Pamplona: Selfie mit Stier kostet bis zu 3000 Euro

Bei der diesjährigen Stierhatz in Pamplona (7. bis 14. Juli) hat sich ein junger Mann mit seinem Handy fotografiert - direkt vor einem heranrasenden Kampfstier. Nun sucht ihn die Polizei: Denn Selfies beim Encierro gefährden auch die Mitläufer. Bis zu 3000 Euro Strafe drohen ihm. Doch das traditionelle Stiertreiben steht auch sonst in der Kritik.

Von Frauke Erny

Mitte Juli war sie mal wieder vorbei, die Stierhatz im spanischen Pamplona am Jakobsweg. Während der Sanfermines, dem Volksfest zu Ehren des heiligen Firmin des Älteren, findet an sieben aufeinanderfolgenden  Tagen der encierro statt - das Eintreiben von sechs Kampfstieren in die Stierkampfarena. Bewohner und Touristen sehen in der Teilnahme einen echten Nervenkitzel. Abends töten drei Toreros die sechs Stiere in der örtlichen Arena. Und lange nach Hemingways "Fiesta"-Buch haben viele einen neuen Kick entdeckt: Selfies mit einem wilden 600-Kilo-Stier.

Handys nicht gut in der Nähe von Hörnern

Die Gesetzeslage hat sich entsprechend verändert. Demnach dürfen Teilnehmer, die zusammen mit den Stieren durch die Gassen der Altstadt laufen, keine Kameras oder Handys bei sich haben. Bei Verstößen droht eine Geldbuße von bis zu 1500 Euro. Die Strafe kann sogar bis zu 3000 Euro betragen, wenn nach Ansicht der Behörden dadurch andere Läufer in Gefahr geraten.

Tierschützer nennen es ein „Folter-Fest“

Am Tag vor der Eröffnung demonstrierten Tierschützer auf dem Rathausplatz „gegen die Quälerei“ und „für die Abschaffung der Folter-Fiesta“. Aktivisten der Organisationen AnimaNaturalis und Peta forderten die Teilnehmer auf: Boykottiert das Stierrennen und die nachfolgenden Kämpfe, wie es die Katalanen gemacht haben. „Wenn du läufst, sterben die Stiere“, stand auf Protestschildern „Wir sind nicht grundsätzlich gegen das Fest, sondern nur gegen die Misshandlung der Tiere“, sagte eine Sprecherin von AnimaNaturalis.

Angeheitert auf Frauen-Jagd

Nicht nur Selfies, sondern auch die Bilder verletzter Teilnehmer und blutüberströmter Stiere haben den Ruf der Sanfermínes beschädigt. Und Frauen beschweren sich zunehmend, von angetrunkenen Männern angemacht und sogar sexuell belästigt zu werden. "In diesem Jahr sind alle Grenzen überschritten worden", schrieb die Zeitung „El Mundo“.

Autor von "Wie man Stiere in Pamplona überlebt" verletzt sich

Das San-Fermín-Fest zieht jedes Jahr hunderttausende Besucher aus dem In- und Ausland an, die, enthemmt von Sangria und Wein, dem Stiertreiben beiwohnen. Doch manchmal wird aus dem Spaß am Nervenkitzel blutiger Ernst: Seit 1911 kamen bei dem San-Fermín-Fest 15 Menschen ums Leben, allein im vergangenen Jahr mussten 50 Teilnehmer verletzt ins Krankenhaus. Und in diesem Jahr auch der Amerikaner Bill Hillman, Co-Autor des Buches:  „Fiesta: Wie man die Stiere von Pamplona überlebt“. 

Fiesta vom Oktober in den Juli verlegt

Im Jahr 1591 entschied der Bürgermeister von Pamplona, das seit 1324 bestehende Fest wegen schlechten Wetters im Oktober auf den 7. Juli zu verlegen. Und heute warten viele auf die Entscheidung, die Fiesta wegen der Übergriffe und der Tierquälerei ganz zu verbieten, Traditionen, sagen sie, sind nicht immer nur gut.