Portugiesischer Jakobsweg

Der Portugiesische Jakobsweg gehört inzwischen neben dem Hauptweg Camino Francés, dem Küstenweg am Atlantik, der Silberroute von Andalusien aus und dem Englischen Jakobsweg sowie dem ursprünglichen Weg Camino Primitivo zu den klassischen Wallfahrtsrouten nach Santiago de Compostela. Doch ein Geheimtipp ist er nicht mehr.

Wer den Camino von den Pyrenäen über Burgos und León bis nach Santiago gelaufen ist, sucht für die nächste Tour gerne eine ruhigere Variante. Denn pro Jahr sind immerhin bis zu 240.000 Wanderer dort unterwegs. Als Alternative besonders beliebt ist der portugiesische Weg Camino Portugués von Porto bis zum Wallfahrtziel in Santiago. Deutlich weniger sind dort unterwegs. Doch allein im August 2017 beispielsweise waren es laut Faro de Vigo bereits 11.750.

Portwein, Pilgerherbergen und Pulpo

Mit einer Länge von 235 Kilometern ist er deutlich kürzer als der Hauptweg und bereits nach zehn Tagen vollendet. Auf den ein oder anderen Regenschauer sollten sich die Pilger einstellen, dafür aber auch auf gutes Essen und Trinken. Portwein in der altehrwürdigen portugiesischen Metropole Porto ist genauso ein Muss wie Pulpo nach dem Überqueren des Miño-Flusses in Tui, wo der Weg die Grenze Portugals zu Spanien überquert. In Galicien angekommen ist das Netz an guten Herbergen übrigens etwas besser, denn die Regionalregierung in Santiago hat viel Geld in den Ausbau investiert.

 

Oporto, Braga, Valenca do Minho

Auf portugiesischer Seite führt der bekannteste Weg von Oporto (Porto) aus über Braga bis nach Valenca do Minho. Die Grenzstadt liegt direkt gegenüber von Tui in Galicien am Miño-Fluss, der auf Portugiesisch Minho heißt.

 

Pontevedra, Portas, Padrón

Die zweite Etappe durch Galicien bis zum Ziel führt ab Tui mit seiner legendären festungsartigen Kathedrale durch die wunderbare Provinzhauptstadt Pontevedra. Sie ist viel unbekannter als Santiago de Compostela und weit weniger überlaufen. Das gilt auch für Padrón, wo es übrigens die berühmtesten Pfefferschoten des Landes gibt: Pimientos de Padrón. Besonders berühmt aber ist Padrón in der Jakobstradition, weil der Leichnam des Apostels angeblich hier hingebracht wurde, bevor er weiter weg vom Meer und den Piraten nach Santiago de Compostela kam.

 

Es gibt noch einige Varianten des portugiesischen Weges, denn der Weg nach Santiago war schon seit dem Mittelalter auch bei den Portugiesen gefragt. Auch die Landesfürsten und Bischöfe fanden die Tradition des Pilgerns ganz wunderbar. Denn sowohl auf portugiesischer als auch auf spanischer Seite mussten die Ortschaften eine sogenannte Jakobsgabe an die Kirche abtreten. Als regelmäßigen Zins. 

 

Auch kulturell sind Galicien und Portugal sehr verbunden. Die Römer verwalteten sie als Provinz Gallaecia. Auch die Sprache ähnelt sich. Galicisch ist eine eigene Sprache mit romanischen Wurzeln, die stark vom Kastilischen und Porgugiesischen beeinflusst ist.

 

Tipps für den Weg

Flüge nach Porto sind beispielsweise mit Ryanair von einigen deutschen Städten aus möglich, darunter Frankfurt. Was Gepäck und Verpflegung angeht, gibt es kaum Unterschiede zum Hauptweg. Und jetzt abschließend zu den Füßen: Wer den Portugiesischen Weg nicht auf der klassischen Route, sondern am Atlantik abläuft, sollte nach dem Baden umbedingt vor dem Weiterlaufen die Füße von jeglichem Sand reinigen. Das gibt sonst böse Wunden. Und: Seidenstrümpfe unter den Wandersocken helfen, Blasen zu vermeiden. Und die stören jeden Pilger am meisten, auf welchem Weg er auch läuft.