Andalusische Riesenesel – selten und unter Schutz

Spanier liebten sie einst, die Andalusischen Riesenesel. Heute leben kaum noch 500 von ihnen. Doch im Hinterland der Costa Blanca engagieren sich deutsche Auswanderer für die bedrohten Tiere. Wer möchte, kann sogar Esel-Pate werden.

von Birthe Müller

Südspanien jenseits der Strände der Costa Blanca. Dort im Landesinneren der Provinz Alicante erklingt im Jalôn-Tal schon mal das Echo von IA-Rufen. Zwischen Pinien und Mandelbäumen, am Fuß des Bernia-Gebirges, befindet sich das Eselsgestüt Les Murtes. Auf dem zwölf Hektar großen Gelände tummeln sich fast 70 Esel unterschiedlichster Rassen, darunter der Andalusische Riesenesel. Es ist ein Projekt für nachhaltigen Tierschutz, denn die Tiere sind vom Aussterben bedroht.

Riesenesel: bis zu 50 Jahre alt

Die Fohlen des Andalusischen Riesenesels kommen meist schiefergrau oder braun auf die Welt. Ausgewachsen bekommt ihr Fell die typische Apfelschimmel-Farbe. Andalusier sind erst mit sieben Jahren ausgewachsen und werden bis zu 50 Jahre alt!Ausgewachsene Esel lassen sich unter anderem anhand der Fellfarbe nach Rassen einteilen. Den Riesenesel gibt es dabei ab einem Stockmaß von 136 cm in sechs Rassen: Katalanische und der Andalusische Riesenesel aus Spanien, Poitou-Esel aus Frankreich, American Mammoth Jackstock (die grösste Eselrasse der Welt), Martina-Franca Esel aus Italien und Großer Weißer Ägyptischer Esel. Vom Aussterben bedroht sind sie alle. Laut WWF stirbt jeden Monat eine weitere Nutztierrasse aus. 22 Prozent gelten nach FAO „World Watch List“ für „Domestic Animal Diversity“ als bedroht oder gefährdet. Der Andalusische Riesenesel der Raza Andaluz o Cordobesa macht da keine Ausnahme. Es gibt nur noch wenige wirklich reinrassige und offiziell zugelassene Zuchttiere dieser Art.

Edle Eselherkunft

Die Geschichte des Andalusischen Riesenesel, des Asno Andaluz, ist eng verknüpft mit der Historie Spaniens und der dortigen Tierwelt. Während einige Ansos vom Afrikanischen Wildesel abstammen, ist die Herkunft der Andalusier eher unklar. Forscher vermuten eine Verwandschaft mit dem Weissen Ägyptischen Pharaonenesel. Der Stammvater der Andalusischen Riesenesel könnte demnach während der islamischen Besetzung durch die Mauren ab dem Jahr 711 nach Spanien gekommen sein. Im Jalôn-Tal kämpften sie damals zu Tausenden auf dem Rücken ihrer Esel. Endgültig kann die wahre Herkunft wohl nur eine genetische Untersuchung klären.

Kräftig, ausgeglichener Charakter

Die Mauren verließen 1492 das Land, die Riesenesel blieben. Ihre Größe und ihre Ruhe fiel vor allem den Bauern auf. Die weißen Langohren waren kräftiger und belastbarer als die einheimischen Esel. Vor allem in den unwegsamen, hügeligen Äckern kamen sie zum Einsatz. Die Militärs wiederum nutzten die Hengste zur Zucht von Maultieren. Diese Hybride aus Pferden und Eseln waren ideal für Kampfeinsätze und behielten auch in kritischen Situationen die Ruhe. Schätzungen zufolge gab es um 1950 herum noch etwa 700 000 Esel in Spanien. Zwar ließ Spaniens König die Rasse bereits im 19. Jh. per Gesetz schützen, aber mit der Industrialisierung ging die Zahl schlagartig zurück. Heute gibt es insgesamt nur noch etwa 70 000 Esel in Spanien, etwas mehr als 500 davon lassen sich mehr oder weniger den Andalusischen Rieseneseln zuordnen.

Les Murtes: Eselschutz in Spanien

Spanier sind keine ausgewiesenen Tierschützer und auch die Regierung in Madrid kümmert sich wenig darum. Immerhin gibt es im Falle der Andalusischen Riesenesel inzwischen eine offizielle Organisation: die UGRA (die Unión de Ganaderos y Arrieros de la Gran Raza Asnal Andaluza) bemüht sich um den Erhalt der Andalusier. UGRA unterstützen dabei auch private Züchter. Ein besonderes Beispiel ist das deutsch-französische Ehepaar Edith und Alexander Aretz, welches sich seit über 25 Jahren der Eselnothilfe und dem Rasseerhalt europäischer Esel widmet. Das von ihnen gegründete Gestüt Les Murtes ist das artenreichste Eselsgestüt Europas und das älteste Donkey Sanctuary Spaniens. 2008 ist das Gestüt in die Stiftung Weltkulturerbe Esel (Fundación el Burro Patrimonio del Mundo de la Comunitat Valenciana) umgewandelt worden.

Unterwegs auf Eselpfaden mit dem vierbeinigen Patenkind

Wichtigster Bestandteil dieser kostenintensiven Stiftung ist die Eselpatenschaft. Denn damit bekommt die Spende ein Eselsgesicht. Das besondere daran ist der direkte Bezug zu den Tieren. Wer möchte, kann im nächsten Spanienurlaub mit dem vierbeinigen Patenkind auf historischen Eselspfaden das Bernia-Gebirge und das Jalôn-Tal erkunden. Eine wunderbare Alternative zum anonymen Tierschutz und ein Plus für jeden Eselliebhaber. Es gibt noch Hoffnung für die Riesenesel.

Die Autorin

Birthe Müller ist Naturwissenschaftlerin und Online Redakteurin. In ihrer Freizeit reist sie gerne, vor allem nach Spanien und Griechenland. Sie schaut auch gerne gute Dokumentationsfilme.