Kepa Junkera im Porträt

Er ist das Aushängeschild der neuen baskischen Musikkultur. Junkera aus Bilbao verbindet lokale Tradition mit modernen Improvisationen. Mittlerweile tritt er in der ganzen Welt auf.

von Marcos Fernández Vacas


Kepa Junkera (*10.4.1965) bewegt sich auf der Bühne nur wenig, denn das baskische Knopf-Akkordeon Trikititxa spielt er auf einem Stuhl sitzend. Meist unauffällig gekleidet, gibt er auf der Bühne jedoch den Ton an. Seine Musiker spielen enthusiastisch mit und die Zuhörer sind von seinen Liveauftritten und seinen CD-Einspielungen begeistert.

Erste musikalische Schritte in Bilbao

Alles beginnt in Rekalde, einem Stadtteil von Bilbao. Sein Großvater begleitet Kepas junge Mutter mit dem Tamburin, während diese ihre ersten Schritte als Tänzerin des baskischen Volkstanzes Txilibirin macht. Seine Familie tritt auf vielen Feierlichkeiten und Festivals im Baskenland auf und so wird dem jungen Kepa die traditionelle Musik dieser Region im Norden Spaniens ganz natürlich vermittelt. Im Laufe der Jahre lernt er autodidaktisch das Trikititxa (Knopf-Akkordeon), den Txalaparta (baskischer Percussionsstab) und die Alboka (Doppelflöte aus Stierhorn) zu spielen. Vor allem im Akkordeon-Spiel entwickelt er sich zu einem anerkannten Meister seines Fachs. Nach dem Ende der Franco-Diktatur (1975) unterstützt und fördert der spanische Staat die traditionelle regionale Musik. Auch Kepa Junkera profitiert davon, wird durch Auftritte auf Festivals immer bekannter und ist bereits Mitte der 80er Jahre ein professioneller Musiker.

Folklore und Weltmusik

Schon 1986, also mit gerade Anfang 20, veröffentlicht er sein erstes Album „Kepa, Zabaleta eta Motriku“, dem bis heute 18 weitere folgen sollen. Ganz bewusst sind Junkeras CD-Titel auf Baskisch, denn die Verwurzelung in seine Heimat und Musikkultur ist die Basis all seines musikalischen Schaffens. Dabei ist er kein Traditionalist im konservativen Sinne. Stets strebt er die Verbindung mit moderner Musik und der Folklore anderer Kulturen an. So kommt es zur Zusammenarbeit mit der Mallorquinerin María del Mar Bonet ebenso wie mit dem galicischen Folksänger Carlos Núñez.  Kepa Junkera selbst hat Gastaufritte bei Musikern außerhalb der Iberischen Halbinsel wie z.B. dem Banjo-Jazzmusiker Béla Fleck aus New York oder den Chieftains aus Irland. Gerade zur Verbindung mit der „keltischen“ Musik vertritt er eine eigene Meinung: Das Gemeinsame beruht nicht auf irgendeinen „Keltenmythos“, sondern hängt schlicht mit den gemeinsamen Erfahrungen als Meeresanrainer im Westen Europas zusammen.



„Bilbao hora 00:00 h“ und „K“


Kepa Junkeras Musik beschränkt sich also nicht nur auf baskische Musik: Vielmehr hat er eine Welt geschaffen, die grenzenlos und mit verschiedenen Rhythmen und Farben anderer Orte vermischt ist. Es ist temperamentvolle Musik, weltoffen und neugierig. Ein Höhepunkt in seinem Schaffen ist das Album „Bilbao hora 00:00h“. Mehr als 40 Musiker beteiligen sich an dieser Arbeit, einer Hommage an seine Heimatstadt Bilbao. Er erhält mehrere musikalische Auszeichnungen. Doch seinen größten Erfolg erzielt er mit dem Album „K“, die Liveaufnahme eines Konzertes im Teatro Arriaga in Bilbao: hierfür erhält er einen Grammy Latino als Bestes Folkalbum.



Musikalische Arbeit mit der baskischen Jugend

Wichtig ist dem Künstler die Vermittlung der baskisch geprägten Musik an die jüngere Generation. In Musikene, dem Musikzentrum des Baskenlandes, arbeitet er als Dozent  und vermittelt seine Kenntnisse der traditionellen baskischen Musik und ihrer besonderen Instrumente. Allerdings immer darauf bedacht, den heutigen musikalischen Strömungen zu folgen und die jungen baskischen Musikern eine breit gefächerte Basis zu geben. Deshalb gibt er derzeit kaum Konzerte, doch auch in Deutschland wird er sicherlich bald wieder zu hören sein.

 

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Der Autor

Marcos Fernández Vacas, Kind baskisch-burgalesischer Eltern, lebt von Geburt an in Bonn. Er hat einen Faible für spanische Philosophen wie Miguel de Unamuno sowie Flamenco und spielt selber Gitarre.

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