Manos Limpias: die Denunzianten-Gewerkschaft

1995 entstand der sogenannte Beamtenverband Manos Limpias mit Namen Colectivo de Funcionarios Públicos Manos Limpias. Doch Gewerkschaftler sind die “Sauberen Hände” kaum. Vielmehr zeigen sie mit Vorliebe TV-Sender, Politiker, Richter und sogar die Köngigsschwester an. Um die Klage zurückzunehmen, falls sie zahlen.

Die Webseite des spanischen Verbandes Manos Limpias beginnt so: „Viele wollen Dich bestrafen, weil Du die Wahrheit sagst oder richtig handelst. Wenn Du so etwas melden möchtest, klick hier.“ Gleich darunter finden sich die News des Verbands. Tenor: Manos Limpias dementiert, eine rechte Splitterpartei zu unterstützen. Manos Limpias verklagt Ana Botella wegen Betrugs. Manos Limpias zeigt den Bürgermeister von Palafolls an ...

3 Millionen, Königsschwester, und wir lassen die Klage fallen

Die „Sauberen Hände“ stellen sich als Anti-Korruptions-Verein dar. Doch seit Mitte April 2016 ist der Vorsitzende Miguel Bernad (*Bilbao, 1942) selbst in Haft. Er soll die Königsschwester Cristina de Borbón y Grecia erpresst haben nach dem Motto: Wir ziehen die Klage wegen Korruption gegen Dich zurück, wenn Du uns drei Millionen Euro zahlst. Die Infantin tat das nicht, seit Januar 2016 stehen sie und ihr Mann, der Ex-Handball-Profi Iñaki Urdangarin, in Palma de Mallorca vor Gericht. Vorwurf: Beihilfe zum Steuerbetrug durch ihre gemeinnützige Stiftung Nóos. Doch was die Blaublüterin da tat, sind offenbar Peanuts im Vergleich zu Manos Limpias. Seit Jahren, so berichten Spaniens Medien, klagen die 16 Männer mit der ach so weißen Weste gegen alles Mögliche. Wenn nicht schleunigst Geld auf ihr Konto fließt. So haben sie einen andalusischen Sparkassen-Chef angeblich um eine gehörige Summe erleichtert, während ein nordspanischer Kollege vor den Kadi kam, weil er nicht zahlte. Erpressung als Geschäftsmodell? Sollte sich das bestätigen, ist der Verein bald schon Geschichte.

Spanien, der Stier und ich

So nicht: Demo in Unterhosen, Schwule in der Kaserne

Miguel Bernad hat seit Mitte der 90er Jahre immer wieder den Rächer der ungerecht Behandelten im rechten Milieu gespielt. Der TV-Sender Lunnis bekam eine Anzeige, weil dort die Hochzeit zweier Männer zu sehen war. Die Guardia Civil, weil Schwule in den Kasernen ein Zimmer teilten. Den Kameruner Samuel Eto´o zeigte Manos Limpias beim Sportgericht an, weil er als Barca-Spieler einst rief: Madrid, Cabrón, saluda al Campeón (Madrid, Du Arsch, begrüß den Sieger). Und sogar ein paar Feuerwehrmänner. Sie hatten in Unterhosen für bessere Arbeitsbedingungen demonstriert. Die aktuelle Klage gegen die Infantin Cristina ist da schon wesentlich dramatischer. Und auch sonst hat Bernads Klagewut einige Prominente an den Rand der Verzweiflung gebracht. Vor allem den linksgerichteten Untersuchungsrichter Baltasar Garzón verklagte Manos Limpias Jahr für Jahr. Bis er schließlich sogar entlassen wurde und nun als Anwalt arbeitet.

Aus Mani Pulite wird Manos Limpias

Den Namen Manos Limpias hat sich Bernad von den Italienern abgeguckt, deren juristische Untersuchungen Anfang der 90er Jahre Mani Pulite hieß. Doch während der Anwalt Antonio de Pietro einst in Mailand einen Schmiergeldskandal nach dem anderen offenlegte, gilt das spanische Pendant von Miguel Bernad inzwischen selbst als Skandal.Dazu passt sein politisches Vorleben. Der Rechtsgelehrte kandidierte 1994 für die faschistische Frente Nacional für das Europäische Parlament. Neun Monate war er sogar Generalsekretär der Nationalen Front. Doch das Wahlergebnis war niederschmetternd. Und so gründete der Baske eben einen eigenen Verein. Und leitet ihn im Madrider Büro an der Calle Ferraz schon seit 21 Jahren. (tb)

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