Spaniens Hofnarr: das Satireblatt El Jueves

Das Satiremagazin El Jueves ist seit über 30 Jahren erfolgreich. Während Spaniens Medien in der Krise stecken, verkauft sich das Blatt weiter blendend. Vor allem die bissigen Karrikaturen zu Juan Carlos und seiner Königsfamilie haben es in der Vergangeheit in sich gehabt. Und auch der heutige König Felipe rief schon die Anwälte zu sich.

von Tobias BüscherSpaniens neuer König Felipe VI hat schon zeitlebens einen echten Feind: bissige Redakteure. Als die Satirezeitschrift El Jueves am 27. Mai 1977 das erste Mal erschien, war er neun Jahre alt und der Übergang von der Diktatur zur Demokratie in Spanien noch in vollem Gang. Wahlen standen an, die Gesellschaft war gespalten und El Jueves brachte eine Zeichnung vom nackten Hintern seiner Mutter, der Königin. Auf der rechten Pobacke stand "Die Rechte", auf der linken "Die Linke". Das war zwei Jahre nach Francos Tod.

Der Prinz beim Sex

30 Jahre später. El Jueves läuft längst so gut wie in Frankreich Charlie Hebdo und in Deutschland Titanic und Eulenspiegel. Die sozialistische Regierung unter Zapatero hatte soeben die Kindergeldpauschale auf 2500 Euro pro Nachwuchs angesetzt, da titelten die Redakteure von El Jueves mit Prinz Felipe und Prinzessin Letizia beim Sex. In der Sprechblase: "Schatz, wenn Du schwanger wirst, habe ich das erste Mal für Geld gearbeitet". Doch diesmal reagierte der Königshof prompt, rief seine Staranwälte zusammen und ließ die gesamte Auflage beschlagnahmen und die Redaktionsräume durchsuchen.

Ruhm durch Majestätsbeleidigung

Prompt war El Jueves international ein Thema, Fans kauften die verbotene Zeitschrift auf dem Schwarzmarkt für bis zu 2500 Euro, El Mundo, die taz und andere druckten die Zeichnung ab und im Internet kursierte der pikante Titel millionenfach. Auch die Folgeauflage verkaufte sich gut. Darin zeigten die Redakteure Felipe und Letizia schon wieder beim Kuscheln, ihn als Bienchen, sie als Blümchen. Der Königshof tobte, war diesmal aber machtlos.

Königshof und Pressefreiheit

Seit über 30 Jahren ist El Jueves eine echte Hausnummer mit dezidiert spanischem Humor. In der Anfangszeit hochpolitisch, ist sie heute bissig in alle Richtungen. Herausgeber Oscar Nebreda verkündet stolz: "Wer etwas über die Zeit seit Franco in Spanien erfahren möchte, braucht bloß unser Archiv durchzublättern. Wir behandeln alle Themen, die die Leute interessieren." Viel Politik, viel Gesellschaftskritik, etwas Sex, eine linke Grundhaltung, diese Mischung kommt nun schon seit Generationen gut an. Ob Homoehe, Papstbesuch, Eta oder Blitzscheidung, nichts entgeht der scharfen Feder der Zeitschrift, die humorfrei einfach "Donnerstag" heißt. Doch das beste Erfolgsrezept lautet damals wie heute: den Hofnarren der spanischen Krone spielen. 

"Gefräßiger Boulevard"

Als die Sexkarrikatur des Prinzenpaars die Runde machte, freuten sich auch die Kulturjournalisten der FAZ und renommierte Autoren. Denn sie konnten wunderbar darüber schreiben, dass die so gefestigte Monarchie in Spanien ins Wanken gerät, Witze über den Königshof nicht mehr tabu sind. Mario Vargas Llosa wörtlich in der WELT: "Wird der gefräßige Boulevardjournalismus nun über die königliche Familie herfallen?" Die Frage ist fast so komisch wie die Karikatur selbst. Denn in Spanien gibt es keine einzige Boulevardzeitung. Selbst der Springer-Verlag hat darin Anfang der 90er schon ein Vakuum gesehen und CLARO auf den spanischen Markt gebracht, aber das Blatt ging nach wenigen Monaten unter (Spiegel-Artikel). Ganz anders als El Jueves mit inzwischen über 1788 Ausgaben. In einer der letzten zeigten sie wieder das Prinzenpaar, sie dabei mit komplett verbundenen Gesicht: Untertitel: "Letis nächste Schönheits- OP". Der Hofstaat zu Madrid war diesmal clever genug, überhaupt nicht zu reagieren.Schlusspointe: Prinz Felipe ist inzwischen König. Und El Jueves gibt es immernoch. Der "Donnerstag" erscheint übrigens Mittwochs.

 

Weiterführende Links

Spanien und seine Klischees

Spaniens Königshof und Adel

 

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