40 Meter auf 2 Beinen

Menorquiner, Pferderasse der spanischen Insel Menorca

Schwarzes Fell, heißblütiger Charakter und ein besonderes Stehvermögen: Die edlen Pferde der Insel Menorca sind die Stars der sommerlichen Stadtfeste. Andalusiens Pferde sind zwar berühmter, aber durch ihre besonderen Fähigkeiten sind auch die Menorquiner der Baleareninsel weit über Spanien hinaus beliebt.

von Sarah Bleimehl

Idyllisch liegt Menorca, „die Kleinere“ neben ihrer großen Schwester Mallorca. Statt Massentourismus gibt es hier ursprüngliche Strände, Buchten und Wälder. Die UNESCO hat deshalb nahezu die Hälfte der Insel zum Biosphären-Reservat erklärt. Aus dieser einzigartigen Landschaft stammt der Menorquiner, die inseleigene Pferdeart. Man sagt, es sei die einzige Rasse, die auf zwei Beinen laufen kann. Tatsächlich ist die Spezialität der Rappen die sogenannte „Laufcourbette“ – das Laufen auf den Hinterbeinen. Dabei kommen sie sogar bis zu 40 Meter weit und gehören zu den Lieblingen unter Spaniens Tieren.

Jaleo in der Johannesnacht: Teufelsritt durch die Menschenmenge

Reiterspiele mit diesen schönen Pferden haben eine lange Tradition auf Menorca. Besonders bekannt sind die zumeist schwarzen Pferde jedoch durch ihre spektakulären Auftritte bei der Johannes-Prozession in Ciutadella im Juni: Mit ihren Reitern preschen sie durch das Gedränge der engen Gassen und steigen immer wieder in die Höhe, während sich die Menschenmenge dicht um sie drängt.

Unfassbar: Es gibt kaum Unfälle, obwohl die Teilnehmer der Fiesta sehr dicht an die Tiere kommen und sie berühren. Das soll Glück bringen. Dabei sind die gesamten Besucher der Prozession mit Pomada benebelt - eine Mischung aus Gin und Limonade, die sie aus Plastikflaschen trinken. Reiter und Besucher spornen die Tiere an, zu steigen und so lange wie möglich auf den Hinterbeinen zu stehen und zu springen. Der Sprung über die Hinterhand heißt "Bot" . Dabei werfen die Zuschauer die Arme in die Höhe und feuern das Tier an. Je länger es steht, desto lauter die Rufe und aufgeheizter die Stimmung.

Junge Männer springen vor die heranpreschenden und steigenden Pferde. Im Rausch des Gins und der Musik ergreifen sie sogar die Vorderbeine der Tiere in der Luft. Jaleo nennen die Spanier den verrückten Tanz von Mensch und Pferd. Die erfahrenen Reiter sitzen dabei bequem in einem Sattel mit verlängerter Rückenlehne und genießen die Aufmerksamkeit. Glaubt man der niedrigen Unfallstatistik, bleiben auch die Pferde angesichts des Tumults gelassen.

Tatsächlich werden die Pferde früh darauf trainiert die Ruhe zu bewahren. Dazu berühren die Trainer sie während der Performance mit Plastiktüten, lehnen sich gegen sie und rascheln mit Dosen voller Steinen.

Pura Raza: Edle Zuchtpferde aus wilder Mischung

Die Menorquiner sind feurig und zuverlässig, elegant und robust, charakterstark und lernwillig zugleich. Eine außergewöhnliche Mischung, die in der Zuchtgeschichte entstanden ist: Woher die Pferde ursprünglich kamen, ist nicht ganz klar. Einmal auf Menorca kreuzten sich die schwarzen Wildpferde im Laufe der Zeit mit verschiedenen Pferderassen der Einwanderer, wie etwa Arabern oder englischen Vollblütern. So entstanden zunächst die sogenannten „Menorca-Pferde“ mit ihren unterschiedlichen Fellfarben. Heute dagegen haben die wertvollsten Mellorquiner ein schwarzes Fell. Lediglich kleine weiße Flecken im Gesicht oder an den Füßen sind erlaubt. Seit 1989 ist „Caballo de Pura Raza Menorquina“ als eigenständige Rasse anerkannt.

Menorquiner als Showpferde und außerhalb von Menorca

Die edlen Menorquiner dienen hauptsächlich der Dressur und Zucht. Auf Menorca treten die Showpferde den ganzen Sommer über auf jeder Fiesta auf: Film. Aber inzwischen hat die Rasse ihre kleine, idyllische Insel längst verlassen. Zur Zeit gibt es weltweit zwischen schon fast 2500 Menorquiner, Tendenz steigend. Ihre Auftritte in Shows machen sie immer beliebter und so kostet ein Rappe schon mal über 5000 Euro. Vor allem in Frankreich, Italien und in Holland wächst das Interesse an den Pferden. Dort gibt es seit einigen Jahren schon einige Menorquiner-Gestüte, wie etwa das holländische Het Soerhuis. Doch Sant Joan auf Menorca ist und bleibt die schönste Art, die Tiere an den Festtagen vom 23. auf den 24. Juni zu erleben. Weitere Pferdethemen

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Die Autorin

Sarah Bleimehl ist Redakteurin, Texterin und Konzeptionerin. Sie hat Anglistik, Neuere deutsche Literatur und Soziologie in Mainz und Hamburg studiert und danach bei Film und Fernsehen gearbeitet. Neben Text und Bewegtbild begeistert sie sich für Pferde und Reisen.