Muxía: Fischerort an der nordwestspanischen Küste

Muxia an der Bucht Camariñas war einst ein wildromantischer Fischerort in Nordwestspanien. Doch dann kam eine gigantische Atlantikwelle. Dann das Öl des zerbrochenen Tankers Prestige. Und schließlich ein verheerender Blitz. Galicier sind aber hart im Nehmen. Und auch die 1500 Bewohner hier am spanischen Atlantik lassen sich nicht unterkriegen.

von Tobias Büscher

Sie wohnen in Kastenhäusern an der gefährlichen Costa da Morte, der Todesküste. Sie sind die Nachfahren der Walfänger und Muschelsammler. Und noch heute arbeiten viele der Anwohner als Percebeiros, Entenmuschel-Sammler. Die Percebes pflücken sie von den scharfkantigen Felsen nahe dem Ort und riskieren für die teure Delikatesse ihr Leben. Dafür lieben sie ihren Tresterschnaps in der Fischertaverne, schwärmen für ihren Lieblingsverein Deportivo La Coruña und feiern Feste, wo sie nur können. Muxía ist ein lebhafter, freundlicher Ort. Trotz all der Dramen.

Unsere Jungfrau vom Boot

Hier nördlich von Finisterre lebten schon vor 800 Jahren Mönche. Und noch heute erinnert daran die berühmte Kirche Santuario de Nosa Señora da Barca (unsere Jungfrau vom Boot). Ende 2013 machte sie Schlagzeilen, als ein Blitz das gesamte Kirchendach in Flammen setzte und das Heiligtum in weiten Teilen zerstörte. Die Blitzableiter waren defekt. Heute steht sie wieder und erinnert mit ihrem Namen an eine der kuriosen Legenden rund um den Jakobsweg. Denn die Gottesmutter soll hier mit einem Steinschiff gelandet sein, um den Heiligen Jakob bei seinen Missionen zu unterstützen. Passend dazu liegt ganz in der Nähe oberhalb des Wassers ein 30 cm flacher und neun Meter langer Stein namens Pedra de Abalar. Der soll das Segel dieses Schiffes sein.

Eine Welle bewegt 1000 Kilo schweren Stein

Bis 1978 ließ sich das Segel mit viel Kraft leicht bewegen. Und wer es schaffte, hatte einen Wunsch frei. Doch dann kam im Dezember ein Sturm und verrückte den 1-Tonnen-Stein so sehr, dass er nicht mehr wackeln kann. Ende Juni 2015 entschied der Bürgermeister schließlich: Lokale Techniker sollen mit Kran und Seilen anrücken und Abalar an die Ursprungsstelle zurückhieven. 15 000 Euro wird das wohl kosten, berichtet La Voz.Doch diese Summe ist nichts gegen das Restaurieren der Kirche. Und erst recht nichts gegen die Arbeiten, als im Jahr 2002 das Tankerunglück der Prestige die gesamte Todesküste verunreinigte und Muxía besonders stark traf. Aus allen Teilen Spaniens kamen Helfer, kratzten die schwarzen Felsen wieder sauber und versuchten, Seevögel zu retten.Alle Fischer wurden damals mit einem Schlag für viele Monate arbeitslos. Was übrigens Real Madrid dazu veranlasste, ein Benefiz-Spiel zugunsten der Einwohner auszutragen ... Und ganz in der Nähe interviewte damals die Journalistin Letizia Ortiz Don Felipe. Heute ist sie seine Frau und Königin von Spanien. Aber das ist eine andere Geschichte ...

Dünenstrände & Hafenpromenade

Muxía ist ein vergleichsweise moderner Ort an Galiciens Küste. Die Hilfsgelder aus Madrid haben neue Kneipen entstehen lassen mit großen Flachbildschirmen, neue Fischtavernen und Restaurants im Erdgeschoss der kastenförmigen Neubauten. Auch die Hafenpromenade ist grunderneuert und inzwischen sturmsicher. Wer vor Ort ist und Meeresfrüchte mag, sollte sie natürlich auch mal probieren: die Entenmuscheln. Noch empfehlenswerter sind allerdings frisch gefangener Seeteufel und Garnelen zu einem kühlen galicischen Weißwein.Ein schöner Campingplatz übrigens liegt oberhalb des Dünenstrands Lago. Er heißt Camping Lago Mar und bietet viel Schatten (5 € pro Pers., Auto und Zelt).

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