Journalisten in Spanien im Gespräch
Lagar (links) mit Büscher (Mitte) und einem Kollegen. Er brachte mir Grada mit, ich ihm Vieira Mortal, die spanische Version des Krimis Muschelmord. Foto Silke Büscher

Grada: Spaniens soziales Hochglanzmagazin

Seit Anfang des Jahres ist Tobias Büscher Kolumnist der spanischen Zeitschrift Grada. Doch was ist das für ein Magazin, das in hoher Auflage erscheint und wörtlich Sitzreihe heißt?

 

Grada ist in Spanien ein Unikat. Wie alle Magazine setzt es auf Promis auf dem Titel, gute Reportagen, lebendige Bildstrecken und ganzseitige Anzeigen. Grada mit einer Printauflage von 50.000 und monatlich weit über 100.000 Online-Fans geht allerdings ungewöhnlich viele soziale Themen an. Konkret bedeutet das: Alle Einnahmen fließen in die Stiftung Primera Fila (Erste Reihe) mit Hauptsitz in Badajoz. Und diese wiederum fördert den Bau eines Roboterarms für Behinderte genauso wie Lesungen im Knast. Das meiste Geld bekommt ein lokales Zentrum zur Erforschung und Behandlung von Hirnverletzungen und neurologischen Störungen von Kindern und Jugendlichen. Für das Magazin schreiben namhafte spanische Journalisten wie Félix Pinero und Wissenschaftler wie Carlos Sánchez und Tanja Stoll. Der Kölner Journalist Tobias Büscher ist seit Anfang 2017 Kolumnist der Redaktion.

Vom Rollstuhl aus die Welt verändern

Chefredakteur José Antonio Lagar leitet die Zeitschrift und die Stiftung gleichermaßen. Der gelernte Radiomann vom Staatsrundfunk sitzt aufgrund einer Kinderlähmung seit Jahren im Rollstuhl. Auch eine seiner Töchter, Eva, ist wegen einer Gehirnverletzung während der Geburt motorisch eingeschränkt. Für Lagar nur noch mehr Ansporn für sein Engagement und der Startschuss für Primera Fila. Er will möglichst gute Texte und Bilder für sein Magazin Grada, das kurze Zeit später entstand. Die Titelstory behandelt mal das Leben eines berühmten Fußballtrainers, mal eine Poetin oder eines Skulpturenkünstlers.

Lagar hat auch ein Händchen fürs Fernsehen. Wenn er zur vereinseigenen TV-Gala einlädt, kommen neben Kaffee-Baronen und Autokonzernchefs auch Nobelpreisträger und sogar schon mal Spaniens Königin. Bei solchen Gelegenheiten rollt er auf die Bühne und bietet ein Entertainment, bei dem sogar die Kollegen von RTVE in Madrid jubeln. Einer sagte mal wörtlich, Lagar sei der „charmanteste Chef der spanischen Medienwelt“.

Start mit Ausgabe 111

Büscher lernte José Antonio Lagar bei einem Pressetermin in der spanischen Extremadura kennen. Die beiden verstanden sich auf Anhieb gut, die Zusammenarbeit begann mit Ausgabe Nummer 111. Mit dem Thema „Deutscher Journalist trifft spanischen Stierbaron“. José Antonio damals: „Schreib auf, was Dir als Deutscher in Spanien auffällt, was Du erlebst bei den Recherchen vor Ort“. Hier geht es zu den Kolumnen

Fast ein Novum: Schreiben für Spanier

Büscher, der unter anderem in der FAZ, in Verlagen wie DuMont und in Magazinen wie Grund Genug (GG) veröffentlicht, schreibt normalerweise auf Deutsch. Doch auch Artikel auf Spanisch sind bereits erschienen, darunter in der spanischen Tageszeitung La Voz de Galicia. Die Kolumnen für Grada bringt er nun regelmäßig – nachdem Redakteur Enrique die Grammatik korrigiert hat ...

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