Die Erschießung der Aufständischen, von Goya

Goyas Bild: Die Erschießung der Aufständischen

Eine schreiende Anklage erster Güte gegen die Gewalt hat der spanische Hofmaler Franzisco de Goya während der französischen Belagerung in Madrid gemalt. Die Kunsthistorikerin Andrea Hobusch über eines der besten Bilder des genialen Malers.

 

Maler: Francisco de Goya y Lucientes (1746-1828)
Bildtitel: Die Erschießung der Aufständischen
Jahr: 1814  Format: 268 cm x 347 cm
Material: Öl auf Leinwand
Ort: Museo del Prado, Madrid


Francisco de Goya y Lucientes


1746 in Fuendetodos ( Aragón) geboren, nahm Francisco de Goya 1760 Malunterricht bei José Luzán in Zaragoza und war ab 1786 als Hofmaler des spanischen Königs tätig. Goyas umfangreiches Werk umfasst neben zahlreichen Bildnissen auch bewegende Historienbilder und eine große Anzahl graphischer Darstellungen, in denen er unter anderem die Schrecken des brutalen spanischen Bürgerkriegs unter der Besatzung französischer Truppen thematisiert. Fern seiner Heimat starb de Goya am 16. April 1828 in Bordeaux.

Goya-Bild im Kontext der Geschichte

Historischer Hintergrund von Goyas Gemälde ist die Exekution spanischer Bürger durch französische Soldaten. Der Vorfall ereignete sich in der Nacht vom 2. auf den 3. Mai 1808 in Madrid, auf dem Hügel von Príncipe Pio. Napoleon I. hatte zu jener Zeit Spanien seiner Macht unterworfen. Am Abend zuvor hatten Teile der Madrider Bürger versucht, die Vertreibung Francisco de Paulas, Bruder des spanischen Königs Fernando VII., aus Madrid zu vereiteln: ein ungleicher Kampf, der in der brutalen Erschießung der Aufständischen gipfelte. Erst 1814, im Entstehungsjahr von Goyas Gemälde, endete die Herrschaft Napoleons über Spanien mit der Rückkehr Fernando VII. auf Spaniens Thron.

Goyas Bild im Detail

Eine düstere, brutale Szenerie auf den nächtlichen Hügeln des Príncipe Pio über Madrid: Rechts stehen die acht Soldaten der französischen Armee. Gesichtslos, da vom Betrachter abgewandt, mit hohen Filzkappen, langen Soldatenmänteln und Säbeln um die Hüften, haben sie ihre Gewehre angelegt und zielen nach links auf die zusammengetriebenen hilflosen Madrider Bürger. Diese präsentieren sich als ein verwirrter, verzweifelter Menschenhaufen, chancenlos ihren Vollstreckern ausgeliefert. Manche schreiend, manche starr vor Entsetzen. Einer liegt bereits niedergestreckt bäuchlings am Boden, inmitten einer riesigen Blutlache.

Schreiende Anklage gegen einen brutalen Krieg

Goya stellt hier die Szene mit aller Dramatik und Brutalität aus Sicht der Opfer dar. Die  schonungslose und auch anklagende Schilderung eines ungerechten, hoffnungslosen und sinnlosen Krieges.

Und mitten aus dieser wirren Menge der Aufständischen sticht ein Mensch hervor: ein aufrecht kniender Mann, dessen weißes Hemd hell aufleuchtet im Licht der am Boden stehenden Lampe. Weit breitet er seine Arme nach oben hin aus und ergibt sich mit verzweifeltem Blick aber stumm dem Feind. Seine Haltung gleicht der eines Märtyrers, der sein unausweichliches Schicksal hinnimmt. Das Weiß seiner Erscheinung wirkt wie die Farbe der Unschuld, des Guten, das hier gegen die Macht des Bösen keinerlei Chance hat.

Vergleiche mit Jesus am Kreuz

Die hell erleuchtete Gestalt dieses Mannes wurde wegen der ausgebreiteten Arme und der blutigen Handinnenflächen immer wieder mit der Gestalt Jesu Christi am Kreuz in Verbindung gebracht. Umso mehr gleicht er einem Märtyrer, einem Opfer – auch wenn Goya keinerlei bildliche Hinweise gibt auf den christlichen Gedanken von Auferstehung und Erlösung. Er legt die Szene offen als brutales Gemetzel, das ohne Ausweg für die Hingerichteten bleibt. Ein Antikriegsbild, das aufgrund der realistischen Malweise auch den heutigen Betrachter erschauern lässt.

Goyas Kriegsbild im Prado

Goyas Gemälde „Die Erschießung der Aufständischen“ hängt im Prado und lässt sich auch in sehr guter Qualität auf der Homepage des Museo del Prado online ansehen. Brillant: Die Bilder sind mit 14 Gigapixeln aufgenommen und können detailgenau herangezoomt werden! Solche Details erschließen sich einem nicht einmal vor Ort, geschweige denn anhand eines Bildkatalogs.



Ausstellungsort:

 

Museo del Prado
Paseo del Prado, s/n
28014 Madrid
www.museodelprado.es
geöffnet: Mo-Sa 10-20, So bis 19 Uhr

Eintrittspreise

Genereller Eintritt: 14 €
freier Eintritt: Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, Senioren ab 65 Jahre, Arbeitslose der EU, Studenten der EU unter 25 J.

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