Corona-Krise: Spanierin erzählt vom Alltag vor Ort

Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez hat wegen der Corona-Gefahr den Alarmzustand verhängt. Die Galicierin Laura erzählt, wie sich das auf ihren Alltag auswirkt. Was alles geschlossen hat und was ihr am meisten Sorgen bereitet.

Laura Manteiga ist Pferdeexpertin, speziell für die lokalen Wildpferde Nordwestspaniens. Sie lebt in Santiago de Compostela und hat meiner Tochter Marie im August letzten Jahres Reitunterricht gegeben. Im Interview erzählt sie, wie sich das Coronavirus auf das Leben in Spanien auswirkt. Und wie sie die Situation selbst erlebt.

In Deinem Land herrscht Alarmzustand wegen Covid 19. Was bedeutet das für deine Stadt Santiago de Compostela?

Laura: Seit gestern um Punkt 12 Uhr ist die Kathedrale von Santiago geschlossen. Zudem werden nach und nach alle Pilgerherbergen auf dem Jakobsweg dicht gemacht.

Ist das Alltagsleben in Spanien komplett ausgeschaltet?

Laura: Alle Bars und Restaurants im Land sind zu, die Schulen und Institute ebenfalls. Öffentliche Veranstaltungen sind allesamt verschoben, vom Rockkonzert bis zum Fußballspiel. Seit heute Nachmittag ist in Madrid beispielsweise auch der Besuch des Retiro-Parks nicht mehr möglich.

Halten sich die Spanier an die Verordnungen der Regierung?

Laura: Viele nicht. Heute beispielsweise sind in Santiago viele Leute trotz Verbot durch die Parks gelaufen, haben gejoggt und ihre Hunde ausgeführt. Und das obwohl die Regierung so etwas strikt untersagt hat. 

Wie ernährt ihr euch?

Laura: Den Auflagen aus Madrid zufolge dürfen wir Spanier im Supermarkt einkaufen gehen, allerdings nur jeweils einer aus der Familie.

Wie sieht es mit der Arbeit aus?

Laura: Homeoffice ist jetzt gefragt weil erlaubt, ansonsten das Arbeiten verboten. Ich kann derzeit also auch nicht meine Pferde pflegen.

Wie werden die Tiere denn versorgt?

Laura: Die Jungs vor Ort geben ihnen zu Fressen, lassen sie aus dem Stall und säubern sie. Mehr geht derzeit nicht.

Was beunruhigt Dich am meisten?

Laura: Meine Schwester ist Stewardess und ihre Airline fliegt einfach weiter. Deshalb musste sie gestern einen Flug nach Frankreich begleiten, morgen nach England. Ich kann das überhaupt nicht verstehen. Das ist von der Fluglinie verantwortungslos und dumm. Wir sollten kollektiv seriös mit dem Virus umgehen, Bahnen und Busse meiden und die Ansteckungsgefahr eindämmen. Dass da noch weiter geflogen wird, halte ich für Wahnsinn.

Die Fluglinie ist Iberia?

Laura: Nein, eine andere, aber ich trau mich nicht zu sagen welche. Sie könnte ihren Job verlieren.

Worauf kommt es jetzt an?

Die Flieger müssen am Boden bleiben. Dazu sollte die Regierung die Flughäfen schließen. Wir brauchen jetzt den Slogan #quedateencasa!! (Bleib bloß zu Hause). Damit sich nicht noch mehr Leute anstecken. Für mich gilt jetzt schon der Hashtag #YoMeQuedoEnCasa (ich bleib zu Hause).

Laura, vielen Dank für das Gespräch

 

PS: Das Interview führte der Leiter dieser Redaktion, Tobias Büscher.