Fidel Castros Wurzeln in Galicien

Mit Fidel Castro (1926-2016) ist es wie mit Simón Bolivar oder auch José Martí. Kubas einstiger Staatschef hatte ebenfalls spanische Vorfahren. In seinem Fall einen Vater aus Galicien. Ángel Castro Argiz (1875-1956)  kam als Analphabet nach Havanna und starb als Großgrundbesitzer an Altersschwäche, als der Sohn bereits seine Revolutionäre gegen Diktator Batista anführte.

von Tobias Büscher

Im Juli 1992 besuchte Fidel Castro Galicien. In dem Jahr, als in Barcelona die Olympiade stieg, in Sevilla die Expo und Madrid Weltkulturhaupstadt war. Er kam für 24 Stunden. Auf Einladung des galicischen Regionalchefs Manuel Fraga.

Zunächst besuchte er, der mit der Katholischen Kirche nicht wirklich etwas am Hut hatte, die Kathedrale von Santiago. Vor dem Haupteingang Pórtico de la Gloria boxten sich dabei die Fotografen aus Madrid in die erste Reihe. Ins Mikrophon sagte Castro, wie sehr er seine galicischen Vorfahren ins Herz geschlossen habe.

Und die Lokalpresse schrieb: "Castro als Initialzündung für das Heilige Jahr 1993".

Dann ließ sich der bärtige Mann mit Fraga vor der örtlichen Prominenz blicken, was meine damalige Freundin Virginia Barros mit einer Nikon FE 2 fotografierte (siehe Bild). Und schließlich machte er sich auf zum Geburtshaus seines Vaters.

"Lancéra, die Wiege der Revolution"

Fidel Castro kam erstmals nach Galicien. Und erstmals auch zu dem kleinen Haus seines Vaters in Láncera mit vielen Kühen und knapp 2500 Einwohnern. Das Kaff nahe der Provinzhauptstadt Lugo nahm er zum Anlass, über die Emigration zu reden. Und unterschlug dabei, dass der Vater einst für Spanien gegen die Unabhängigkeitskämpfer Kubas zu Felde zog (1892).

Stattdessen wunderte sich der Sohn über das winzige Bauernhaus seiner Vorfahren: "Kein Wunder, dass mein Vater emigrieren musste". Allerdings hatte er keine Zeit mehr, eine der umliegenden Keltensiedlungen zu besichtigen, nach denen er selber heißt: Castro

Die Lokalpresse brachte schon die nächste Schlagzeile: "Láncera ist die Wiege der Revolution".

Seine Mutter übrigens stammt nicht hierher. Lina Ruz González war die Tochter der Haushälterin von Angel Castro, die auch den Bruder Raúl zur Welt brachte.

(Buchtipp):

Weißwein statt Rum

Eigentlich hätten sich Fidel Castro und sein Gastgeber Manuel Fraga mit Blicken strafen müssen. Die Presse hätte sich mit Kommentaren dazu überschlagen müssen. Denn die Karriere von Fraga verlief etwas anders.

Der Sohn eines galicischen Bürgermeisters war unter Diktator Franco Innenminister und ließ Kommunisten foltern. Später war er Mitbegründer der Verfassung der spanischen parlamentarischen Monarchie, bevor er über Jahrzehnte Regionalchef in Galicien werden sollte, einer traditionell konservativen Region.

Doch im Sommer 1992 kam es ganz anders. Der Auslandskorrespondent der FAZ, Walter Haubrich, und die anderen Medienvertreter sprachen vom hervorragenden Verständnis zwischen den beiden. Zum Abendessen trug der Revolutionär sogar Anzug mit Krawatte. Und trank Weißwein aus Porzellanschalen, was in den Sozialen Medien viral gegangen wäre. Aber die gab es ja noch nicht. 

Beim abschließenden Pressetermin konnte ich 1992 noch nicht mal ein Selfie mit ihm machen. Dafür erlaubte mir der Moderator eine einzige Frage: "Fidel, wie schmeckt galicische Seekrake?"

Die trockene Antwort: "Revolutionär".
 

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