Kinder mit Tracht beim San Isidro-Fest in Madrid
Paco, Mama hat gesagt, mein Kostüm ist mehr wert als die Politik im Land, tb

30.07.2014

Spaniens Kinder werden immer ärmer

In Spanien ist die Zahl der Arbeitslosen im Juni erneut gesunken. Doch eine neue Studie der UNICEF zeigt: Bereits 27 Prozent der Kinder des Landes leben unterhalb der Armutsgrenze. Immer mehr Familien sind auf die Hilfe privater Initiativen angewiesen.

von Michael Seer

Nach den Erwachsenen und den Jugendlichen trifft die spanische Wirtschaftskrise nun auch die Jüngsten. Wenn es so weiter geht, lebt bald jedes dritte Kind in Armut. Dabei lief bis 2007 alles gut. Nach dem Ende der Franco-Diktatur (1975) und dem Beitritt zur damaligen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (1986) verzeichnete die Wirtschaft in Spanien jährliche Wachstumsraten wie in keinem anderen EU-Land. Schon die Kleinsten träumten von der Karriere als Baggerfahrer oder Bauingenieur. Fast ein Drittel des nationalen Wohlstandes erwirtschaftete der Immobiliensektor. Doch mit dem Platzen der Immobilienblase im Sog der globalen Finanzkrise kam der Absturz und nun auch die Armut vieler Kinder.

Krise in Spanien trifft auch die Kleinsten

Auf den Teufelskreis von billiger Kreditvergabe bei gleichzeitiger Überbewertung der Immobilien mit steigendem Angebot folgte der rasante Preisverfall. Massenarbeitslosigkeit und die Überschuldung vieler Privathaushalte waren das Resultat für die Eltern der Kinder. Laut EU betrug die Arbeitslosenquote im November 2012 saisonbereinigt 26,6%, während sie 2006 noch bei 7,6% lag. Gleichzeitig stieg auch die Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen auf 56,5% (November 2012), hinter Griechenland der zweithöchste Stand in der Europäischen Union.

Kindergeld pro Monat: 24,25 Euro

Trotz einer leichten Besserung auf dem Arbeitsmarkt und erheblicher Anstrengungen des Staates, die sozialen Härten des wirtschaftlichen Niedergangs abzufedern: Der Vorwurf wird immer lauter, Spaniens Sozialpolitik vernachlässige den Nachwuchs. Während die Kinderzahl ab Beginn des Jahrtausends jedes Jahr wuchs und bis 2008 einen Wert von 1,47 erreichte, fiel sie 2011 auf 1,36. Wer Nachwuchs ernähren muss, kann sich kaum Hoffnung auf staatliche Unterstützung machen. Das Kindergeld für Familien mit einem Jahreseinkommen unter 11.376 Euro beträgt 24,25 Euro pro Monat.

Private Hilfswerke und ein starker familiärer Rückhalt

Traditionell ist in Spanien die Familie immer noch das beste soziale Netz, auch wenn viele das Land schon verlassen haben. Ohne die Hilfe von Eltern, Geschwistern und vor allem von Oma und Opa kommen viele Bedürftige nicht über die Runden. Wenn aber die Eltern und Großeltern zusammenlegen und das Geld trotzdem nicht bis zum Ende des Monats reicht, sind die Kinder zum Schluss die Leidtragenden. Aus der Sicht von privaten Hilfswerken kann die Krise nicht vorbei sein, wenn das Kinderhilfswerk UNICEF vor zunehmender Mangelernährung bei Kindern warnt. Pilar Aurora, Mitbegründerin des Wohltätigkeitsvereins „Pato Amarillo" in Madrid, kritisiert das mangelnde Engagement des Staates für die Kleinsten und fordert die Verantwortlichen auf: „Die Politiker könnten ja mal hierher kommen, mehr brauchen sie gar nicht zu tun.“


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