Valencia in der Pool Position

Die Fortbewegung zu Fuß in Valencia funktioniert gut, denn im Zentrum liegt alles nah zusammen.

Zum sehr breiten Sandstrand Malvarrosa, mit seinen Restaurants, oder zum neu gestalteten Hafen sollte man entweder eine der nicht allzu teuren Taxen oder die Metro nehmen. Rund 500 Millionen Euro hat die Stadt in den Um- und Ausbau des Hafens investiert, um ihn in ein stylisches Segelsportzentrum zu verwandeln, das im Jahr 2007 dem America’s Cup als Kulisse diente. Promenaden umsäumen das Becken und der Aussichtspavillon mit dem Namen „Veles i vents“, übrigens der Titel eines Gedichts des berühmten valencianischen Poeten und Ritters Ausiàs March, beherbergt eine angesagte Chillout-Bar. Erst mit diesem Ereignis drängte der Hafen wieder zurück ins Bewusstsein der meisten Valencianer, die ihn lange ignoriert hatten.

Jährliche Rennen

Und im August 2008 bildete er wieder die Kulisse für ein internationales Ereignis: Die Formel 1 trägt nun hier bis 2014 jährlich ein Rennen aus, auf einer nagelneuen, fünf Kilometer langen Strecke um das Hafenbecken. Die beiden Sportereignisse und auch die „Stadt der Künste und der Wissenschaften“ haben Valencias Image international aufpoliert, vor allem aber auch national, denn als drittgrößte Stadt Spaniens stand sie immer im Schatten Madrids und Barcelonas. Gerade mit letzterer verbindet sie eine ewige Konkurrenz, nicht zuletzt wegen der kulturellen und sprachlichen Gemeinsamkeiten, die teils freudig akzeptiert, teils abgelehnt werden, je nach politischer Großwetterlage. Zu den Befindlichkeiten nur soviel: Das Valenciano ist trotz häufiger gegenteiliger Behauptungen keine eigene Sprache, sondern eine Variante des Katalanischen. Und auch wenn die Bewohner sich hauptsächlich in Valenciano unterhalten: Besucher, die Castellano (Spanisch) sprechen, haben keine Probleme.

Kräne und Kulinarisches

Wer Valencia aus der Luft betrachtet oder über eine der Einfallstraßen hineinfährt wird zunächst einen Schreck bekommen, denn Kräne und Hochhausrohbauten beherrschen die Szenerie. Der spanische Bauboom, aber dann auch die Immobilienkrise, sind nicht spurlos an der 800.000-Einwohner-Metropole vorbei gegangen. Die meisten Gebäude in den Vorstädten, gehören - wie im Rest der Welt - in die Kategorie "Schuhkartonstapel", zweckmäßig und häßlich. Es kann eben nicht jeder Architekt die Visionen eines Santiago Calatrava haben (und sie auch finanziert bekommen). Aber schon kurz hinter diesen Auswüchsen der Moderne beginnt im Westen die huerta, deren Orangenbäume im Frühjahr die gesamte Region in Orangenblütenduft tauchen, woher auch der Name Costa del Azahar stammt. Im Süden, rund 15 Kilometer entfernt, liegt La Albufera, ein etwa 3.000 ha großer, fischreicher See, der vielen Wasser- und Zugvögeln, u.a. Flamingos, eine Heimat bietet. Mitten im See liegt das Dörfchen El Palmar, berühmt für seine Restaurants, in denen Aal mit Knoblauch und Pfeffer, Fideuá, Paella und Arroz Negro angeboten werden. Den Reisanbau rund um den See und sein Bewässerungssystem haben die Mauren begründet und somit die Basis für die valencianische Küche gelegt. Besuchen sie das Dorf nicht am Wochenende oder während seiner berühmten Prozession am 4. August, denn dann bilden sich kilometerlange Staus fast bis zur Stadt zurück.

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