Albarracin
Albarracin
Burgos: Staue El Cid
Burgos: El Cid © caminodelcid.org

Wanderweg Camino del Cid

So etwas gibt es wohl sonst kaum in der Welt: ein Wanderweg, dessen Route einer literarischen Vorlage folgt. Und nicht irgendeiner. Der Camino del Cid geht den abenteuerlichen Spuren des spanischen Nationalhelden Don Rodrigo de Vivar, genannt „El Cid Campeador“ nach.

 

von Marcos Fernández Vacas

 

Der Camino del Cid verbindet die Autonomen Regionen Castilla y León, Castilla-La Mancha, Aragón und Valencia miteinander. Beim Beschreiten des Weges kann der Wanderer nach und nach die Ausläufer des Kantabrischen Gebirges, die kleinen Dörfer Guadalajaras oder die mediterranen Küstengebiete Castellóns und Valencias erleben. Der Vielfalt der Landschaften gesellen sich kulturelle Sehenswürdigkeiten hinzu, die geprägt sind von der Zeit der Reconquista. Vor allem maurische und kastilische Elemente mischen sich miteinander, aber auch die jüdische Kultur hat ihre Spuren hinterlassen. Die historischen Fakten über den Cid sind spärlich und lückenhaft. Jedoch hat ein anonymer Autor aus dem späten 12. Jahrhundert die zur Legende gewordenen Taten des „Cid“ gesammelt und das Versepos „Cantar de mio Cid“ geschrieben. Das erste Erzählwerk in spanischer Sprache gehört seitdem zur Weltliteratur. Und schon im späten 19. Jh. folgten wohlhabende ausländische Spanienliebhaber den Spuren des „Cid“. Seitdem sind viele Kulturinteressierte den Camino gegangen. Ziel ist stets Valencia, so wie es im Epos beschrieben ist.

Gründung des Camino del Cid

Bis vor einigen Jahren waren die Wanderliebhaber aber auf sich selbst gestellt. Es gab kaum Routenbeschreibungen in Reiseführern, geschweige denn einen speziellen Wanderführer. So verblasste dieser Weg gegenüber dem berühmten Camino de Santiago, und im Ausland ist er auch bis heute weitgehend unbekannt. Erst 2002 gründete sich der Consorcio Camino del Cid aus den Landkreisen Soria, Guadalajara, Zaragoza, Teruel, Castellón, Valencia und Alicante. Man wollte einen Wanderweg errichten, der die Orte Vivar del Cid, Burgos und San Pedro de Cardeña verbindet. Diese Route ist im ersten Gesang des Cantar de mio Cid beschrieben. Zur Feier des 800-jährigen Bestehens des Versepos eröffneten die vier Autonomen Regionen Castilla y León, Castilla-La Mancha, Aragón und Valencia 2007 den offiziellen Wanderweg Camino del Cid. Er ist zu Fuß als auch motorisiert erlebbar. In den meisten Ortschaften kann man sich in einem speziellen Wanderpass mit einem Stempel die Wanderung offiziell bestätigen lassen. Fragen sie danach!

 

 

Stadtmauer von Albarracín©caminodelcid.org

Routenabschnitte des Camino del Cid

El Camino: Los Tramos


Die Hauptroute ist in Abschnitten aufgeteilt, die der Geschichte des Cid folgen.

Wegweiser Camino del Cid
Wegweiser Camino del Cid, tb

Kastilien: El Destierro/Die Verbannung:

Hier wandert man durch das alte Königreich von Kastilien und León, von Vivar del Cid (Burgos) bis Atienza (Guadalajara). Es geht entlang einer ländlich geprägten Landschaft, Sierras und kleinen Flüssen.  In Santo Domingo de Silos kann der Besucher sich die romanische Benediktinerabtei anschauen und den gregorianischen Gesängen der Mönche lauschen.  Auch der kleine Ort El Burgo de Osma ist von einer romanischen Kirche und einer Burg derselben Epoche geprägt. Überhaupt wird man auf der Strecke immer wieder auf Dörfer treffen in denen romanische Bauwerke sich erhalten haben.

Tierras de Frontera/Grenzgebiete:

Von Atienza geht es nun bis Ateca. Der Wanderer geht durch die alten muslimisch geprägten Landschaften, die Grenzgebiete zwischen Kastilien und Aragón waren, in denen der Cid begann sein Gesetz durchzusetzen und in Alcocer eine entscheidende Schlacht gewann.  Auch hier trifft man auf malerische kleine Dörfer und Ortschaften. Oft sieht man Festungen mit Schutzmauern aus Stein, die am höchst gelegenen Punkt über die Landschaft wachen. Auch die alten Wohnhäuser sind aus groben Steinblöcken und vermitteln einen Eindruck über die Lebensverhältnisse der damaligen Zeit. Die bekanntesten sind Jaraque und Sigüenza. In diesen wie auch in Medicaneli oder Calatayud findet der Neugierige aber auch islamische und jüdische Elemente.

Las Tres Taifas/ Die drei Taifas:

Es geht jetzt von Ateca bis Cella. Taifas waren drei muslimische Reiche, die ab 1031 auf der Iberischen Halbinsel existierten. Interessante Orte wie Daroca warten auf den Reisenden, jemenitische Araber gründeten sie im achten Jahrhundert. Die Landschaft wird weiterhin von sierras bestimmt, nun ist die Wanderung auch physisch anspruchsvoll. Belohnt wird man durch die Einblicke in den Parque Natural del Alto Tajo und der Besichtigung des Santuario de Nuesta Señora de la Hoz. Das Salzbergwerk von Almallá liegt auf dem Weg und Albarracín, eines der schönsten Dörfer Spaniens. In Cella endet die Route, von wo aus der Cid Valencia wiedereroberte. Aber es bleibt Zeit für einen Abstecher nach Teruel.

Valencia:Torre de Serranos©caminodelcid.org

La conquista de Valencia/Die Eroberung Valencias:

Bei dieser Route kommt man auch an natürlichen Thermalbädern, Mischwäldern in bereits mediterraner Lage, Flüsse und mittelalterlich anmutende Orte vorbei. Ab Jérica beschreitet man den alten römischen Weg, den der Cid nahm, um Valencia zu erobern. Nach Segorbe und Navajas geht man durch fruchtbare Landschaften und kommt in Sagunt an. Dies ist eine der ältesten Städte Spaniens, gegründet von Römern, in Bau und Architektur von den Muslimen erweitert. Nachdem der Cid diese wichtige Stadt erobert hatte, ging er weiter, nahe den Stränden am Mittelmeer entlang, und gelangte schließlich nach Valencia, das er ebenfalls einnahm. Der Reisende wird mit dieser Stadt und dem sprudelnden Leben in ihr für seine Mühen belohnt.

La defensa del Sur, Die Verteidigung des Südens:

Es ist dies eine Route, die eigentlich nicht mehr zum originalen Camino del Cid gehört. Aber aus historischem Interesse wurde diese Strecke vom Consorcio mit aufgenommen. Von Valencia geht es über Xátiva aus bis nach Orihuela in Alicante, Dabei lernt man so interessante Orte wie Sax oder Elche kennen. Allerdings ist dieser letzte Abschnitt noch nicht markiert.

 


 

 

 Der Autor

 

Marcos Fernández Vacas, Kind baskisch-burgalesischer Eltern, lebt von Geburt an in Bonn. Er hat einen Faible für spanische Philosophen wie Miguel de Unamuno sowie Flamenco und spielt selber Gitarre.

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