Baskenmützen: eine Kulturgeschichte

Baskenmützen waren der Star der Modelabels und Militärs. Vor allem in den Pyrenäen liefen die Fabriken heiß. Doch das ist lange her. Heute dient die Baskenmütze bestenfalls als lustige Hauptbedeckung, von echten Fans und den Basken selbst einmal abgesehen.

von Tobias Büscher

Das waren noch Zeiten! Als das Foto von Ché Guevara mit der sternbestickten Baskenmütze in Posterformat erschien, liefen in den Fabriken der Pyrenäen die Maschinen heiß: Französische bérets und spanische boinas mit gelbem Stern mussten es sein. Und dann kam 1975 die legendäre Bestellung aus dem Irak, als die Armee 1 Mio. bérets orderte. Auch wenn Models mit solcher Kopfbedeckung über den Pariser Laufsteg flanierten oder Faye Dunaway in »Bonnie and Clyde« neben dem Schießeisen auch eine Baskenmütze trug, wirkte sich das positiv auf die Umsätze aus.

Von Hollywood bis prêt-à-porter

Doch wer Baskenmützen herstellt, ist nicht nur von Hollywood und prêt-à-porter abhängig, sondern auch von internationaler Politik und Trittbrettproduzenten. Cubas Soldaten bekamen Mützen aus chinesischer Produktion; in Pakistan, Indien und Tschechien gibt es längst große Konkurrenzunternehmen. Zudem hatte sich das Bild vom Baguette tragenden Franzosen auf dem Marktplatz, der mit dem dunklen Deckel sein Lebensgefühl, seine Zugehörigkeit und sein Selbstbewusstsein demonstriert, allmählich abgenutzt. Und so gibt es inzwischen in den Fabriken der Pyrenäen eine handfeste Krise.

Baskenmützen aus Tolosa

In Frankreich haben nur die beiden Fabriken Blancq-Olibet in Nay und Béatex in Oloron-Sainte-Marie überlebt, im spanischen Tolosa produziert nur noch Elosequi. Gut die Hälfte der gesamten Produktion geht in Frankreich an das Militär, die 40 Mitarbeiter im spanischen Tolosa produzieren zur Hälfte für die autonome Polizei des Baskenlandes. Die dortige ertzaintza wird nicht etwa mit eintönig schwarzen Filzmützen, sondern mit leuchtend roten boinas ausgestattet. Und weil das so gut aussieht, bekam sie im James Bond-Film »Die Welt ist nicht genug« (1999) einen dramatisch-farbenfrohen Auftritt von mehreren Sekunden.

 

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