Der PSOE-Generalsekretär Rubalcaba
Alfredo Pérez Rubalcaba © lamoncloa.es

Politiker mit Bodenhaftung

Spaniens Politiker Alfredo Pérez Rubalcaba, Chef der Sozialisten bis Sommer 2014, hat eine mustergültige Karriere hinter sich. Nach wie vor ist er einer der beliebtesten Politiker Spaniens. Ein Porträt.

 

von Jörn Thesen

 

Seine Stirn reicht bis an den Hinterkopf. Dieses Defizit an Haaren gleicht Alfredo Pérez Rubalcaba durch seinen Vollbart aus. Er ist ein fähiger Rhetoriker. Den konservativen Abgeordneten Gil Lázaro verspottete er mit einer sarkastischen Anspielung auf einen Popsong von Amaral: „Sin ti no soy nada“. Ohne dich bin ich nichts. Auch wegen solcher Äußerungen ist Rubalcaba in der Bevölkerung beliebt.

Undercover unter Franco

Rubalcaba kam 1951 in Solares in Kantabrien zur Welt. Sein Großvater war Metzger, sein Vater Kampfflieger der Republikaner im Spanischen Bürgerkrieg. Er studierte Chemie und lehrte an der Universität von Madrid, doch schon früh zog es ihn in die Politik: Als er mit 23 Jahren Mitglied der Sozialistischen Arbeiterpartei (PSOE) wurde, war diese noch verboten und Franco noch an der Macht. Die große Bühne betrat Rubalcaba, als Felipe González den Professor 1992 zum Minister für Bildung und Wissenschaft ernannte. Spaniens Regierungschef (1982-1996) schätzt Rubalcaba bis heute: „Er ist der intelligenteste, seriöseste und erfahrenste Politiker, den ich kenne.“ Dieses Lob, versichert González, spreche er unabhängig davon aus, dass beide der gleichen Partei angehören.

Kampf gegen die ETA

Nach der Wahlniederlage der Sozialisten 1996 gehörte er zur Führungsspitze der Opposition. Unter seiner Federführung entstand der „Pakt für Freiheit und gegen den Terror“. Dieses Abkommen gegen die baskische ETA schlossen die damals regierende Volkspartei (PP) und die Sozialisten im Dezember 2000. Der Kampf gegen den Terror bestimmte Rubalcabas politische Laufbahn auch weiterhin. In der Regierung von José Luis Rodríguez Zapatero war er Innenminister, dann stellvertretender Ministerpräsident unter Zapatero und schließlich bis 2014 Chef der PSOE. Seinen Rücktritt verkündete er nach dem schlechten Abschneiden bei der Europawahl im Mai 2014.

Der reiche Mann fährt Škoda

Rubalcaba ist seit 1979 mit Pilar Goya verheiratet. Das kinderlose Paar lernte sich während des Chemiestudiums in Madrid kennen. Er ging in die  Politik, sie wurde unter anderem Mitglied des Spanischen Wissenschaftsrats. Da spanische Parlamentarier seit Juli 2011 verpflichtet sind, ihr Vermögen offenzulegen, ist bekannt, dass Rubalcaba rund eine Million Euro besitzt. Dafür scheint er aber auf dem Boden geblieben zu sein: Privat fährt er einen Kleinwagen von Škoda.

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Autor

 

Jörn Thesen studierte Amerikanistik, Germanistik und Geschichte in
Bonn und Oxford. Abgesehen von Politik interessiert er sich für den
üblichen Medien- und Kulturkram.

 

 

 

 

 

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