Wallfahrten und Wallfahrtsorte in Spanien

Die lange katholische Tradition Spaniens hat zahlreiche Wallfahrten hervorgebracht. Der Jakobsweg ist nur der eine, daneben gibt es Prozessionen im ganzen Land und auch auf dem Meer. Rocío, Montserrat, Guadalupe gehören zu den wichtigsten Santuarios. Doch es gibt noch viele andere mit einer auch an Ostern wichtigen Rolle in der Glaubensgeschichte des Landes.

 

von Tobias Büscher

 

Oft sind es kurze Strecken zu einer Bergkapelle hinauf, wo die Gläubigen den Schutzpatron um Hilfe bitten. Dann laufen die Bewohner nur ein paar Stunden bis oben, wo selbstverständlich ein Volksfest mit Tapabuden, Musik und fliegenden Händlern wartet. Schon um einiges länger und beschwerlicher sind die Wege zu den großen Heiligtümern Spaniens, wenn man sie zu Fuß geht.

von Montserrat bis Guadalupe

Dazu gehört der nach Montserrat in Katalonien, wo die Mönche einst lokale Widerständler vor der Guardia Civil Francos versteckten. El Rocío in der Provinz Huelva. Und auch Guadalupe in der  Extremadura, nach der Kolumbus eine Karibikinsel benannte. Auch Santuario de O Corpño in Nordwestspanien ist zumindest in Spanien selbst ein berühmter Wallfahrtsort. Oder Santiago de Compostela, dem wichtigsten Pilgerziel des gesamten Landes. Wer sich von den  Pyrenäen dorthin aufmacht, ist gut und gerne fünf Wochen unterwegs.Krimi auf dem Wallfahrtsweg Jakobsweg, neu erschienen im August 2014 als Taschenbuch:

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Abkehr vom Alltagsleben

Solche Wallfahrten sind eine gewünschte Abkehr vom Alltagsleben, eine Rückbesinnung auf den Wert der Langsamkeit und gelegentlich sogar noch Buß- und Schweigewallfahrten. Ausgelassener, flotter und festlicher geht es bei den  Meeres-prozessionen zu, vor allem, wenn fast jeder Fischerort Spaniens am 16. Juli der Schutzpatronin Carmen gedenkt.

 

Prozessionen auf dem Meer

Bei diesen procesiones marítimas schmücken die Anwohner die Boote, und auf einem wird die Heiligenstatue zum Klang der Schiffssirenen durch das Hafenbecken geschippert. Traditionell gibt es zu solchen Anlässen gebratene Sardinen und natürlich viel Rummel. Eine eher erstaunliche Wallfahrt ist die nach  San Andrés de Teixido im nordwestlichen Galicien. Von Mitte September bis Ende November sind vor allem Galicier dorthin unterwegs. Denn wer es nicht als Lebender tut, muss nach seinem Ableben Wurm- oder Käfergestalt annehmen und zum Heiligtum kriechen. So jedenfalls lautet die Order, die der Heilige Andreas der Legende nach Jesus abgerungen hat, um den kleinen Ort etwas aus dem Schatten von Santiago de Compostela zu heben.

Busfahrschein für den Verstorbenen

Es ist noch gar nicht lange her, da versuchten manche, ihren Verstorbenen auf ganz eigene Weise aus der misslichen Lage zu befreien. Sie fuhren per Bus nach San Andrés, lösten zwei Fahrkarten und hielten den Fensterplatz neben sich für die Seele des Toten frei.