Joan Miró im Porträt

Joan Miró ist einer der außergewöhnlichsten spanischen Maler des 20. Jahrhunderts. Und in Katalonien ein Star. Der Mann mit einem Faible für knallige Farben und Tierformen im Porträt.

von Elisabeth Lanz

Dunkle Anzüge trug er am liebsten - nichts an ihm mutete unkonventionell oder gar revolutionär an. Doch seine Kunst ist weltberühmt, und selbst die Fluggesellschaft Iberia hat sich schon seiner Logos bedient.

Mond, Sterne, Vögel ...

Mirós Markenzeichen: Er symbolisiert mit Motiven wie Frauen, Sternen und Vögeln den Kosmos sowie den Spannungsgrad zwischen Mensch und Natur. In eigenen Worten: „Eines geht ins andere über. Alles bildet eine Einheit. Alles ist miteinander verkettet“.

Vom Tagträumer zum Kunstschüler

Joan Miró kommt am 20. April 1893 in Barcelona als Sohn des Goldschmiedes Miquel Miró i Adzaries und dessen Frau Dolors Ferrà zur Welt. Der Vater stammt aus Cornudella, die Mutter aus Palma de Mallorca. Der kleine Joan nervt die Lehrer als ausgesprochener Tagträumer und die ernsten Eltern mit seiner Lust zu Malen. 1907 besucht Miró die Handelsschule in Barcelona, ist oft krank und leidet 1911 sogar an Typhus. Zur Genesung geht es auf den Bauernhof der Familie in Mont-Roig und zu der Großmutter nach Mallorca, wo er fernab von den Eltern viel malt. 1912 schreibt er sich in der Kunstschule „La Llotja“ in Barcelona ein, ertastet dort Formen und lernt, mit geschlossenen Augen zu malen. Nebenbei richtet er sein eigenes Atelier ein und veröffentlicht mit wenig Erfolg erste Werke.

Die Zeit am Montmartre

In den 1920ern reist Miró in die Kunstmetropole Paris. Auch dort hat er zunächst kaum Erfolg. Doch 1927 trifft er in seinem Atelier am Montmartre Hans Arp, Max Ernst, René Magritte und Salvator Dalí. Es entstehen Werke mit einer völlig neuen Bildsprache. „Nach mir bist du es, der neue Türen öffnet“, sagt der zwölf Jahre ältere Pablo Picasso.

Die Wende zum Erfolg

Eine entscheidende Wende für Miró ist das Jahr 1930. Er wird vom Kunsthändler Pierre Matisse in New York vertreten und schon bald gemeinsam mit Picasso, Giacometti und Dalí in New York und London gezeigt. 1937 stellt er im spanischen Pavillon auf der Weltausstellung aus. Miró hat es auf die große Bühne geschafft.

Ein Atelier auf Mallorca

Vor dem Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) flieht Miró nach Frankreich und kaum fallen die Deutschen dort ein, zurück nach Barcelona. Zur Ruhe kommt er erst Jahre später und gönnt sich um 1955 einen langersehnten Traum: ein Wohnhaus mit Werkstatt und Atelier auf Mallorca. Er ist nun auf dem Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens angekommen, kreiert fast nur noch Skulpturen und bekommt 1959 als besondere Auszeichnung eine große Retrospektive im Museum of Modern Art in New York.

"Tod der konventionellen Malerei!"

„Die Surrealisten wollten den Tod der Malerei, ich will den Mord!“ Der Mann, der die konventionelle Malerei überwinden will, glänzt auch durch Masse: Rund 2000 Ölgemälde, 500 Skulpturen, 400 Keramiken und 5000 Collagen und Zeichnungen, dazu etwa 3500 Lithografien und Radierungen. Die ganze Kunstwelt feiert 1983 Mirós 90sten Geburtstag mit zahlreichen Ausstellungen. Doch der Künstler hat nicht mehr lange zu leben. Am 25.12.1983 stirbt Joan Miró in Palma de Mallorca und wird wenige Tage später auf dem Friedhof in seinem geliebten Mont-Roig beerdigt.  Er sagte selbst einmal: „Mein ganzes Werk wurde in Mont-Roig entworfen. Auch alles, was ich in Paris gemacht habe.“

 

 

Weiterführende Links

 

Homepage der Miró-Stiftung

Pablo Picasso im Porträt

Antoni Tàpies im Interview

 

Die Autorin

Elisabeth (Lisa) Lanz ist gelernte Maßschneiderin, Kommunikationswirtin WAK und IT- Webfachkraft. Seit ihrer Jugend beschäftigt sie sich mit Mode, Kunst und Sprachen. Ihre Vorliebe für Neue Medien und die Fotografie entdeckte sie Anfang 2000.