Der Jakobsweg von Sarria nach Santiago

Fünf Tagesetappen sind es für Pilger von Sarria bis nach Santiago. Laufen kann man sie das ganze Jahr über, denn es gibt keine nennenswerten Höhenunterschiede wie in den Pyrenäen oder am Cebreiro-Pass. Und weil die Strecke knapp über 100 km lang ist, bekommt man am Ziel sogar die ersehnte Jakobsurkunde, die Peregrina. Diesen Pilgerausweis gibt es bei: deutsche-jakobus-gesellschaft.de. In den Herbergen und Kneipen einfach zweimal pro Tag abstempeln lassen und im Pilgerbüro von Santiago dann vorzeigen.

von Tobias Büscher

In Coronazeiten hat sich am Camino de Santiago zudem immer mehr der digitale Pilgerausweis verbreitet. Mit ihm lassen sich an den Herbergen QR-Codes abrufen. Auch die Urkunde  bekommt man nach den 100 km dann auf Wunsch online.

Per Bus zum Ausgangspunkt Sarria

Wer zum Flughafen Lavacolla (SCQ) in Santiago fliegt und das teure Taxi nach Sarria vermeiden will, fährt am besten mit dem Transferbus zum Busbahnhof von Santiago, von dort zum Busbahnhof nach Lugo (2 Std.) und von dort mit dem Unternehmen Monbus nach Sarria (40 Min.) Die Verbindungen sind häufig und der Gesamtpreis für die Strecke liegt bei rund 20 Euro, was deutlich günstiger ist als ein Taxi, auch wenn man es sich teilt.

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Von Sarria nach Portomarín (22 km)

Sarria mit seiner Burgruine und ein paar Tavernen ist der Ausgangspunkt vieler Pilger, die auf dem leichtesten Weg die Pilgerurkunde in Santiago bekommen möchten. In der Hauptsaison wird es also schon mal etwas voller. Die Strecke nach Portomarín führt über Wiesen und Weiden und ist in etwa 6 Stunden machbar. Vorbei geht es an der Ortschaft Brea und dem mit Namen „verzierten“ Kilometerstein 100, von wo aus man Portomarín schon sehen kann. 

Dieser Ort ist ein Kuriosum. Denn Anfang der 1960er Jahre ist das ganze Dorf wegen dem Bau des Belesar- Stausees am Miño-Fluss weiter nach oben gezogen. Dazu haben die Bewohner die Steine der Kirchen und Häuser markiert, um sie oberhalb des Wassers wieder aufzubauen.

Aus dem Wasser ragen noch Reste von Alt-Portomarín heraus. Beeindruckend ist vor allem die turmartige romanische Kirche San Xoan mit ihrer gewaltigen Rosette. Für das Heilige Jahr 2021 hat die Regierung in Galicien 230.000 Euro für die Reinigung der Fassade investiert.

Übernachten
Pousada de Portomarín 
Rustikalen Charme bietet das älteste Hotel von Portomarín mit drei Sternen, das zunächst im Jahr 1962 als Parador entstand. Gepflegte Zimmer, Fitnessbereich, mit angeschlossenem Restaurant.
Av. de Sarria s/n, pousadadeportomarin.es, €€

Essen & Trinken
Rund um den Platz Conde Fenosa, wo auch das Infobüro ist, gibt es einige gute Tavernen.

Von Portomarín nach Palas de Rei (24 km)

Palas de Rei ist nach rund 7,5 Stunden über geringe Steigungen erreicht. Vorbei geht es dabei an den verträumten Straßendörfern Gonzar und Castromaior. Auf dem Weg fallen neben den Eukalyptusbäumen auch die steinernen Wegkreuze aus Granit auf, die für Galicien so typisch sind. An der Ortschaft Portas de Reboredo, den man nach 5,5 Stunden erreicht hat, lohnt für Kulturfreaks ein Abstecher zu der 3 km entfernten Santiago-Kirche von Vilar de Donas. Dort sind neben den Gräbern einstiger Jakobsritter vor allem die verblassten gotischen Wandgemälde beachtlich.

Von dem Ort Palas de Rei lohnt, wer noch mehr Kraft hat, ein weiterer Abstecher zu der 8 km entfernten Burg Castillo de Pambre. Mit ihrem Turm, den dicken Mauern und der Burgkapelle ist sie komplett erhalten und gehört zu den schönsten und dabei unbekanntesten der gut 1300 Wehrburgen Spaniens. So ist das eben, wenn man ein paar Schritte zu weit vom Camino entfernt ist.

Übernachten
Albergue Palas de Rei
Pilgerherberge in einem alten Steinhaus.
Trav: do Peregrino, Tel. 982 38 01 32, €

Essen &Trinken
In Palas de Rei gibt es mehrere einfache Restaurants und Verpflegung im Supermarkt Eroski.

Von Palas de Rei über Mélide nach Arzúa (29 km)

Von Palas de Rei geht es über mittelschwere Pfade, Asphalt und Pflasterstein 9 Stunden bis in die Ortschaft Arzúa. Dort sollte man als Tapa ein Stück Kuhkäse probieren. Der Queso Arzúa Ulloa ist in ganz Spanien berühmt.

Vor allem auf den letzten Kilometern geht es auf und ab, was etwas anstrengend aber machbar ist. Vorbei kommt man dabei an der alten Dorfkirche von San Xiao de Camiño sowie an den Maisspeichern (hórreos) auf Granitstelzen, die den Inhalt vor Nagetieren schützen. Ein beliebter Pilgertreff ist in Coto die Bar Casa de la Somoza mit ihrem Garten. Und für Gourmets ist die Kleinstadt Mélide spannend. Denn dort liegt die Pulpería Ezequiel, das wahrscheinlich berühmteste Restaurant für Seekraken weltweit. Spaniens König war auch schon da.

Übernachten
O Retiro, Rúa Ramón Franco 7, Steinhaus mit Terrasse am Ortseingang von Arzúa, mit Restaurant, €

Essen & Trinken
Pulpería Ezequiel
In der kultigen Taverne richten die Besitzer Pulpo-Rationen vor den Augen der Gäste her. Mit Meersalz, Paprikapulver und Olivenöl. Dazu passt eine Schale galicischer Ribeiro-Weißwein.
Ctra de Lugo 48, im Ortskern von Mélide
pulperiaezequiel.com, €-€€

Von Arzúa nach Pedrouzo (19 km)

Für den einfachen Weg, teils entlang der Nationalstraße, brauchen Wanderer rund 5 Stunden Gehzeit. Vorbei geht es an den Bauerndörfern Calle, Boavista und Salceda. Diese vorletzte Etappe vor dem Erreichen des Pilgerziels ist zum Laufen besonders einfach, da es kaum Höhenunterschiede gibt.

Übernachten
Albergue Cruceiro de Pedrouzo
Eine der besten Pilgerherbergen der Strecke. Relativ modern eingerichtet, es gibt eine Küche mit Mikrowelle und sogar eine Sauna.
Avda. de la Iglesia 7, alberguecruceirodepedrouzo.com, €

Von Pedrouzo nach Santiago (22 km)

Die Strecke bis Santiago dauert 5,5 Stunden und führt vorbei an dem alten Dorf San Marcos, wo eine überdimensionale Betonherberge auffällt. Und vom Monte de Gozo erblicken Sie erstmals in der Ferne die Jakobskathedrale. Wahrscheinlich deshalb heißt die Anhöhe auch „Berg der Freude“.

Die Wegweiser führen zur Porta do Camiño, zur „Pforte des Weges“, wo man die Altstadt von Santiago betritt. Und endlich am Ziel ist. Ganz in der Nähe der Kathedrale befindet sich das Pilgerbüro der Stadt, die auch die Statistiken führen. 2019 beispielsweise kamen 327.281 Pilger zu Fuß (94 %) und 85 im Rollstuhl.

Und 2020, während der Coronakrise, verzeichnete das Büro erstmals seit seinem Bestehen überhaupt keine Besucher, 2021 erholte sich die Lage, weil Heiliges Jahr war, verlängert sogar bis Ende 2022. Doch die Pandemie hat den Pilgerboom auf lange Zeit gestoppt.

Pilgerbüro
Oficina de Acogida al Peregrino
Rúa Carretas 33, 15705 Santiago de Compostela, Tel. 981 56 8 8 46.