Buchrezension

Nerea Riesco: Der Turm der Könige

Nerea Riescos historischer Roman ist in Spanien ein Bestseller und erschien 2012 übersetzt im FISCHER Verlag. Die ambitioniert angelegte Erzählung entführt in die Welt Sevillas zur Zeit der Aufklärung und verfolgt zwei parallel laufende Handlungsstränge.

 

von Anne Urbschat

 

Sevilla 1755. Ein Erdbeben erschüttert die Stadt. Und damit beginnt eine Familiengeschichte, die sich über drei Generationen spannt. Doña Julia, Witwe und Erbin einer angesehenen Druckerei, heiratet den mysteriösen Léon de Montenegro. Was sie nicht weiß: Ihr Gemahl ist auserwählt, eine jahrhundertealte Schachpartie zu beenden.

 

Gut 500 Jahre zuvor: Die Christen haben die Stadt erobert. Doch die Giralda, das Minarett der Moschee, soll nicht in die Hände der Eroberer fallen. Lieber will der maurische Herrscher Axataf den Turm zerstören. Der christliche König bietet ihm an, um den Turm zu spielen. Die beiden beginnen ein Schachturnier, das über 500 Jahre später noch immer nicht entschieden ist. Doch inzwischen sind die damals vereinbarten Spielregeln verloren gegangen.

Spielregeln verzweifelt gesucht

Zwei Handlungsstränge ziehen sich also durch den Roman. Die Geschichte einer Druckerei in Spanien zur Zeit der Aufklärung, noch dazu von einer Frau geleitet, wäre an sich interessant. Leider schreibt Riesco hierüber nur oberflächlich. Und die fiktive Schachsaga kommt trotz - oder aufgrund - ihrer Dauer nie in Fahrt. Die langwierige Suche nach den Spielregeln verläuft brutal, obwohl sich außer ein paar Ordensbrüdern kaum noch jemand an den Pakt zu erinnern scheint.

Genau wie Pfirsiche ...

Auch kleinere Ungereimtheiten haben sich eingeschlichen: Trotz drückenden und schwülen Wetters jagen die Wolken zum Fluss hin. Der Ehemann, der sich eben noch nur für Schach interessiert und keinen Beitrag zum Druckereigeschäft leistet, geht im nächsten Augenblick „seiner Arbeit nach“. Ein Baby von nur wenigen Monaten spielt auf der Veranda, darauf bedacht, das "Organzakleidchen nicht schmutzig zu machen". Und auch solche Sätze kommen vor: „Wenn eine Frau eine rote Nelke erhält, heißt das, dass der Mann, der sie ihr schenkt, aufrichtige Liebe für sie empfindet. Genau wie Pfirsiche.“

Ortskundige Autorin

Nerea Riesco kennt sich in Sevilla und mit dessen Geschichte gut aus. Ihr gelingt daher ein recht anschauliches Bild der Stadt und ihrer Bewohner. Dennoch bleibt die Darstellung atmosphärisch streckenweise flach und nur mäßig spannend. Entgegen der Meinung von Für Sie (siehe Einband) braucht man also doch ein Lesezeichen. Ein weiteres Buch der Autorin: Die Spur der Hexe

Details zum Buch

Titel: Der Turm der Könige

Autorin: Nerea Riesco

Preis: 9.99 Euro

Seiten 544

Verlag: FISCHER

Sprache: Deutsch

1. Auflage: 2012