Besucher im Güell-Park, Barcelona
Nach dem Güell-Park ein Cafè amb llet? Ja hat sich denn der Pilot verflogen? tb

Na? Eine Runde Katalanisch in Barcelona?

Das kommt mir spanisch vor

Haben Sie schon mal ein Kaffee-Omelett bestellt? Dann waren Sie bestimmt in Katalonien. Über ihre Erfahrung mit Sprachproblemen berichtet unsere langjährige Spanienreisende aus Barcelona.

Von Clivia Kelch-Rade

Ich bin Deutsche und reise jedes Jahr nach Spanien. Sonne, Sand und Sangría – was braucht man mehr für einen tollen Urlaub? Als erfahrene Touristin spreche ich natürlich Spanisch. Olé grölt man beim Fußball. Das weiß ich von Onkel Willi. „Auf in den Kampf, Torehehehero“ konnte ich schon als Kind singen, weil Tante Gerti die Oper Carmen liebte. Torero, das ist übrigens dieser Typ, der dem Stier mit einem roten Tuch vor der Nase herumwedelt. Ich kann Tapas und Paella bestellen und spätestens nach dem vierten Glas Sangría ist bei mir Siesta angesagt.

Doch Spanien ist nicht gleich Spanien. In Katalonien ist alles anders. Seit 2012 kommen dort Stiere nur noch auf den Schlachthof und nicht mehr in die Arena. Toreros sind nun arbeitslos. Zum Glück bin ich kein Stierkämpfer, doch auch mir bleibt der katalanische Kulturschock nicht erspart. Die Leute reden hier so seltsam. Bin ich wirklich in Barcelona gelandet oder hat der Pilot sich verflogen?

Abseits der touristischen Pfade wird das Studium der Speisekarte zum Stolperstein. Was um Himmels willen ist ein Cafè amb llet? Ein Kaffee-Omelett? Nein, es handelt sich um einen Milchkaffee. Mein geliebter Vino tinto wird zu vi negre. Ich zucke zusammen. Ist so eine Bezeichnung überhaupt politisch korrekt? Auf alle Fälle ist es politisch korrekt, wenn ich versuche, Katalanisch zu sprechen. Als überzeugte Weltbürgerin mit internationalem Flair kaufe ich mir deshalb ein Wörterbuch.

Da ich ein höflicher Mensch bin, lerne ich zunächst das Wort „bitte“. Am Abend gebe ich stolz meine neu erworbenen Sprachkenntnisse zum Besten. „Reichst Du mir mal die Sangría, ßi usch blau?“, sage ich zu meiner Freundin Mona. Grinsend hält sie mir den Krug hin. „Ich bin auch blau“, säuselt sie. Offenbar haben wir uns missverstanden. Aus dem Lautsprecher dröhnt „Vamos a la playa ooh ooo oh“. Mona schwenkt die Arme und singt laut mit. „Das heißt jetzt Anem a la platja“, schreie ich gegen die Musik an. Mona schaut verständnislos und fragt: „Hä?“


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