Maruja Mallo, die spanische Surrealistin

Éluard fand ihre Werke außergewöhnlich, García Lorca sah in ihnen die verkörperte Schönheit der Welt. Schon ihre Zeitgenossen liebten die Gemälde und Skulpturen der spanischen Künstlerin Maruja Mallo aus Galicien.


von Sylvia Knops

 

Sie war rebellisch, unabhängig und individuell. Sozialen Normen widersetzte sie sich, und genau das war im Madrid der 1920er Jahre ein Skandal. Als Künstlerin und Bildhauerin brillierte Maruja Mallo (1902-1995) schon zu Lebzeiten und stand doch im Schatten ihrer männlichen Kollegen.

Vom entlegenen Galicien in die Welt der Kunst

Maruja Mallo kommt 1902 als Ana María Gómez González in Viveiro zur Welt, einem kleinen Küstenort in der nordwestspanischen Provinz Lugo. Bereits als Kind ist sie fasziniert von Bildern und Statuen. Mit 20 Jahren geht sie nach Madrid, um ihr Studium an der Akademie der Schönen Künste von San Fernando aufzunehmen. In Madrid lernt sie den exzentrischen Dalí kennen, den Schriftsteller García Lorca und den Filmemacher Buñuel. Sie bewegt sich im - überwiegend männlich geprägten - avantgardistischen Literatenkreis der „Generation von 1927“ und entwickelt in diesem Umfeld ihre eigene künstlerische Linie.

Kultur- statt Hausarbeit

Ihre Unabhängigkeit fällt auf. Frauen sind in dieser Zeit Hausfrauen, Mütter und bestenfalls Musen berühmter Männer. Und anders als Maruja Mallo besuchen sie Bars und Restaurants ganz sicher nicht ohne männliche Begleitung. Auch von der damals obligatorischen Kopfbedeckung hält sie nichts. Sie ist emanzipiert und hat Erfolg damit, auch wenn ihre Werke nie so berühmt werden sollten wie die von Lorca und Dalí. Maruja Mallo tritt dem „Lyzeums-Club“ bei, einem Kultur- und Bildungskreis für Frauen, den die spätere Diplomatin Isabel Oyarzabal de Palencia und die Rechtsanwältin Viktoria Kent gegründet hatten. Dort nimmt sie aktiv an den regelmäßigen Veranstaltungen zu Kulturthemen teil. Sie trifft sich mit den Intellektuellen der Generation 27, arbeitet für das Theater und schreibt für die Zeitschriften Revista de Avance und Revista de Occidente, die der Philosoph Ortega y Gasset herausgab. 1928 organisiert Ortega y Gasset für Maruja Mallo eine Ausstellung ihrer Bilder, die im Stil des Magischen Realismus und der Neuen Sachlichkeit Stierkampfszenen genauso zeigen wie Alltagsszenen mitten aus dem Leben. Das Publikum ist begeistert.

Paris, Flucht und Exil

Ab 1932 reist die Künstlerin regelmäßig nach Paris und trifft dort Éluard, Miró, de Chirico, Ernst und Magritte. In dieser Zeit inspiriert sie der Surrealismus und es entstehen Werke wie „Die Vogelscheuchen“, eine ihrer berühmtesten Arbeiten. Später tritt sie der avantgardistischen „Schule von Vallecas“ von Benjamin Palencia und Alberto Sánchez bei. Doch in Spanien wird das Leben immer gefährlicher, die politischen Spannungen steigen. Mit Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs (1936-1939) flüchtet sie nach Buenos Aires, wo sie Frauenporträts malt und 1939 ihr erstes Buch über spanische Plastik veröffentlicht. Es hält sie nie lange an einem Ort. Ausgedehnte Reisen nach Uruguay, Bolivien und mit dem chilenischen Dichter Pablo Neruda auf die Osterinseln erweitern ihren Horizont. In New York lernt sie Andy Warhol kennen.

Rückkehr der Künstlerin nach Madrid

Erst 1965 kehrt Maruja Mallo nach Madrid zurück. Dort sind ihre Werke fast schon in Vergessenheit geraten, die Freunde sind im Exil oder bereits verstorben. Doch Maruja Mallo gibt nicht auf. Noch kurz vor ihrem Tod 1995 erhält sie die „Medaille zum Verdienst der Schönen Künste“ und den „Nationalen Preis der Plastischen Künste“. Auch wenn ihre surrealistischen Werke nie so berühmt geworden sind wie die eines Dalí: in der spanischen Kunstwelt hat sie einen festen Platz eingenommen. Ein Teil ihrer Gemälde zeigte 2011 das Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid.

 

 

Die Autorin

Sylvia Knops ist wissenschaftliche Bibliothekarin. Nach ihrem Studium (Germanistik, Philosophie und Politik) hat sie berufliche Erfahrungen in den Bereichen Bibliothekswesen, Lehre und Öffentlichkeitsarbeit gesammelt.


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