Ansporn auch für spanische Jugendliche

Camila Vallejo im Porträt

Jeder zweite spanische Jugendliche zwischen 19 und 23 Jahren ist arbeitslos. Der Protest wächst und eines der Vorbilder ist die junge Chilenin Camila Vallejo.

 

von Frank Uwe Endres


Sie hat dunkles Haar und grüne Augen. Ohne ihren Nasenring wirkt sie fast wie eine klassische madonnenhafte Schönheit. Die einen tätowieren sich den Kopf der 24jährigen auf den Arm, andere fürchten ihre Intelligenz und wieder andere glauben, sie könne 2013 sogar den milliardenschweren Präsidenten Sebastián Piñera aus dem Amt jagen. Für dessen Anhänger ist Camila schlichtweg vom „Teufel besessen“. Sie erhält Morddrohungen und steht unter Polizeischutz.

Frühes soziales Engagement

Rückblende: Camila Vallejo kommt am 28. April 1988 in Santiago de Chile als Camila Antonia Amaranta Vallejo Dowling zur Welt. Ihre Eltern sind die chilenischen KP-Mitglieder Mariella Dowling und Reinaldo Vallejo. Sie wächst in Santiago de Chile auf und besucht die Privatschule Colegio Raimapu im Mittelschichtbezirk La Florida. Die dortigen Baracken zwischen den modernen Zentren und Autobahnschleifen bringen Camila zum Nachdenken über soziale Ungerechtigkeit. Sie beginnt ihr Geografie-Studium an der renommierten Universidad de Chile und wird kurz darauf selbst Mitglied der kommunistischen Partei Chiles.

 

 

Vallejo kämpft gegen Ungerechtigkeit
Camila Vallejo © GEW, Manfred Brinkmann

Jeanne d'Arc der Anden

2008 berät Camila Vallejo die Federación de Estudiantes de la Universidad de Chile (Studentenvereinigung der Universität von Chile, kurz FECh) und ist 2010 als zweite Frau überhaupt in diesem Amt Präsidentin. Dann geht es Schlag auf Schlag. Wenige Monate später ist sie bereits eine der Anführerinnen der chilenischen Studentenproteste. Spitzname: „Jeanne d'Arc der Anden".



Camila und die Medien


Zwei große Konzerne, El Mercurio und COPESA, dominieren Chiles Massenmedien und vor allem COPESA puscht den Hype um Camila Vallejo. Auch das Ausland erfährt von ihr. Die Leser des britischen Guardian ernennen sie zur „Person des Jahres 2011“, die New York Times spricht von "the world's most glamorous revolutionary". Die konservativen Journalisten des Konzerns El Mercurio dagegen mögen weder den jungen Medienstar noch die neue Aufbruchstimmung im Land. In Zahlen sieht die so aus: Nur noch 16 Prozent sind laut einer Umfrage Ende 2011 von einer gesunden Demokratie in Chile überzeugt.


„Wir leben längst den Klassenkampf“

 „Wir können die Welt verändern“, schreibt die junge Chilenin in einem ihrer Essays. Und wer sie reden hört, zweifelt nicht an ihrem Engagement (bei der IG Metall Braunschweig mit Dolmetscher auf youtube). Camila Vallejo legt Wert darauf, dass aus den Studentenprotesten längst ein Klassenkampf geworden ist. Linke Organisationen und Gewerkschaftler haben sich angeschlossen und diskutieren nicht mehr nur über Bildungspolitik, sondern über Privatisierungen im Gesundheitswesen, in der Kupferindustrie, über die Wasserversorgung, die private Verschuldung und die Verfassung selbst. "Nun beginnt nach den Protesten auf der Straße eine neue Phase. Wir müssen die Bewegung neu organisieren“, sagt die junge Frau fast schon staatsmännisch.


Die Last der „Comandante Vallejo“

 

Doch der Erfolg macht auch mürbe. El País sagt die junge chilenische Studentin Anfang 2012: "Manchmal fühle ich mich ausgelaugt. Viele glauben, ich könne alles in Chile ändern und erwarten das sogar. Aber hört mal: ändern können wir nur alle etwas. Ich bin doch bloß eine junge Frau Anfang 20." Auch wenn Medien von einem weiblichen Messias oder einer weiblichen Che Guevara sprechen, greift sie sich an den Kopf. Und was passiert im Internet? Auf youtube ist sie schon als „Camila Vallejo Presidenta“ zu sehen, Abertausende drücken bei Facebook den Button „gefällt mir“ und sie hat aktuell 478.124 Follower bei Twitter. Ein hoher chilenischer Beamter gehört allerdings nicht dazu. Der twitterte unlängst: "tötet die Hündin".

 

 

 

 

 

Über den Autor

 

Frank Endres hat Politische Wissenschaften an der Universität zu Köln studiert. Er arbeitet  seit 1998 als freier Journalist und Autor.

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