Hundstage: der Barcelona-Krimi

Der Buchhändler hatte die passende Idee. Ein Krimi von einem spanischen Autor, der in Spanien spielt und am besten noch mit Hunden zu tun hat? Ich bekomme „Hundstage“ in die Hand gedrückt.

Der spanische Hunde-Krimi stammt von Alicia Giménez-Bartlett. Die Autorin zählt zu den erfolgreichsten Gegenwarts-Schriftstellerinnen Spaniens. „Hundstage“ gehört zu der Krimi-Reihe um das eigenwillige Ermittlerduo Inspectora Petra Delicado und Subinspector Fermín Garzón, das im schönen Barcelona auf Verbrecherjagd geht. Einige der Petra-Delicado-Fälle wurden für das spanische und italienische Fernsehen verfilmt.

Mordermittlung zwischen Wuff und Whiskey

„Hundstage“ beginnt hundelos: Ein Mann wird Opfer einer Prügelattacke und erliegt Tage später seinen Verletzungen. Der Mann scheint ein Phantom zu sein. Ein Unbekannter für die Polizei, niemand kennt ihn. Einzige Spur für Delicado und ihren Kollegen ist ein Hund, der den komatöses Patienten im Krankenhaus spektakulär als sein Herrchen identifiziert. Mit Hilfe des zotteligen Vierbeiners tauchen die beiden Ermittler in eine Welt ein, in der sich alles um den treuen Freund des Menschen dreht und von deren Ausmaß sie nicht die leiseste Ahnung hatten.

Südländischer Witz

Der Gang der Ermittlungen ist südländisch geprägt, sprich, es gibt noch ein Leben neben der Polizeiarbeit. Dementsprechend wird viel gegessen, noch mehr getrunken, geliebt, gestritten und geärgert.

Es geht auch ohne DNA

Wer mit Vorliebe bizarr verschachtelte, Blut gefrierende Kriminalromane liest und sein CSI-Serienwissen nicht beiseite legen kann, der sollte an „Hundstage“ vorbeigreifen. Denn hier gibt das Verbrechen einen Spannungsrahmen vor, in den auch die privaten Höhen und Tiefen der Inspectora und ihres Subinspectors Eingang finden. Das geschieht in einer schönen, flüssigen Schreibweise, teils humorvoll, teils bissig. Und teils mit bizarren, aber bestechenden Vergleichen der Ich-Erzählerin Delicado, wenn sie etwa den Zucker in ihrem Kaffee so hingebungsvoll wie bei einem wissenschaftlichen Experiment verrührt, ihr Kollege Garzón rot wie ein Puter kurz vor der Schlachtung wird oder die falschen Smaragd-Ohrringe eine Frau zur Waldgöttin machen.„Weil sie die Chefin ist.“

Immer wieder fließen kleine Monologe der Inspectora in die Geschichte ein, welche die Figur zur Sympathieträgerin machen – gerade wegen ihrer eigentümlich weiblichen Logik und Widersprüchlichkeit. Petra Delicado ist keine strahlende Romanheldin, sondern eine erfahrene Frau, selbstbewusst, schlagfertig und trinkfest, vielleicht manchmal etwas zu direkt für ihre Umwelt, mit einem Herz für Straßenhunde und keineswegs fehlerfrei. Die Autorin sagt, Petra Delicado sei ihr als Inspektorin sehr vertraut. Und zum Glück auch noch die Chefin.

Fazit zum Krimi:

„Hundstage“ ist bei weitem keine Neuerscheinung mehr, aber der Krimi erfüllt alle Voraussetzungen, um einen im Urlaub oder an einem verregneten Herbstwochenende gut und vergnüglich zu unterhalten. 

 

 

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