Vendaval-Fischerboot nahe O Grove
Schunkeln auf galicisch © tb

Tipps und Hintergründe zu Galicien in Wort und Bild

Interview zu Galicien mal anders

Welche Stadt in Galicien ist die schönste? Worüber reden die Galicier? Warum passt Porzellan so gut zu Weißwein? Und wie feiern die da eigentlich im spanischen Friesland? Tipps zur Region von DuMont-Autor und Spanien-Reisemagazin-Leiter Tobias Büscher.

 


Was ist Galicien?

Eine Region in Polen, aber bitte mit einem Z im Wort. Galicien mit C ist die nordwestspanische Region mit der größten Irrenanstalt namens Conxo und der schönsten Kathedrale namens Catedral de Santiago de Compostela. Das Chanel No5 da heißt Botafumeiro: Weihrauchkessel. Einen Pilgerschatten gibt es übrigens auch.

Was darf niemand bei einem Besuch verpassen?

Vor den Pilgern fliehen. Im Juli in Santiago. Am 25. Juli ist der Tag des Apostels und die kleine Granitstadt quillt über vor lauter Wanderern mit oder ohne einen Glauben. Doch den verliert man bei dem Gedränge sowieso.

Was ist bei Besuchern besonders beliebt?

Neben der Hauptstadt Santiago vor allem das Ende der Welt, Finisterre. Die Fischrestaurants wissen das dort und bieten Jakobsmuscheln zu Preisen an wie Bayern München Ehrensitzplätze im Stadion. Beliebt sind auch die Feste zu Ehren der Miesmuschel, der Pfefferschote und der Kartoffel. Ideal für Schnorrer.


Weihrauchkesselschwenker in Santiago
Weihrauchkessel nach dem Schwung © tb
Pulpo ist Seekrake auf galicisch, hier auf einem Holzteller
Na Teutone, noch einen Krakenteller? © tb

Was ist in Galicien besonders unbekannt, zu unrecht?

Tui. Nicht etwa das Reiseunternehmen, das Galicien weitgehend ignoriert, sondern die Bischofsstadt Tui nahe der portugiesischen Grenze. Süße Altstadt, tolle Herbergen, fruchtbare Weinfelder, ein Traum.

 

Welche Galicier sind berühmt?


Franco, der Diktator, der stammte aus Ferrol. Dann hätten wir da noch den aktuellen Regierungschef Mariano Rajoy, den Schnulzensänger Julio Iglesias und den steinreichen Zara-Gründer Amancio Ortega. Der ist übrigens der drittreichste Mann der Welt. Auch ja: und Fidel Castro. Jedenfalls kamen seine Vorfahren aus Galicien. Und die Vorfahren der Galicier bauten Castros, Keltensiedlungen, siehe Bild:

 

 

 

 

Grundmauern einer Keltensiedlung in Nordspanien
Fidel Castro kommt von Castro: Keltensiedlung © tb

Was ist das kulinarische Highlight?

Pulpo. Seekrake auf einem Holzteller, garniert mit grobem Meersalz und Paprikapulver. Dazu eine Porzellanschale Ribeiro-Weißwein. Einfach klasse. Begeistert? Hier ist das Rezept


Was mögen die Galicier gar nicht?

Stierkampf, sie treiben lieber Wildpferde von den Bergen ins Tal.


Was halten die anderen Spanier von den Galiciern

Eine Menge. Weil es so viel regnet, glaubt ganz Andalusien, Galicier kämen mit einem Regenschirm auf die Welt.

 

Javier Bardem in Das Meer in mir
Film Das Meer in mir

Was sind die wichtigsten regionalen Berufe?

Fischer, Modeschöpfer, Schmuggler, Winzer, Kuhzüchter, Regenschirmhersteller, Politiker und Miesmuschelproduzent.


Was sind die besten Filme, in denen Galicien vorkommt?

Die Haut in der ich wohne, von Pedro Almodóvar. Da ist sogar galicische Keramik namens Sargadelos zu sehen. Dann der Film One day in Europe von Hannes Stöhr aus dem Jahr 2005 mit einer wunderbaren Passage, in der ein Pilger einen galicischen Polizisten nervt. Und schließlich Das Meer in mir. Star ist Javier Bardem und die Sache spielt in Vigo. Galicia Incognita sozusagen, also etwas für wirklich Neugierige.

 

Was ist die wildeste Party in Galicien?

Mit Abstand der Karneval in Südgalicien. Wer das einmal erlebt hat, fürchtet keine Maus mehr. Denn Galicier haben nicht nur unfreiwillig urkomische Masken, sie bewerfen sich auch gerne mal mit Mehlklumpen, agressiven Ameisen und Stechginster. Danach hilft nur noch ein Orujo, glauben Sie mir.

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Masken an Karneval in Galicien
Masken, Ameisenwerfen, Karneval, Galicia © sb
Tobias Büscher im Interview mit einer spanischen Zeitung
Interview in der Voz de Galicia