Tröpfchenbewässerung in Spanien, tb
Tröpfchenbewässerung in Spanien, tb

1.12.2014

Wassersysteme der spanischen Huertas in Murcia

Ende November 2014 hat das 2. Mediterrane Wasser-Forum über bessere und vor allem nachhaltigere Wassersysteme im Mittelraum beraten. Ort der Tagung: Die staubtrockene Region Murcia in Südostspanien. Doch genau die ist dank der Bewässerung ihrer sogenannten Huertas ein wichtiger Produzent von Obst und Gemüse.

Von Sabrina Kieback

Im ostspanischen Murcia scheint die Sonne 2900 Stunden pro Jahr, dafür fallen nur 330 mm Regen (vgl. Köln: 800 mm). Wasser ist also knapp, doch die thermischen Verhältnisse des semiariden Klimas sind ideal für den Anbau von Obst und Gemüse. Durch geschickte Bewässerung der Felder ernten die Murcianer zwei- bis dreimal pro Jahr. Die Region exportiert Obst, Gemüse und Blumen europaweit. Das Wasser dafür kommt traditionell aus Talsperren und Flüssen.

Karte mit Lage von Murcia
Lage von Murcia

Was sind Huertas?

Huertas sind gartenbaulich intensiv genutzte, vorzugsweise in Flussauen gelegene Flächen.

2 große, 40 kleine Kanäle rund ums Feld

Bereits die Römer betrieben in der Huerta de Murcia Landwirtschaft und legten erste Bewässerungskanäle an. Die Mauren (9. bis 13. Jh.) legten die Sümpfe der Flussaue des Segura trocken und konstruierten ein effizientes Bewässerungssystem, das bis heute funktioniert. Die Huerta umschließen zwei großen Kanäle (Acequias Mayores). Von diesen zweigen über 40 kleinere Kanäle (Acequias Menores) in die umliegenden Felder ab. Ihren Ausgangspunkt haben die großen Kanäle am Stauwehr von Contraparada, der schon seit dem 10 Jh. existiert. Damals versuchten die Anwohner bereits, mit der Anlage den Rio Segura besser zu regulieren. Mit Hilfe von Wasserschöpfrädern (norias) werden Unebenheiten im Gelände überwunden. Das Wasser gelangt über Furchen zu den Pflanzen. Allerdings verdunstet ein großer Teil des Wassers in den Furchen und eine Dosierung ist nur schwer möglich.


Apfelsinen und Datteln auf einem Markt in Deutschland aus Spanien importiert
Apfelsinen, Datteln und Co. Vieles bei uns auf dem Markt stammt aus Murcia, tb

Wassergerichte

Seit Beginn der systematischen Bewässerung regeln Wassergerichte (Tribunal de las Aguas) die Verteilung des Wassers an die Bauern und schlichten Streitigkeiten darüber. „Der Rat der weisen Männer“ (Consejo de Hombres Buenos) in der Huerta de Murcia tagt schon seit der Zeit der Mauren. Heute trifft er sich jeden Donnerstag um zehn Uhr im Salón Real im Rathaus von Murcia. Dabei erkennt Spaniens Justizministerium die Beschlüsse des „Rats der weisen Männer“ in Murcia und auch in Valencia an. Die Urteile sind nicht anfechtbar.

Tröpfchenbewässerung ist effektiv

Neben der florierenden Landwirtschaft verbrauchen auch Wohnbau, Tourismus und Gewerbebetriebe das knappe Wasser. Die in den 1970er Jahren gebaute Tajo-Segura-Überleitung versorgt die Region Murcia mit Wasser aus Zentralspanien. Doch das genügt nicht. Seit den 1980er Jahren entstehen daher in den höhergelegenen Gebieten der Huerta immer mehr Brunnen, um die Felder mit Grundwasser zu versorgen.

Inzwischen hat die Tröpfchenbewässerung die Furchenbewässerung weitgehend abgelöst. Dabei werden Kunststoffschläuche verlegt und die Pflanzen bekommen die exakte Menge an Wasser. Dadurch sinkt der Wasserverbrauch und auch die Versalzung des Bodens nimmt ab. Im Vergleich zur Furchenbewässerung ist die Tröpfchenbewässerung wegen des hohen technischen Aufwands für Pumpen, Filter und Schläuche relativ teuer. Nur große Agrarkonzerne können sich diese Investitionen leisten.

Wasser sparen? Flüsse umleiten!

Die Umweltprobleme bleiben. Spanien liegt EU-weit an der Spitze des Trinkwasserverbrauchs. Neben der Landwirtschaft, die etwa drei Viertel des Wassers verwendet, ist vor allem das marode Verteilungssystem für den hohen Wasserverbrauch verantwortlich. Fast 20 % des Wassers gehen hier verloren. Dazu kommen 10 % Verlust durch Verdunstung in den offenen Kanälen. Da das ohnehin billige Wasser in Spanien für die Landwirtschaft zusätzlich subventioniert wird, fehlen die Anreize zum Wasser sparen. Stattdessen plant Madrid gigantische Pipelines und Flussumleitungen, beispielsweise des Ebros. Diese sollen Wasser aus dem regenreichen Norden in den wasserarmen Süden transportieren.

Zusätzlich investiert die spanische Regierung hunderte Millionen Euro für die Modernisierung des Verteilungssystems und in Meerwasserentsalzungsanlagen. Das Wasser aus den Entsalzungsanlagen gelangt kaum in die Huerta de Murcia. Ein Anschluss ist teuer und dem Wasser fehlen die wichtigen Stoffe, die die Pflanzen zum Wachsen brauchen.

Zukunftsweisende Konferenz

„In der Region Murcia, in der man sagt: ‚Wasser ist Leben‘, ist dies mehr als nur ein Motto, es ist zweifellos Realität.“, so Alberto Garre López, Präsident der Region. López erhofft sich von dem Wasserforum in Murcia wegweisende Lösungsansätze. Bei dem dreitägigen Treffen, vom 25. bis 27. November, wurde über ein effektives, nachhaltiges Wassermanagement für Spanien und die übrigen Mittelmeeranrainer diskutiert, bei dem sowohl sozioökonomische als auch umweltpolitische Ziele berücksichtigt werden. Unter besonderer Berücksichtigung standen dabei die Auswirkungen des Klimawandels für den Mittelmeerraum. Denn die Klimaexperten des IPCC prophezeien beispielsweise dem Süden Spaniens eine Zunahme der Durchschnittstemperatur von bis zu fünf Grad und einen drastischen Rückgang der Niederschläge.



Die Autorin


Sabrina Kieback hat in Köln und Bonn Geografie studiert. Durch die langjährige Mitarbeit in einer tagesaktuellen Fernsehredaktion entdeckte sie die Liebe zum Journalismus. Seit einigen Monaten widmet sie sich intensiv dem Online-Journalismus.


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