Lugo, Provinzhauptstadt in Galicien, Nordwestspanien
Lugos Römerring im Schutz der Unesco © tb
Lage von Lugo auf der Spanienkarte

Lugo - Stadt in Galicien

Die nordwestspanische Stadt Lugo ist die älteste, ärmste und am höchsten gelegene Provinzhauptstadt Galiciens und bietet im Zentrum eine Menge.

von Tobias Büscher


In meinem Reiseführer Galicien und Jakobsweg bei DuMont habe ich der Provinzhauptstadt zwar einige Seiten gewidmet, doch Besuch bekommt sie kaum. Dabei liegt sie punktgenau auf dem ältesten Jakobsweg Spaniens, und im Jahr 2000 erfüllte sich endlich ein lang ersehnter Traum der Lugueños: Die UNESCO nahm ihre römische Stadtmauer in die Liste des Weltkulturerbes auf. Die muralla umrundet die gesamte Altstadt. Und auch wenn sie an manchen Stellen immer wieder bröckelt, sie steht. Und 2015 hat der Bürgermeister dem ehemaligen Diktator Franco die Auszeichnung als Ehrenbürger entzogen. So spät wie sonst keine Stadt in Nordwestspanien.

Römisches Bollwerk mit 85 halbrunden Türmen

Als die Römer die Stadtmauer von Lugo im 3. Jh. n. Chr. errichteten, sollte sie ein wichtiges Bollwerk des Imperiums sein: 8–12 m hoch und 4,5–7 m breit ließen die Baumeister sie anlegen, 85 halbrunde Türme verstärkten den Ring. Doch im 5. Jh. kamen die Sueben und im 8. Jh. die Mauren. Sie mussten die Mauern nur zum Teil schleifen, und nutzten lieber gleich die zehn Stadttore, um Lugo einzunehmen. Gefahr drohte dem heute denkmalgeschützten Bauwerk erst in den 1930er-Jahren. Pläne tauchten auf, sie bei der Stadterweiterung niederzureißen. Doch die Lugenser, so steht es im Buch von DuMont, verteidigten ihren Schutzwall, der sie seinerseits selbst nie wirklich verteidigen konnte. Und so heißt es in Lugo (80000 Einwohner) auch, die muralla schütze allenfalls vor winterlicher Kälte – und vor allzu modernem Zeitgeist.


Lugo, Zentrum bei Nacht
Altstadt von Lugo bei Nacht © tb

Gagat, Gold und Greco

Wenn in Lugo die Sonne über der römischen Mauer aufgeht, bekommt davon kaum ein Tourist etwas mit. Warum? Es gibt kaum welche. Das nahe Santiago ist der Magnet, und Lugo steht deutlich im Schatten der Pilgermetropole. Die Bewohner stört das nicht, und auch wenn sie landesweit etwa den Ruf haben wie bei uns die Ostfriesen, sie lächeln einfach. Zurückgeblieben und wenig Zeitgeist? Ach was! Die Tageszeitung heißt hier schließlich "El Progreso" (Der Fortschritt).
Besucher sind also eher selten. Und wenn, dann sind es Individualisten oder Pilger, die statt dem üblichen Jakobsweg Camino Francés lieber auf dem ursprünglichen Weg (Camino Primitivo) laufen und so zwangsläufig durch Lugo kommen. Ein Highlight hier ist das Museo Provincial. Es ist in einem spätmittelalterlichen Franziskanerkonvent integriert, hat einen Kreuzgang und einiges zu bieten: keltiberische Inschriftsteine, römische Fußbodenmosaiken, pechschwarzer Gagat (azabache), Sonnenuhren, Sargadelos-Porzellan und Gemälde galicischer Künstler wie den Modernisten Arturo Souto (1901–1964). Einzigartig wiederum ist die Sammlung keltischer Halsreifen aus Gold (Torques).

Figurenschmuck, Kathedrale von Lugo, Kapitelle
Figurenschmuck an der Kathedrale von Lugo, tb

Porta de Santiago & Kathedrale

Das wichtigste Stadttor der römischen Mauer ist die Porta de Santiago. Das "Jakobstor" begrüßt die Besucher entsprechend mit einem Bildnis des Apostels als Maurentöter. Und nur wenige Meter entfernt liegt die Kathedrale Santa María mit ihrer strengen, klassizistischen Fassade. Dort ist auch die Figur eines Bischofs namens Froilán, den kurioserweise ein Wolf begleitet. Die Legende will, dass die Bestie des Bischofs Esel fraß und zur Strafe die Bücherlast von nun an selber tragen musste. Die Bewohner selbst gehen im Innern gerne zur barocken Capilla Nosa Señora dos Ollos Grandes, denn dort steht Lugos Schutzpatronin, die wunderliche ›Madonna mit den großen Augen‹.

Galicierin in ihrer Küche in Fonsagrada, Nordwestspanien
Eva, Köchin aus Galicien © tb

Plätze und Tavernen in Lugo

In der Altstadt rund um die Plätze Maior und Campo liegen die meisten Tavernen und Restaurants. Besondes gut ist das Verruga in der Straße Cruz 12 (Mo geschl.), wo es leckeren Thunfisch und frische Meeresfrüchte aus eigenen Fanggründen gibt. Wer es etwas günstiger mag, sollte die Tapas im Outes in der Straße Serra de Outes 86 probieren, darunter so typisch galicisches wie Seekrake (Pulpo) und Pasteten (empanadas).

 

Umgebung der Stadt Lugo

 

Die Stadt Lugo ist Provinzhauptstadt, doch in der Provinz leben relativ wenige Bewohner. Entsprechend grün ist die Natur. Nicht weit von Lugo befindet sich das Naturschutzgebiet Os Ancares, in der man wunderbar wandern kann. Zur Atlantikküste hin liegt Vilalba und ganz an der Küste Ribadeo, die an die Region Asturien grenzt.

 

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