Düsterer Ruf: Castrillo de los Polvazares

Der Ort Castrillo de los Polvazares am Jakobsweg ist ein herausgeputzes Nest mit wenigen Einwohnern und viel Geschichte. Von hierher stammen die berühmten Maragatos, finstere Fuhrleute als Vorlage für Gemälde und Romane.

von Tobias Büscher

Das Dorf der Gemeinde Astorga in der kastilischen Provinz León liegt nur fünf Kilometer von der Stadt Astorga entfernt in 872 Meter Höhe. Und dort in Astorga kreuzen sich die Handelsrouten Silber- und Jakobsweg. In diesem Bereich laufen die müden Pilger in der Bergwelt der Margaratería den Rabanal-Pass hinauf. Und dort lebten einst finster Fuhrleute mit Dolch in der Pluderhose versteckt: Die Malagatos. Doch auch aktuell geht es hier düster zu. Ein Mann hat hier 2015 die Amerikanerin Denise ermordet und zerstückelt, was monatelang die Medien in Aufruhr hielt. Denn die Suche nach der Pilgerin auf dem Weg nach Santiago de Compostela dauerte lange an.

Malagatos: Banditen oder Händler?

Um die Menschen in der entlegenen Bergwelt ranken sich viele Anekdoten. Sie sollen von den Berbern oder gar Germanen abstammen, der Maler Goya verewigte sie als Banditen und sie sollen mit weit mehr gehandelt haben als mit örtlichen Kirschen und Fisch vom nahen Atlantik. Als Schmuggler, versteht sich. Im Dorf Castrillo und im benachbarten Muria war ihre Hochburg. Heute tauchen die Nachfahren dort nach wie vor in den Trachten des 19. Jh. auf. Allerdings nur beim Dorffest. Er in dunkler Pluderhose mit der Flöte in der Hand, sie mit weißem Spitzenkopftuch.

Kopfsteinplaster, eiserne Türklopfer

Castrillo ist ein gutes beispiel für ländliche spanische Architektur im Norden. Die Häuser aus Stein mit großen bunt gemalten Holztüren haben sich seit drei Jh. nicht verändert, die breiten Gassen für die Fuhrwagen sind nie asphaltiert worden sondern grob gepflastert. Und die Schriftstellerin Concha Espina (1896-1955), eine brillante Vertreterin der spanischen Literatur, hat dem Dorf und seiner Umgebung sogar einen ganzen Roman gewidmet: La Esfinge Maragata, wörtlich Die Sphinx Maragata. Die Novelle der damals noch jungen Autorin war eine tragische Liebesgeschichte voller düsterer Momente. Das Dorf Castrillo nennt sie im Roman Valdecruces. Auf Deutsch ist er nie erschienen.Aus der Gegend rund um Castrillo stammt übrigens der Cocido Maragato, ein rustikaler Eintopf aus Spaniens Küche mit Steckrüben, Blutwurst und Schweinefüßen ähnlich dem Cocido aus Madrid.Das Dorffest Día de la Magdalena mit den Trachten steigt am 24. Juli. Mehr dazu auf der Webseite con Castrillo