Schausteller in Barcelona
Klappe, wir sprechen Catalán. Auf den Rambles in Barcelona, tb

Katalanisch: Spaniens Regionalsprache aus Nordost

Neben Kastilisch, Baskisch und Galicisch gehört Katalanisch zu den vier anerkannten Sprachen Spaniens. Pep Guardiola, Montserrat Caballé und Josep Carreras sprechen Català. Gleiches galt für die Künstler Joan Miró, Salvador Dalí und Antoni Gaudí. Insgesamt verstehen fast elf Millionen Menschen die Sprache. Und das nicht nur in Katalonien.


von Anne Urbschat


El Català ist weiter verbreitet, als viele Deutsche meinen. Und das weit über Katalonien hinaus. In Andorra ist es Amtssprache und auf den Balearen. Manche Bewohner Valencias und Aragóns beherrschen das Idiom ebenso wie Einwohner der französischen Pyrénées-Orientales und der sardinischen Stadt L’Alguer. Kein Wunder also, dass es sogar verschiedene Dialekte gibt. Die Unterschiede fallen jedoch gering aus und beschränken sich im Wesentlichen auf die Aussprache der Vokale in den ost- und westkatalanischen Dialekten.

Mosaik in Barcelona

Tipps und Adressen zum Katalanisch lernen

Sprachtipps für Katalonienreisende finden sich auf barcelona.de. Wer einen ausführlicheren Hintergrund zur katalanischen Sprache sucht: die Katalanistik der Goethe-Universität Frankfurt bietet einen informativen Artikel. Wenn Sie einen Kurs besuchen möchten, ist das Institut Ramon Llull ein guter erster Ansprechpartner. Auch die interaktive Website parla.cat der Generalitat de Catalunya bietet einen guten Einstieg.

Vom Vulgärlatein zur Kultursprache

Viele Menschen glauben, das Katalanische sei dem Spanischen ähnlicher als anderen romanischen Sprachen oder sogar eine Variante davon. Dem ist jedoch nicht so. Französisch, Portugiesisch und Italienisch klingen mindestens so ähnlich. Am nächsten verwandt ist Katalanisch mit dem Okzitanischen in Südfrankreich.

Català entsteht aus dem Vulgärlatein und ist ursprünglich in den Ostpyrenäen und deren nördlichen und südlichen Ausläufern verbreitet. Vom 13. bis 15. Jh. entwickelt es sich zu einer bedeutenden Kultursprache Europas – für Mitteleuropa und die Mittelmeerregion ist es zu dieser Zeit wegen der Handelsbezüge bedeutender als Kastilisch. 1502 erscheint in Perpignan ein katalanisch-deutsches/deutsch-katalanisches Wörterbuch, das Vocabolari molt profitos per apendre Lo Catalan Alamany y Lo Alamany Catalan. Ein deutsch-kastilisches Wörterbuch dagegen gibt es damals nicht.

Zeiten der Unterdrückung

Nach dem Spanischen Erbfolgekrieg setzen die Bourbonen Kastilisch als Amtssprache durch. Über die Jahrhunderte unterdrücken Könige und Diktatoren immer wieder die katalanische Kultur und drängen auch die Sprache in den Hintergrund. Das kulminiert im kompletten Verbot unter General Franco. Erst 1975, nach Francos Tod, entspannt sich die Lage.

Gesetzlich gesichert und gut gepflegt

Heute ist Català regionale Amtssprache neben Spanisch. Sein Gebrauch und seine Pflege sind gesetzlich verankert. Auch die NGO Plataforma per la Llengua fördert die Verbreitung der Sprache. Und entsprechend der Real Academia Española in Madrid gibt es in Barcelona das Institut d’Estudis Catalans (IEC). So wie die RAE das DRAE herausgibt, so gibt dieses IEC das DIEC heraus, das Wörterbuch der katalanischen Sprache.

Schulen und Hochschulen der autonomen Region lehren auf Katalanisch. Auch Erwachsenenkurse sind im Angebot. Parlamentarier nutzen die Sprache und selbstverständlich stellte auch die Verwaltung größtenteils wieder darauf um. Lehrer und Beamte müssen Katalanischkenntnisse nachweisen - oder die Laufbahn wechseln. Es gibt mehrere regionalsprachliche Tageszeitungen, wobei La Vanguardia aus Barcelona am größten ist. Der Fernsehsender TV 3 hat das staatliche spanische Fernsehen zu manchen Sendezeiten an Popularität überholt. Schilder und Werbung: alles wieder auf Katalanisch. In Barcelona geben Kneipen- und Restaurantinhaber ihren Lokalen katalanische Namen, und auch die Speisekarte muss in der Landessprache zur Verfügung stehen. Sonst drohen Geldstrafen.

Katalanisch heute

Ganz entspricht der Sprachgebrauch der ehrgeizigen Gesetzgebung noch nicht. Viele beherrschen die Sprache, benutzen sie im Alltag aber kaum. Vor allem die Arbeiter aus anderen Regionen Spaniens. Dennoch nimmt die Zahl derer zu, die in Katalonien leben und Katalanisch beherrschen. El Català steht heute so gut da wie seit Jahrhunderten nicht.

Mit der Sprache erlebt auch die Unabhängigkeitsbewegung ein Hoch. Die aktuelle politische Situation zeigt, wieviel den Katalanen ihre kulturelle Identität bedeutet.  Und so werden sich Guardiola, Carreras und Konsorten auch weiterhin für deren Bestand einsetzen.


Weiterführende Links

Spaniens Regionalsprache Baskisch

Spaniens Regionalsprache Galicisch

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