell wird klar: Maribel ist mehr als statische Schönheit. Heute schätzt man sie für die Ausdrucksstärke und emotionale Intensität ihrer Darstellungen. Sie selbst nimmt ihr Image mit Humor: „Früher betrachtete man mich als Sexsymbol, nicht als Schauspielerin. Jetzt bin ich beides. Fühlt sich großartig an!“

Nur Rollen, die sie mag

Maribel Verdú will vor allem Geschichten erzählen. „Ich liebe es, Neues zu probieren“, berichtet sie. Dabei spiele es keine Rolle, ob es sich um ein kleines Projekt oder eine Riesenproduktion handele. „Ich halte immer Ausschau nach Projekten, die ich selbst als Zuschauer gerne sehen würde. Ich mag Kino, das dich zum Nachdenken bringt oder dich tief berührt. Etwas, worüber du mit deinen Freunden sprichst“. So wie ihr neuer Film „15 Years and One Day“, der beim diesjährigen Filmfestival in Málaga als bester Film prämiert wurde. 

Komödien und Kennedy´s Kinder

Immer wieder zieht es die lebhafte Künstlerin auch auf die Bühne. 1986 gibt sie ihr Theaterdebüt. Heute führt sie gemeinsam mit ihrem Mann, dem Produzenten Pedro Larrañaga eine eigene Theaterkompanie. „Theater ist essentiell für mich! Ich liebe es, auf Tour zu gehen. Und es mag seltsam klingen, aber ich mache Theater, um mich vom Film zu erholen.“ Während sie in ihren Filmrollen stets die größten Lebensdramen zu bewältigen hat, spielt sie auf der Bühne ausschließlich Komödien. Zum Ausgleich, wie sie sagt. Eine Ausnahme macht sie jedoch. Zum 50. Jahrestag der Ermordung John F. Kennedys inszeniert Regisseur Josep Maria Pou in diesem Jahr Robert Patricks Drama „Kennedy’s Kinder“. Hier spielt Maribel Verdú an der Seite von Ariadna Gil und Emma Suárez.

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