Raubvögel über der spanischen Extremadura, Foto Tobias Büscher
Raubvögel wie Kaiseradler und Geier fühlen sich am Salto del Gitano in der spanischen Extremadura wohl, tb

Spanischer Kaiseradler: der iberische König der Lüfte

Die Geschichte des Spanischen Kaiseradlers zeugt vom Erfolg der spanischen Vogelschutzmaßnahmen in den letzten Jahrzehnten. Zwar leben nur etwa 600 bis 700 Exemplare. Im Vergleich zu 70 bis 80 Individuen in den 1970er-Jahren ist das jedoch eine gute Entwicklung. Und es sollen bald noch mehr werden.


von Anne Urbschat

Der Spanische Kaiseradler heißt auch Aquila Adalberti. Gelegentlich hieß er auch Prinzenadler. Er ist nach Prinz Adalbert Wilhelm von Bayern benannt, der im 19. Jahrhundert die spanische Infantin Amalia heiratete. Der deutsche Pfarrer und Ornithologe Christian Ludwig Brehm beschrieb den Vogel der spanischen Tierwelt erstmalig im Jahre 1861.

Goldbraunes Adlerauge

Mit einer Flügelspannweite von etwa zwei Metern und einer Länge von 80 cm ist diese Art kleiner als der sogenannte Östliche Kaiseradler. Äußerlich ähnelt er ihm aber sehr. Er bringt durchschnittlich drei Kilogramm auf die Waage. Seine Grundfärbung ist dunkelbraun, der Nacken hellbeige. An den Schulterblättern und Flügelansätzen ist er weiß gefleckt. Der junge Adler ist noch nicht voll ausgefärbt, sein Gefieder noch gefleckter als beim ausgewachsenen Vogel. Ein gekrümmter blauschwarzer Schnabel und goldbraune Adleraugen vervollständigen die Erscheinung, siehe Fotos auf IBC.

Martin Kelsey (Mitte) gehört zu den berühmtesten Ornithologen in Spanien. Foto Tobias Büscher
Adler im Blick: Martin Kelsey (Mitte) in Aktion, tb
Adler in Spanien, Turespaña
Adler mit Nachwuchs in Spanien, Turespaña

Monogames Leben auf Baumwipfeln

Der Águila imperial ibérica kommt heute noch im südlichen und westlichen Spanien vor. Forscher fanden drei Kernareale, deren Bestände relativ isoliert voneinander sind: der Nationalpark Coto de Doñana, die Montes de Toledo und die Sierra Morena sowie das Sistema Central und die Gebirgszüge der Extremadura. Dort kümmert sich auch der in Spanien berühmte britische Ornithologe Martin Kelsey um die Tiere (siehe Bild).

Das Bild vom König der Lüfte, der auf spitzen Felsen im Gebirge thront, trifft beim Spanischen Kaiseradler nicht zu. Er fühlt sich in vielen Lebensräumen wie Auen und Sümpfen bis hin zu Bergwäldern wohl. Zum Nisten präferiert er hohe Bäume in Gegenden fernab von menschlicher Aktivität. Brutpaare herrschen über ein Territorium von bis zu 2.000 Hektar. In diesem Revier hat ein Paar verschiedene Nester, die es alternativ nutzt. Und zwar ganz oben im Baum, um gut starten und landen zu können. Das Weibchen legt ein bis vier Eier und brütet sie etwa 44 Tage lang aus. Vater und Mutter füttern die Küken dann,  bis diese nach zwei bis drei Monaten das Nest verlassen. Wie viele andere Vogelarten leben auch die Kaiseradler monogam.

Giftköder und Stromschläge

Natürliche Feinde hat der Raubvogel eigentlich nicht. Er jagt am liebsten Kaninchen, frisst aber auch andere Kleintiere und im Notfall sogar Aas. Dennoch gefährden Kaninchenkrankheiten wie die Kaninchenpest (Myxomatose) den Bruterfolg. Auch der Mensch ist für ihn bedrohlich: In den 80er- und 90er-Jahren setzten Jäger illegal Gifte zur Jagd ein. Mehrere Exemplare kamen an Stromleitungen zu Tode. Auch macht dem seltenen Vogel zu schaffen, dass der Mensch seinen Lebensraum durch Landgewinnung und Infrastrukturausbau zerstört und fragmentiert.

Höhenflug für den spanischen Vogelschutz

Der Aquila Adalberti ist ein wichtiges Naturerbe Spaniens. Die Bestände sind gering und brauchen Schutz wie viele der seltenen und bedrohten Tiere Spaniens. Doch die Lage ist nicht aussichtslos. Von unter 100 Exemplaren in den 1970-er Jahren stieg die Zahl auf bis heute ca. 600 Individuen. Ein deutlicher Erfolg. Damit diese Erfolgsgeschichte weitergeht, bemühen sich Organisationen wie SEO/Birdlife um den Erhalt. Sie gründeten 2006 das Programm Alzando el vuelo zum Schutz dieser einmaligen Art.



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