Kraniche in Spanien
Kraniche, Bild: Julia Schulz

Kraniche in Spanien

Was haben Vögel mit Touristen gemein? Wenn es in Nordeuropa kalt ist, kommen sie nach Spanien. Im Winter, melden Spaniens Medien, machen dort bereits 200.000 Kraniche Station. So viele wie nie zuvor. Ihre Lieblingsziele sind nicht Mallorca oder Teneriffa, sondern die weiten Felder und Feuchtgebiete in Südkastilien, Andalusien, im Süden Aragóns und in der Extremadura.

Andalusien und Kastilien sind dabei die bevorzugten spanischen Regionen der langhalsigen Grus grus. Wobei die anhaltende Trockenheit auf der Iberischen Halbinsel einen Effekt zeigt. Die Kraniche verteilen sich immer mehr an den Wasserquellen. Und bleiben im Land, ohne weiter nach Afrika zu ziehen. Vorteil für sie: In Spanien stehen Kraniche unter Artenschutz, kein Jäger darf sie töten. Auch deshalb treffen Tierliebhaber auf der Iberischen Halbinsel immer mehr Kranich-Familien an. Europaweit ist die Zahl der Grus grus angeblich bereits auf 150.000 Exemplare angestiegen.

Blacky und Wölkchen fliegen mit GPS

Verantwortlich für die konkreteren jährliche Zählung in Spanien sind die Tierschützer von Grupo de Trabajo y Conservación de la Grulla. Hilfe bekommen die Ökologen dabei von den Bewohnern vor Ort, die teils sogar den Kranich-Ehrentag Dia de las Grullas eingeführt haben. Besonders berühmt sind das Festival de las Grullas in Navavillar de Pela in der Extremadura im Dezember sowie das erst seit 2017 existierende Festival de la Grulla in der zweiten Januarhälfte südlich der Sierra de Gredos in Candeleda, Provinz Avila.  Und genau dort schlagen die Kraniche besonders gern ihr Winterquartier auf, nachdem sie sich vorher im Oktober unter anderem noch im Havelland haben blicken lassen. Der von NABU und WWF unterstützte deutsche Kranichschutz hat den Zug der Vögel auf seine Weise schon vor Jahren nachgewiesen. 2013 versah er in Meckenlenburg Vorpommern die Kraniche Blacky und Wölkchen mit GPS-Sendern und verfolgte so die Route bis nach Spanien und zurück

Foto von Vogelbeobachtern in Spanien
Guck mal: ein Kranich, tb

Mit den Kranichen kommen die Vogelfans

"Para el Pilar llegan y para San José no quedan", sagt der spanische Volksmund. Will heißen: am 12. Oktober, dem Pilar-Tag, kommen sie. Am 19. März, dem Tag des Heiligen Joseph, fliegen sie zurück in den Norden. Und tatsächlich ist von Oktober bis März die beste Zeit, Kraniche in Spanien zu beobachten. Die Extremadura eignet sich da besonders. Keine Region auf dem spanischen Festland ist bei Vogelbeobachtern und Ornithologen so beliebt wie diese zentralspanische Region südöstlich von Madrid an der Grenze zu Portugal.

Störche sind bei Spaniern nicht ganz so beliebt

Der spanische Name für einen Kranich ist grulla. Ungeübte Vogelbeobachter verwechseln sie oft mit Wildgänsen oder mit Störchen. Gänse haben weniger lange Beine und sind kleiner. Störche haben längere Schnäbel und gehören mit ihren langen Beinen seit langer Zeit zu manchem Stadtbild in der Extremadura und Kastilien. Viele stören sich an deren Brutplätzen auf Dächern und Kaminsimsen. Auch das die klappernden Tiere gar nicht mehr wegziehen, ist vielen ein Dorn im Auge.

Ein Fest zu Ehren des Storchs ist jedenfalls noch keinem spanischen Bürgermeister eingefallen. mfv, tb