Villa in Asturien, Nordspanien, mit blauem Anstrich
Villa in Colombres © ts

Asturien und die Villen der sogenannten Indianer

Im 19. Jh. emigrierten viele Asturier nach Lateinamerika - und kamen reich zurück. Als erstes bauten sie sich Prachtvillen, die bis heute gut erhalten sind.


„indiano“ – „indianisch“ heißen in Spanien die Emigranten, die reich aus Lateinamerika zurückgekehrt sind. Viele Spanier emigrierten während des 19. Jahrhunderts vor allem nach Argentinien, Brasilien, Kuba, Puerto Rico, Mexiko, Uruguay und Venezuela. Die sogenannten „Indianer“ stammten vor allem aus den Balearen, Katalonien, Galicien, Kantabrien und Asturien.

 

Arme Emigranten, reiche Rückkehrer

 

Sie ließen Armut und Hungersnöte hinter sich und träumten vom großen Geld. Wer reich nach Spanien zurückkam, baute sich ein prachtvolles Haus. An ihre zweite Heimat, in die sie auswandern mussten, erinnern heute noch Gärten voller Palmen, Araukarien, Magnolien, Rhododendren und Kamelien. Mit den exotischen Bäumen und den prächtigen Villen bewiesen die Heimkehrer ihren gesellschaftlichen Aufstieg und dass sie in Amerika zu viel Geld gelangt waren.
 

Prächtige Fassaden, Prunk im Innern

Die „casonas“ der Rückkehrer hatten großartige Fassaden, Aussichtstürme, hohe Decken, Galerien, Balkone und beeindruckende Treppenaufgänge. Im innern sind sie mit Porzellan, Möbeln, Uhren, Skulpturen, Tapeten und Stoffen ausgestattet, die nach der Mode der Zeit aus den besten Dekorationsgeschäften von Paris und Barcelona stammten.

Die „indianos“ von damals haben eine fantastische Ansammlung von kleinen Palästen und Herrenhäusern im Stil des Eklektizismus, Jugendstil und Historismus hinterlassen. Viele der neuen Reichen haben jedoch nie ihre bescheidenen Anfänge vergessen. Nach ihrer Rückkehr mischten sie sich in Spanien in die Politik ein, bauten Schulen, Rathäuser, öffentliche Badeanstalten, Straßen, Krankenhäuser und Heime.
 

Eine Reise zu den Villen Asturiens


Um einen ersten Eindruck von der Pracht der „indianischen Häuser“ zu gewinnen, eignet sich besonders gut eine Reise durch die Gegend von Llanes im Osten des Fürstentums von Asturien. Dort sind herausragende Beispiele dieser besonderen Architekturform zu finden, wie etwa die Casona de Verines und die Paläste von Santa Engracia und Mendoza Cortina in La Borbolla und Pendueles, die Schulen von Vidiago, die Kapelle und die Kegelbahn von La Pereda, die Schule von La Arquera, die Paläste, Kirchen, der Friedhof und das Kasino von Poo oder die Herrenhäuser an der Calle Concepcion von Llanes selbst. Auch in Porrua, Balmori, Posada, Naves und Nuva de Lanes lassen sich „indianische“ Spuren entdecken.

 

Museo de Indianos in Colombres


In der Stadt Colombres, die auch im östlichen Teil von Asturien liegt, befindet sich das „Museo de Indianos“. Das für den Indianos-Stil charakteristische Museum, das sich dem Phänomen der spanischen Emigration nach Amerika widmet, wurde von Inigo Noriega gebaut, einem Emigranten aus Mexiko.

 

Text: ts / tb

 

Weiterführende Links

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