Studenten bei der Mittagspause in Madrid
Studenten in Madrid © tb

Uni Complutense in Madrid

Die Universität Complutense ist die größte Uni in Madrid und bietet Platz für rund 90 000 Studenten. Auch ein Auslandsstudium ist dort möglich: ob für drei Monate oder ein ganzes Studienjahr.


Die Ciudad Universitaria ist ein riesiger Campus im Nordwesten Madrids an der Nationalstraße N VI. Das Gelände mit seinen 320 Hektar umfasst die unterschiedlichen Fakultäten der Universidad Complutense (www.ucm.es), dazu Sportanlagen, Verwaltungsgebäude, Studentenwohnheime (colegio mayor), Mensen, Festsäle und Laboratorien. Von der Metrostation Ciudad Universitaria oder mit dem Bus ab Moncloa bzw. Cuatro Caminos gelangt man auf das weite Gelände voller Baumalleen, Gärten und langen geraden Straßen.
An dieser größten Hochschule Spaniens studieren derzeit rund 90 000 Studenten. Zweitgrößte Uni ist seit 1969 außerhalb der Stadt im nördlichen Cantoblanco die Universidad Autónoma.

Studium für Ausländer in Madrid

Die Facultad de Filosofía y Letras ist auch für Ausländer interessant, denn neben Vollstudien und Gasthörerstudien werden hier Vierteljahreskurse und der ganzjährige „Kurs hispanischer Studien“ für alle zwischen 16 und 60 Jahren angeboten.

Anmeldung: Universidad Complutense, Secretaría de los Cursos para Extranjeros, Facultad de ­Filosofía y Letras (Edificio A) 28040 Madrid, Tel. 91 394 53 25, (webseite). Direkt beim Sekretariat der „Cursos para extranjeros“ können die Immatrikulationsunterlagen angefordert werden. Man kann sich den Studienplatz durch eine Vorausbezah­lung reservieren lassen. Die Einschreibung ist auch kurz vor dem Kursbeginn vor Ort möglich.

Kursangebote: Die Universität bietet drei Arten von Kursen an: Drei-Monats-Sprachkurse, die Anfang Oktober, Anfang Januar oder Ende März/Anfang April beginnen, verschiedene Som­merkurse im Juli und einen Jahreskurs, der von Oktober bis Juni dauert.
Bei den dreimonatigen Kursen steht das Spanischlernen im Vordergrund.

 

Jahreskurs: guter Einblick in die spanische Kultur

Der Jahreskurs „Curso de Estudios Hispáni­cos“ ist für Leute, die schon recht gut Spa­nisch sprechen. Er vermittelt Allgemeinwissen zu Spanien. Der sehr verschulte und größtenteils auf Monologe der Lehrenden eingestellte Unterricht in spanischer Philosophie, Architektur, Literatur, Geschich­te, Politik, Malerei und Geografie gibt insgesamt einen abgerundeten Einblick in Land und Leute. Fester Bestandteil des Kur­ses ist das Pauken von Grammatik und Ana­lysieren von spanischen Texten.
Da das Abitur keine Zugangsvoraussetzung ist, wird dieser Kurs nicht nach BAföG gefördert. Jeder zwischen 16 und 60 Jahren kann sich anmelden.
Ein Nachteil bei diesen relativ preisgünstigen Kursen ist die hohe Schülerzahl (rund 80) pro Klasse.

 

 

Madrilenen studieren anders …

Das Unisystem unterscheidet sich von unserem in einigen Punkten. Von Mitsprache kann kaum eine Rede sein. Die Professoren erklären meist in Form von Monologen, was die Zuhörer dann zweimal im Studienjahr in den Prü­fungen wiederkäuen müssen. Auch die Studiengebühren sind ungleich höher als in Frankreich oder Deutschland. Wer kein Stipendium bekommt oder nicht von reichen Eltern gesponsert wird, jobbt tagsüber und geht in die abendli­chen Vorlesungen.

Die Uni damals:

Die erste Universität bekam Madrid erst 1836, als man die Hochschule von Alcalá de Henares (das alte Städtchen Complutum der Römer) in die Hauptstadt verlegte. Seit 1499 hatten dort zahlreiche Persönlichkeiten wie die Dichter Calderón, Lope de Vega und Tirso de Molina das mittelalter­liche Studienzentrum besucht. Große Wissenschaftler und Techniker der Uni prägen heute die Straßennamen der Madrider Universitätsstadt. Als die Uni Madrids in der Calle San Bernardo räumlich für Forschung und Lehre zu klein wurde, gründete Alfonso XIII. den Campus auf dem königlichen Grundstück am Palacio de Moncloa (heute Regierungssitz). Dabei hatte er wohl auch im Hinterkopf, die Intellektuellen aus dem Stadtkern zu entfernen, um politischen Protesten die Dynamik zu nehmen. Doch gerade politische Auseinandersetzungen behinderten den Bau nach Plänen von Modesto López Ortero über Jahre.

Zerstörungen während des Bürgerkriegs

Die meisten Gebäude mussten nach dem Bürgerkrieg neu aufgebaut werden, denn ab November 1936 war der Campus mit dem nahen Parque del Oeste die Hauptverteidigungslinie des republikanischen Madrids. Die Hörsäle standen unter ständigem Artilleriefeuer, einige Bauten, die Francos Truppen schon besetzt hatten, sprengten die Republi­kaner in die Luft. Anarchisten, regierungstreue Truppen und die internationale Miliz vereitelten dadurch lange Zeit das militärisch-strategische Ziel Francos, die Hauptstadt einzu­nehmen.
Von 1940 bis in die 1970er-Jahre zog sich der Bau des Campus, der mehrere architektonische Stile vereint. Avantgardistische Bauten wechseln ab mit faschistischer Franco-Bauweise und billigen Klötzen. In der eiskalten Fakultät für Journalismus sind sogar schon Horrorfilme gedreht worden. Nicht viel schöner ist das Edificio B der Facultad de Filosofía y Letras von 1962.

Studentenproteste

Auch vehemente studentische Proteste dauerten bis in die 1970er-Jahre an. Sie begannen nicht erst ‘68, sondern schon in den 1950er-Jahren. Besonders an der Complutense und in Barcelona plädierten mutige Hochschüler für Mitspracherecht in Universitätswesen und Gesellschaft. Die Antwort waren Schlagstöcke, Wasserwerfer, CS-Gas, Verhöre und Folter. Einige der damaligen Studentenvertreter sitzen inzwischen natürlich längst auf Gewerkschaftsposten, in den Medien und im Parlament.

Schlechte Noten für Spaniens Bildung

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