Kleines Menorca mit großem Charme

Urlaubsziel Menorca: einsame Buchten
Menorca: einsame Buchten © tb
Felsen-Bar Cova d´en Xoroi
Felsen-Bar Cova d´en Xoroi © tb
Kajaktouren sind beliebt
Kajaktouren sind beliebt © tb
4500 Jahre alte Naveta-Begräbnisstätte
4500 Jahre alte Begräbnisstätte © tb
Schuhe der Marke Ria sind ein Klassiker
Schuhe von Ria sind ein Klassiker © tb
Agathe in ihrem Restaurant
Agathe in ihrem Restaurant © tb
Fiesta de Sant Joan
Fiesta de Sant Joan © tb

Mann muss sie einfach mögen, die Insel Menorca. Kaum einer besucht sie, was für ein Fehler. Dafür ist sie naturbelassen, hat kaum Touristen und bietet Erholung pur.

 

Text und Bilder: Tobias Büscher

 

Was für eine Insel! Es gab einmal einen, der mochte Menorca ganz und gar nicht: Diktator Franco. Die Insulaner hatten ihm im Spanischen Bürgerkrieg so manche Steine zwischen die Beine geworfen und aus Wut darüber ließ er nicht wie sonst am Mittemeer Touristenburgen entstehen, sondern ein Gefängnis für politische Gefangene verwalten. Bis in die 1980er Jahre hinein lebte man mehr vom Ackerbau als von Dienstleistungen und auch heute noch hat Mallorcas kleine Schwester einen ausgesprochen ländlichen Charme. Der Tourismus, da muss man dem einstigen Diktator fast dankbar sein, hat sich moderat entwickelt und die Feriensiedlungen bekommen Architekturpreise statt Höhenflüge.
Wer die Menorquiner aber mochte, und das lange zuvor, waren die Engländer. Sie brachten im 18. Jh. den Gin auf die kleine Mittelmeerinsel und in der Hauptstadt Mahón sieht noch manche Türklinke very british aus.

 

64 Prozent unter Naturschutz


Besonders aber prägen die Insel viele naturbelassene Strände, fast 2000 verschiedene Pflanzenarten, Seewasserlagunen, Fjorde und einsame Leuchttürme. 64 Prozent der Insel ist unter Naturschutz. Steineichen, Kiefern und Ölbäume prägen ein Viertel der Oberfläche, wobei die größten Waldgebiete rund um den zentralen Berg Monte Toro liegen. Im Süden spenden die Kiefern an den Küstenlagen Schatten und die Feuchtgebiete S´Albufera des Grau und Es Prat de Son Bou sorgen für eine intakte Natur.
Menorca ist nur rund 50 km lang und 20 km breit, der höchste Berg ist keine 360 m hoch, und doch bietet Menorca so manche Rekorde. Und was für welche! Weil der Boden von Steinen durchsetzt ist und für den Ackerbau nutzbar sein muss, werden die piedras gesammelt und zu Mauern errichtet. Deshalb gibt es hier 19 000 km (!) Steinmauern. Die zahlreichen Verkehrskreisel wiederum ersetzen Straßenkreuzungen und Ampeln und sind alle unterschiedlich gestaltet. Manche mit einem Schuh wegen der nahen Schuhproduktion, andere wiederum mit der Plastik eines Schmelzkäses wegen der Fabrik nebenan.

 

Jung und sehr alt

 

Menorca hat in Mahón den schönsten Naturhafen im Mittelmeer und außerdem leben hier ausgesprochen agile alte Menschen. Vor kurzem starb ein Mann mit sagenhaften 114 Jahren, doch seine kleinen Brüder sind wohlauf. Der eine ist im Jahr 2009 108 Jahre alt geworden, der andere 105. Auch Agathe geht es hervorragend. Der 85jährigen gehört das Restaurant Ca´n Aguedet in Es Mercadal und sie bedient ihre Gäste wie seit Jahrzehnten. Der eine Sohn ist Küchenchef, der andere Weinproduzent.

 

Mayonnaise aus Mahón

 

Bei Agathe bekommt man noch Gerichte, die man schon im Mittelalter aß, darunter Arroz de la Tierra, ein leckerer Eintopf aus Getreide, Knoblauch, Süßkartoffeln und Schweinefleisch. Und natürlich Mayonnaise. Diese, weiß Agatha, stammt von der Insel und erfunden haben soll sie die Maitresse des Herzogs Richelieu, der die Engländer von der Insel vertrieb. Als er einmal bei einem Besuch Hunger bekam, heißt es, mischte sie schnell etwas Öl, Eier und Essig und Monsieur war begeistert. In Mahón (daher der Name) treffen sich seither Europas Spitzenköche zum Rezeptaustausch …

 

Reiterfest Sant Joan


Am kuriosesten an Menorca aber ist zweifellos das Fest Sant Joan (Johannisfest) vom 23. auf den 24 Juni. Dann nämlich reiten Männer mit Rassepferden, den Menorquinern, durch die Altstadtgassen der schönen, mittelalterlichen Stadt Ciutadella, und obwohl sie von der Menschenmenge gereizt werden und keine Scheuklappen und Beruhigungsspritzen bekommen, bäumen sie sich zwar auf, sind sonst aber die Ruhe selbst und gehen nicht durch. Vielleicht ist dies sinnbildlich für die gesamte Insel, die ohne  spektakuläre Berge und Küsten auskommt und eben gerade deshalb so liebenswert ist.

 

Tipp für Familien mit Kindern:

 

Ansprechend ist die Ferienanlage des Hotels Macarella. Die Appartments sind geräumig mit Küche, TV, Wifi und viel Stauraum ausgestattet. Es gibt einen Pool, Spielflächen und auch die Nähe zum Strand und zur Stadt Ciutadella sind ein Plus.

 

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