Maler im Prado-Museum kopiert ein Bild von Diego de Velázquez namens Die Lanzen
Las Lanzaras als Vorlage © tb

Diego de Velázquez im Porträt

Das Genie des Diego de Velázquez (1599–1660) hat seine Betrachter von jeher fasziniert. Spaniens Top-Maler scheint an Popularität im Laufe der Jahrhunderte noch zu gewinnen. Hofmaler war er schon mit 24 Jahren.

 

Velázquez lebte in einer Zeit stetigen spanischen Machtverfalls. Als er 1599 geboren wurde, war Spanien noch Weltmacht. Als er 1660 starb, hatte das Frankreich des Luis XIV. die Hegemonie in Europa bereits übernommen. Der Erfolg des jungen Mannes aus Sevilla begann früh. Als Jugendlicher wurde er Schüler von Francisco Pacheco, dessen Tochter er 1618 heiratete. Nach glänzender Laufbahn und nur zwei Anläufen schaffte Velázquez mit 24 Jahren, wovon andere ihr Leben lang träumten: Er wurde Hofmaler beim König.

Velázquez' frühe Werke

Aus der vorangegangenen Zeit in Sevilla gibt es ein interessantes Gemälde. „Die Anbetung der Könige“ (Adoración de los Reyes) ist ein frühes Werk, in dem der tenebristische Naturalismus stark zur Geltung kommt: Die harten Konturen der drei Könige und der heiligen Familie werden durch kontrastreiches Licht hervorgehoben. Die Figuren haben sehr konkrete, individuelle Züge. Gut möglich, dass dem 20-Jährigen seine Familie Modell gestanden hat und er sich selbst als jüngsten König links ins Bild malte. Letzteres ist keine Seltenheit in der spanischen Malerei. Bei Velázquez, aber auch bei Goya, taucht der Maler gelegentlich im ei­genen Bild auf.

Am Hof gewann der Maler mehr und mehr Ansehen. 1629 wurde er zum ersten Mal mit Kaufaufträgen für Bilder nach Italien geschickt. In dieser Zeit entstanden einige mythologische Themen.

Saufszene: Triumph des Bacchus

Ein erstes Werk dieser Art heißt „Der Triumph des Bacchus“ (El Triunfo de Baco), auch „Die Besoffenen“ (Los Borrachos) genannt. Der Titel weist darauf hin, dass der Autor vielleicht nicht ohne gewisse Ironie die hellerleuchtete Fabelfigur mit realistisch, locker ge­zeichneten Saufbolden auf dem Land umringt. Auf jeden Fall interpretiert er die mythologischen Themen ganz vom Alltäglichen her und unterscheidet sich darin sehr von seinem französischen Zeitgenossen Poussin oder seinem flämischen Freund Rubens (im Erdgeschoss des Prado). Das Gemälde hat durch den Brand des alten Alcázar trotz Restaurations­arbeiten etwas an Helligkeit eingebüßt.


Die Schmiede des Vulkan

 

Ein anderes mythisches Werk im selben Saal heißt „Die Schmiede des Vulkan“ (La Fragua de Vulcano). Bereits in Italien, malte er auch hier wieder einen Gott wie von künstlichem Licht angestrahlt, den Schmiede aus dem Alltagsleben staunend umringen. Der Schwerpunkt des Bildes liegt unverkennbar auf der Anatomie des menschlichen Körpers.

Die Übergabe von Breda


Eines der berühmtesten Gemälde ist „Die Übergabe von Breda“ (La Rendición de Breda). Es erinnert an den spanischen Sieg über die holländische Festung Breda im Jahr 1625. Wegen der vielen Lanzen, die der Maler zehn Jahre nach der Schlacht auf die Leinwand bannte, heißt das Werk auch Las Lanzas. Vor dem unendlich ins Blau übergehenden Horizont mit den Resten des langen Kampfes sind die Gesichter der Menge als Einzelportraits eindrucksvoll herausgearbeitet. In den Sieger, Ambrosio Spínola und Besiegten, Justinus von Nassau, hat er eine zuvorkommende, höflich-verständnisvolle Gestik gemalt, die eine Madrider Zeitung 1945 schreiben ließ: „So schließt man Frieden“. Als Velázquez mit diesem Gemälde beauftragt wurde, war er längst zum angesehensten spanischen Maler avanciert.

Einfacheres Leben als Goya

Der Künstler hatte Glück, seinen Lebenslauf prägen nicht die Höhen und Tiefen anderer Genies. Die königliche Sammlung, Rubens Freundschaft und die beiden Italienreisen beeinflussten seinen persönlichen Stil, mit dem er immer mehr das abwechs­lungs­reiche Licht und eine beeindruckende Bildtiefe herausarbeitete. Kunstkritiker sehen in der Farb- und Lichtwirkung seiner Gemälde nahezu impressionistische Züge.
    

Portraits von Narren und Königen

 

Als persönlicher Freund des Königs malte Velázquez in erster Linie Portraits, unter denen solche der Königsfamilie herausstechen.
Interessant ist das Werk „Felipe III. zu Pferde“ (Felipe III. a caballo) und das „Reiterbild Felipes IV.“ (Felipe IV. ecuestre) aus dem Jahre 1635. Er porträtierte auch dessen Sohn Prinz Baltasar Carlos zu Pferde (Baltasar Carlos a caballo), der hier kindlich und doch majes­tätisch hoch zu Pferde vor dem Guadarrama-Gebirge dargestellt ist. Der hoffnungsvolle, etwas gebrechliche Thronerbe starb mit 17 Jahren. Mindestens so interessant sind die Portraits der Narren und Zwerge, deren Gebrechen und Unglück nicht im mindesten belächelt, hervorgehoben oder karikiert werden. „Der Hofnarr Calabacillas“ (El Bufón Calabacillas) drückt durch die nervös gerungenen Hände mindestens soviel aus, wie durch das verloren-grimassenhafte Lächeln, das der Maler etwas verschleiert darstellt. Mit klarem, festem, fast mahnendem Blick schaut dagegen der bärtige „Hofnarr Don Sebastián de Morra“ (El Bufón Don Sebastián de Morra) auf den Betrachter.

 

Starbild "Las Meninas"

Während in Madrid die Pest wütete und die politische Lage immer prekärer wurde, kam Velázquez 1651 von seiner zweiten Italienfahrt zurück. Er ahnte nicht, dass er bald das Bild der Bilder malen würde, über dessen Genialität sich die Kunstkri­tiker alle einig sind. Er war angese­hen, sicher, aber mit den Adeligen noch immer nicht gleichwertig. Malerei war geschätzt, dabei aber eher als handwerklicher Beruf betrachtet, der die Pforten zu höchs­ten Ehren verschloss. Doch dann, 1656, entstand „Die Hofdamen“ (Las Meninas). Dieser künstlerische Höhepunkt seiner Karriere zeigt den Maler in seinem Arbeitszimmer an einer gewaltigen Leinwand (mehr) Als der Vorläufer des Impressionismus, Edouard Manet, das Gemälde sah, soll er ausgerufen haben: „Nach dem Bild weiß ich nicht, wofür wir anderen noch malen!“

 

Aufnahme in den Santiago-Orden

 

Noch kurz vor seinem Tod hatte man ihn in den Santiago-Orden aufgenommen, der eigentlich nur Adeligen vorbehalten war. So hatte sich dem Künstler auch noch dieser Traum erfüllt. Er starb am 6. August 1660 in Madrid. Text Tobias Büscher

zm