Folklore-Gruppe Aires de Muntanya im Porträt

Die Foklore-Gruppe Aires de Muntanya aus Selva auf Mallorca pflegt seit Jahrzehnten die musikalische und tänzerische Tradition der Baleareninsel. Mittlerweile treten sie auch auf Bühnen in ganz Europa auf.

von Marcos Fernández Vacas

Der Hauptsitz von Aires de Muntanya ist das von außen betrachtet eher unscheinbare Lokal Ca´n Servera im schmucken mallorquinischen Örtchen Selva am Rande der Serra Tramuntana. Hier spielt die Truppe von April bis Oktober jeden Freitag um 15:45 Uhr auf.

Eine Bühne bis in den Garten hinein

Doch im Inneren des Gebäudes gibt es durchaus was zu sehen. Hinter dem ersten Vorraum von Ca´n Servera sieht der Besucher einen  großen Raum, an dessen Ende unter einem typischen mallorquinischen Rundbogen eine etwa 30 qm große Holzbühne steht. Davor und am linken Rand sind einige Dutzend Stuhlreihen aufgestellt. Der ganz besondere Clou: Das Bühnenpersonal kann die abschließende Holzwand bei gutem Wetter abnehmen. Nun ist der Raum zum Garten hin geöffnet, wo weitere zehn Stuhlreihen stehen. Eine im wahrsten Sinne offene Bühne ist entstanden, die das klare Licht und die Natur Mallorcas einfängt.

Männer tragen bunte Westen

Auf der Bühne steht die Gruppe Aires de Muntanya unter einer Decke, die einem romanischen Kirchengewölbe ähnelt. Um die drei Gitarristen, zwei Klarinettisten, einem Flötisten und einem Trompeter nebst Fuß-Pauke, stellen sich die  etwa zehn Sängerinnen und Sänger. Daneben, etwas versetzt, stehen die Tänzer und Tänzerinnen. Alle tragen die traditionelle, mallorquinische Kleidung, genannt traje de payés bzw. traje de payesa. Die Männer haben weiße Strumpfhosen an und tragen schwarze Lackschuhe. Als Beinkleid dienen weit ausfallende, graue oder braune Hosen, die sie wie zu groß geratene Mohren aussehen lässt. Über den weißen Hemden tragen alle eine Weste in grün, gelb oder rot. Aus ähnlichen Farben sind die vorne zusammengebundenen Halstücher.

Spitzenumhänge und Kopftücher bei den Frauen

Die Frauen sind noch adretter gekleidet. Im Stil den Männern ähnlich tragen sie bis zu den Knöcheln reichende, ausladende Röcke. Diese sind entweder einfarbig  oder kombinieren durch Längslinien zwei bis drei Farben. Um die Schulter tragen sie weiße, geklöppelte Spitzenumhänge. Alle Frauen tragen weiße oder farbige Kopftücher, die am Kopf eng anliegen und fast das ganze Haar bedecken. Viele der Mitglieder sind älter, haben bereits graues Haar. Aber es sind auch junge Gesichter im Ensemble zu finden. Und um Nachwuchs muss sich Aires de Muntanya keine Sorgen machen, denn seit Jahren betreiben sich eine Folklore-Schule, in der zurzeit um die 60 Schüler Musik- und Tanzunterricht bekommen.

 

Das Landleben in Tanz übersetzt

Aires de Muntanya führen typische traditionelle Tänze auf, die  zu der dazugehörenden Musik mit Chorgesang gehören. Davon gibt es rund 30, die ihren Ursprung auf der ganzen Insel haben. Am bekanntesten sind der copeo de muntanya, es balls de sex xapetes oder der parado de Selva. Sie alle thematisieren das Landleben der Einheimischen, wie es vor etwas mehr als 100 Jahren ausgesehen hat. So sehen denn auch die Tanzschritte und  –figuren aus: Männer und Frauen bewegen sich schnell mit kleinen, sich oft überkreuzenden Schritten in Kreisen über die Bühne. Oft vollziehen sie kleine Sprünge. Die Arme rotieren nach eingeübten, stilisierten Mustern und die Kastagnetten begleiten klappernd den Vier-Viertel oder Drei-Viertel- Takt. Bei den Frauen plustern sich durch das Drehen der Körper die Röcke auf. Der Gesang ist mehrstimmig und in der mallorquinischen Mundart vorgetragen.

Von Mallorca aus zu Freunden in Deutschland

Gegründet haben Aires de Muntanya die Schwestern Sastre Font aus Selva in den 30er-Jahren. Zuerst traten sie mit ihren Mitstreitern nur in Selva oder in den umliegenden Orten wie Caimari oder Moscari auf. Schon bald ging es aber in die bedeutenden Städte Mallorcas wie Inca oder Binissalem, ja sogar bis in das damals eine halbe Tagesfahrt entfernte Palma. Seit Jahren sind sie nun auch oft auf dem Festland unterwegs und treten sogar international auf Folk-Festivals auf. Enge Freundschaften habe sie dabei mit Kollegen aus Deutschland geknüpft, was die Fotos aus den letzten Jahrzehnten im kleinen Ausstellungsraum belegen. Stolz ist das Ensemble natürlich auf die vielen Diplome und Preise, die sie erhalten haben und gerne dem Publikum präsentieren.

 

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