Sigüenza: kleiner Ort im spanischen Kastilien

Schon von weitem sichtbar ist der Parador von Sigüenza. Wie eine maurische Festung liegt er hinter zinnengekrönten Mauern.

Die ursprüngliche Burg – Residenz von Bischöfen, Kardinälen und Königen – stammt aus dem 12. Jh. Die meisten Zimmer haben Fenster zum Innenhof. Es gibt einen Rittersaal und eine Kapelle. Madrilenen kommen gern hierher, um Hochzeiten zu feiern. Dabei soll es hier spuken: Eine weiblicher Geist findet nachts keine Ruhe, weil die Familie einst die Mitgift nicht zahlte und die Hochzeit nicht zustandekam. Wer sich fürchtet, findet in Sigüenza auch Casas rurales, ländliche Gästehäuser) mit Familienanschluss, wo man auf weniger großem Fuß übernachten kann.

Das stille Flair Kastiliens

Sigüenza liegt ca. 80 km östlich von Madrid in der Provinz Guadalajara. Unterhalb der Burg führen enge Straßen mit historischen Steinhäusern steil zur Plaza Mayor mit dem Stadttor, dem Rathaus und den einstigen Domherrenhäusern. Aussichtsbalkone und Galerien münden auf dem Platz. Auf dem kleinen Markt der Plaza und in den paar Boutiquen kommt man leicht mit den Einheimischen ins Gespräch. Sie kennen hier jedes Haus, jede Kirche und jedes Restaurant, ebenso wie die kleinen Dörfer der Umgebung, Geheimtipps des lokalen Tourismus. Es geht gemütlich zu in Sigüenza. Im Schuhgeschäft hängen zwischen gestapelten Kartons drei Stierköpfe von der Wand. Dennoch kann man sich über einen Mangel an Sehenswürdigkeiten in der kleinen Bischofsstadt wahrlich nicht beklagen. Bereits seit 1965 gilt sie in Spanien offiziell als kunsthistorisches Denkmalensemble.

Baukunst, Greco und Terrassencafés

Überdimensioniertes Highlight ist die Kathedrale mit ihrem imposanten Rosettenfenster, eine unter einer Handvoll weiterer sehenswerter Kirchen. Innen schweifen die Augen sofort in unvermutete Höhen an das imposante Deckengewölbe. Zu Baubeginn 1130 wurde die Kathedrale in romanischem Stil errichtet, letztendlich aber in gotischer Bauweise fertiggestellt. Ein Bild der Verkündigung von El Greco hängt hier auch. Für Kenner und Spanier eine Art ästhetisches Pilgerziel ist hier aber die Kapelle mit dem Sarkophag von Martín Vázquez de Arce. Er fiel 1486 mit nur 26 Jahren in einem Kreuzzug gegen die Mauren und wurde als  „El Doncel de Sigüenza“ (Jüngling von Sigüenza) bekannt. Sein Vater ließ seinen Körper Jahre später in der Kathedrale von Sigüenza bestatten. Heute liegen hier noch mehrere Nachfahren, denn die Familie gelangte zu Reichtum und behielt die Kapelle über Jahrhunderte. 

Disco-Sound im Schatten der Kathedrale

Unterhalb der Kathedrale im Park kann man bis spät in die Nacht im Terrassencafé sitzen. Zwei Parallelstraßen weiter bergab dröhnt am Wochenende der Diskosound aus der Straße mit Sigüenzas Szenetreffs. Da kommt man ebenfalls ins Gespräch und es kann schon mal vier Uhr werden. Aber auf eine ganz eigene Weise stellt die Topografie in Sigüenza die Ordnung wieder her. Kneipen und Diskos ganz unten, Dom und Kirchen oberhalb und ganz oben der Parador. Orientierung verlieren? Schwer.

 

 

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